Unterwegs in Island, Tag 9: Godafoss und Akureyri

Nach dem aufstehen hat es gar nicht mehr so viele Mücken wie gestern Abend. Es sind aber immer noch ausreichend, als das wir einfach mit dem Auto zum Waschhaus fahren. Wir wollen ja sowieso gleich los und es ist nach wie vor außer uns niemand da. Diese Nacht schlief ich das erste Mal seit ein paar Nächten wieder richtig gut – allerdings dieses Mal nicht so lange. Dafür ist mein Buch ausgelesen und ich habe nun erst einmal die Schnauze voll von Herrn Brown und seinem Protagonisten Langdon. Durch mein langes Aufbleiben durfte ich aber die Dunkelheit einer isländischen Nacht erleben. Damit ist es gar nicht so weit her. Die Helligkeit so gegen 1 Uhr am Morgen ist mit einem sehr trüben Tag in Deutschland vergleichbar. Die beiden Taschenlampen in unserem Gepäck haben wir wohl umsonst dabei.

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Godafoss

Der nächste Wasserfall auf unserer Liste. Während wir dort auf dem Parkplatz stehend frühstücken, fängt es an zu tröpfeln. Wir überlegen noch, alles stehen und liegen zu lassen und direkt zur Aussichtsstelle zu gehen. Machen wir nicht, was aber vielleicht keine schlechte Idee gewesen wäre: Schon wenige Minuten später schüttet es dann richtig. Das ist auf der einen Seite gut, denn das Auto hat schon ein wenig Staub und Dreck angesetzt. Andererseits fällt unser Besuch am Wasserfall nun sehr kurz aus. Das ist schade, denn eigentlich sieht der ziemlich hübsch aus.

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Akureyri

Akureyri ist Islands zweitgrößte Stadt mit 18000 Einwohnern. Auf den Weg dorthin öffnet sich der Fjord sehr schön vor einem, wenn man den Berg hinunter kommt. Die Landschaft wird immer breiter. Bis wir wirklich in der Stadt sind, müssen wir noch einen großen Bogen um das Wasser fahren und schließlich hat man dann einfach an einer schmalen Stelle eine flache Brücke über den Fjord gebaut.

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Wir fahren direkt den zentral gelegenen Campingplatz an und checken ein. Nachdem wir das Auto schön geparkt und eine kurze Ruhepause gemacht haben, geht es in die Stadt. Nach einer guten Woche in der Landschaft wirkt diese, für deutsche Verhältnisse doch sehr kleine, Stadt fast riesig. Es gibt eine Fußgängerzone, Cafés und Restaurants und verschiedene Geschäfte aller Art. Das muss natürlich ausgenutzt werden. Es gibt ein schickes Shirt für mich und anschließend Kaffee und Kuchen in einem kleinen, sehr hippen Café.

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In der Stadt scheint man sehr viel Wert auf ihre Geschichte zu legen. Die Häuser sind alle gut in Schuss oder werden gerade renoviert. An vielen hängen etwa A4-große Blechschilder, die ältere Bilder des Gebäudes zeigen und seine Geschichte erzählen.

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Nachdem wir vermutlich alle Straßen der Innenstadt abgelaufen sind und auch am Wasser flanierten, geht es bergauf wieder zum Campingplatz. Wir beschließen das örtliche Schwimmbad zu besuchen, es liegt nur fünf Gehminuten vom Campingplatz weg.

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Das Bad ist prima. Neben den üblichen Becken gibt es auch wieder Hot Tubs, die ich dieses Mal aber nur kurz besuche und mich lieber im angenehm temperierten Schwimmbecken rumtreibe und ein paar Bahnen schwimme. Am Ende sind wir ganz schön lange im Wasser und entsprechend müde, als wir uns auf den Heimweg machen. Nach einem kurzen Einkauf gibt es Abendessen und dann noch einige Seiten in meinem Buch.

Unterwegs in Island, Tag 8: Dimmuborgir, Pseudokrater und ein gruseliger Campingplatz

Dimmuborgir

Nicht nur eine norwegische Metal-Band, sondern vor allem auch eine sehr zerklüftete Lava-Vulkangestein-Landschaft im Norden Islands. Die ist nicht weit von unserem Übernachtungsort weg und so fahren wir da gleich mal hin. Die Attraktion ist sehr gut ausgebaut. Ein ordentlicher Parkplatz, ein großer Pavillon mit Café und Merch-Shop. Man bewegt sich über ordentlich geteerte Fußwege durch die Felsformationen. Wir geraten direkt in eine italienische Reisegruppe. Schön, dass sich Menschengruppen in allen Ländern gleich doof verhalten.

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An der nächsten Abzweigung biegen wir deshalb rechts ab. Noch eine ganze Zeit lang geht es nun über ausgetretene Pfade durch das Gestein, dann wird es flacher. Mir fallen die vielen Löcher im Boden unangenehm auf. Den Weg zu verlassen ist vielleicht keine all zu schlaue Idee. Vor uns wieder eine Ebene, an deren Ende sich Hverfjall erhebt. Das ist ein sogenannter „Tuffring“, der irgendwie vulkanischen Ursprungs ist, aber kein „richtiger“ Krater im eigentlichen Sinn.

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Einige Zeit später stehen wir dann direkt davor. Gute einhundert Meter geht es vor uns hoch. Links von uns sehen wir den „hard path“ und entscheiden uns dafür, lieber ein Stück um den Krater herumzulaufen und den leichteren Aufstieg dort zu wählen. Der Weg dorthin zieht sich allerdings dann doch ganz schön und auch der leichte Aufstieg ist nicht von schlechten Eltern. Irgendwann stehen wir dann aber oben auf dem Ring und sind nicht nur von der Anstrengung des Aufstiegs, sondern auch vom Ausblick auf den Kegel geplättet. Der hat etwa einen Kilometer Durchmesser, die Leute auf der anderen Seite sind richtig winzig. Der Kegel ist vermutlich auch der Höhepunkt der Trostlosigkeit. Grau-schwarzes Vulkangestein und sonst nichts. Hier wächst keine Pflanze. Wir machen uns bei stärker werdendem Wind auf den Weg. Zum Abstieg wollen wir den „hard path“ nehmen, was ja bekanntlich wieder ein gutes Stück zu laufen ist. Wir sind das ja gerade erst unten rum gegangen. Es geht dabei weiter bergauf. Heute ist alles sehr anstrengend. Ich muss das erste Mal die Speicherkarte in der Kamera wechseln und die Spinner möchte auch einen neuen Film. Gute 980 Bilder habe ich zu diesem Zeitpunkt also schon gemacht. Wow!

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Kurz nach der höchsten Stelle des Kraters, an der man eine tolle Aussicht auf den selben, aber auch auf Dimmuborgir, hat, geht es dann wieder nach unten. Der „hard path“ ist ein mit Metallstäben und Seil abgesteckter Zickzack-Weg. Und er ist „hard“: Der Abstieg ist wirklich anstrengend. Es sieht so aus, als würde er alle paar Monate, wenn er ausgetreten ist, wieder ein paar Meter verlegt.

Da jetzt auch noch leichter Regen einsetzt, sind wir froh, wieder in die Felsenschluchten Dimmuborgirs rein zu kommen. Dort ist es windstill. Wir sind ziemlich fertig, wollen uns aber auch noch den Rest der zerklüfteten Felsen anschauen. Die große Runde wird es dann aber nicht mehr, statt dessen machen wir den gelben Weg fertig.

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Anschließend gibt es einen Belohnungs-Espresso im Kaffi Borgir. Neben uns setzt sich ein Teil einer sehr ostdeutschen Rentner-Reisegruppe. Es ist der Teil der Gruppe, der mit der Begründung „Im Elbsandsteingebirge gibt es auch Felsen!“ nicht am Rundgang teilnimmt und sich lieber eine Pause im Kaffee gönnt. Ich bin auch ein bisschen sprachlos, könnte aber stundenlang zuhören.

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Pseudo-Krater

Es geht weiter, doch schon ein paar Kilometer weiter halten wir noch einmal an. Am südlichen Rand des Mývatn ist eine Stelle, an der sich einige kleinere Krater Pseudo-Krater gebildet haben. Wir gehen den kurzen Rundweg, werden dabei von der eben schon kennengelernten Reisegruppe eingeholt. Kurz wirkt mein Plan, auch einmal ein Nörgelrentner zu werden, doch nicht so attraktiv.

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Die Sehenswürdigkeit ist so mittel-spannend. Am Parkplatz treffen wir auf ein älteres Paar mit einem Oldtimer. Sie kommen aus Hahnenbach, nur eine knappe halbe Stunde von der alten Heimat entfernt. Ein kurzes Gespräch, die beiden haben noch viel vor, weiter geht es.

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Nach einigem hin und her stehen wir auf einem relativ merkwürdigen, ziemlich abgelegenen und vor allem leeren Campingplatz. Er gehört zu einer „Ferien auf dem Bauernhof“-Anlage. Die Frau im angeschlossenen Restaurant ist fast ein bisschen verwundert, dass jemand den Weg zu ihnen gefunden hat. Wir stehen eine ganze Weile mit dem Auto auf der Wiese und beschließen dann, es lieber noch woanders zu probieren. Ausschlaggebend mag sein, dass das der einzig andere Bewohner des Platzes ein gruseliger Typ ist, der scheinbar schon sehr lange in einem abgeranzten Wohnwagen lebt.

Wir landen dann auf einem anderen Campingplatz, der von einer Bauernfamilie betrieben wird. Die Frau spricht Englisch mit einem merkwürdigen Akzent. Sie ist deutsche und freut sich, uns da zu haben. Auch hier sind wir die einzigen Gäste, es gibt dafür aber wirklich viele Mücken. Richtig viele. In Schwärmen. Wir nutzen das sehr komfortable Waschhaus, dass uns alleine zur Verfügung steht und verbringen den Rest des Abends im hermetisch abgeschlossenen Auto.

Unterwegs in Island, Tag 7: Dettifoss, Selfoss, Hverarönd und Reykjahlíð am Mývatn

Aufstehen, duschen. Zum Frühstück noch einmal in den warmen Raum vorne an der Rezeption. Frühstücken. Heute sind wir besonders trödelig, irgendwie ist es schon fast 12 Uhr, als wir losfahren.

Fast zwei Stunden lang fahren wir am Stück, das ist für unsere Verhältnisse wirklich lange. Sonst bin ich schon froh, wenn ich mal eine halbe Stunde durchgehend fahre. Die Landschaft ist auf diesem Abschnitt unfassbar eintönig. Viel grau, ein bisschen grün, kaum Pflanzen. Hin und wieder ein Hof am Rand der Straße, die allgegenwärtigen Schafe. Im Radio läuft Marcus Wiebusch. Ich bin einmal unaufmerksam und hätte beinahe einen Unfall provoziert. Schulterblick, Martin!

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Dettifoss und Selfoss

Bei strahlendem Sonnenschein kommen wir am Dettifoss an. Hier ist Tourismus angesagt: Es gibt einen großen Parkplatz mit Reisebussen, viele Autos und Toiletten. War die Landschaft eben noch eintönig, ist sie jetzt vielleicht auch einfach nicht mehr vorhanden. Es gibt noch eine Menge Steine und maximal ein bisschen Gras.

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Wegen des Windes dick eingepackt stapfen wir los. Die Steinlandschaft wird noch ein bisschen abgefahrener, nach wenigen Minuten stehen wir dann vor der Schlucht, in die sich der etwa hundert Meter breite Wasserfall ergießt. Das sieht alles, wie es bei großen Wasserfällen so üblich ist, sehr imposant aus. Durch die steinige Landschaft ist es hier aber nicht so idyllisch wie an anderen Wasserfällen. Das Sahnehäubchen ist aber der Regenbogen über dem Fall. Außer uns sind hier noch eine Menge Leute unterwegs, mir fallen vor allem ein paar Fotografen auf, die sich sehr viel Zeit lassen.

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Nachdem wir uns an Dettifoss satt gesehen haben, spazieren wir noch ein Stückchen weiter und schauen uns auch noch Selfoss an. Der ist ein bisschen kleiner, dafür kommt man aber auch näher ran. Zurück am Parkplatz entscheiden wir uns beim späten Mittagessen dafür, heute noch weiter bis zum Mückensee oder Mývatn zu fahren. Das ist noch einmal eine Stunde fahrt, womit wir an diesem Tag die wohl längste Etappe unserer Tour hinter uns bringen.

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Hverarönd

Kurz vor Reykjahlíð landen wir allerdings noch an einem sehr surrealen Ort: Mitten in der Landschaft, am Pass Námaskarð liegt das Hochtemperaturgebiet Hverarönd. Der Boden ist in allen Regenbogenfarben verfärbt, es gibt einige Löcher im Boden, die nicht nur fies stinken, sondern auch blubbernden Schlamm enthalten. An zwei Stellen hat man Kegel aus Steinen aufgeschüttet, aus denen mit zischenden Geräuschen heißer, ebenfalls nicht gerade wohlriechender Dampf in die Landschaft entweicht.

Obwohl das alles irgendwie sehr beeindruckend und auch fast ein bisschen hübsch aussieht, finde ich den Gestank doch ziemlich furchtbar. Ich dränge ein wenig darauf, doch lieber weiter zu fahren. Der Schwefelgeruch wird mir noch eine ganze Weile in der Nase hängen.

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Reykjahlíð am Mývatn

Nach einem bisschen hin und her finden wir einen Campingplatz direkt am Mückensee. Wildes campen ist hier in der Ecke untersagt und so gibt es einige Plätze zur Auswahl. Den ursprünglich angepeilten gab es scheinbar nicht mehr. Aber das ist auch ok, hier sieht alles sehr ordentlich aus. Nach einem Abendessen spazieren wir noch einmal los, der Ort gibt aber außer einem Supermarkt nicht viel her. Als wir an einer Weide vorbeilaufen und dort einige Fotos von den Pferden machen wollen, werden wir von einem sehr aggressiven Vogel attackiert. Mit lautem Geschrei stürzt er sich auf uns und pickt uns auf den Kopf. Wir sind froh über unsere dicken Wollmützen und machen uns schnell aus dem Staub. Blödes Vieh.

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Unterwegs in Island, Tag 6: Egilsstaðir, Seyðisfjörður und Fellaber

Ganz vielleicht haben wir heute Nacht auch sowas wie illegal übernachtet. In der Gegend hier ist das wilde Campen scheinbar nicht erlaubt, sagt zumindest der Reiseführer. Wir können allerdings nicht so richtig herausfinden, in welchem Bezirk das genau ist. Ansonsten ist das erste Mal sowas ähnliches wie richtiges Pullover-Wetter. Das ist schon ein bisschen ungewohnt.

Egilsstaðir

Nach der üblichen Frühstücks-Tagesplanungs-Routine fahren wir nach Egilsstaðir. Unsere Vorräte wollen aufgefüllt werden. Im Anschluss geht es dann wieder aus dem Ort heraus, allerdings nicht weiter auf der Ringstraße. Heute wollen wir uns Seyðisfjörður anschauen. Das liegt ein bisschen abseits in einem Fjord. Dort kommt auch die Fähre an, die Island mit Dänemark verbindet. Reisende, die mit dem eigenen Auto nach Island kommen, landen dort.

Aus Egilsstaðir heraus geht es zuerst einmal ordentlich den Berg hoch, bevor wir wieder zur Küste kommen, gilt es einen Pass zu überqueren. Der Reiseführer hatte gewarnt, dass es auf der Strecke nach Seyðisfjörður gerne mal ein bisschen neblig sein könnte. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich dort die kürzest mögliche Sichtweite nach „Augen zu“ erleben würde. Es sind sehr anstrengende Minuten, in denen man oft nur den Rand der Straße neben sich erkennt – oder ganz geisterhaft die Rücklichter des Autos vor einem.

Genau so plötzlich, wie man in dem Nebel drin stand, hört er auch wieder auf. Hier oben liegt noch eine Menge Schnee. Das Tal, dass sich vor uns auftut ist allerdings frei davon und ziemlich grün. Ein schöner Ausblick. Auf dem Weg zur Stadt halten wir am obligatorischen Wasserfall.

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Seyðisfjörður

Am Fährhafen gibt es einen großen und sehr leeren Parkplatz, das Wägelchen steht dort ziemlich gut. Im Fährgebäude ist auch ein bisschen Tourismus-Information untergebracht, der sehr redselige ältere Herr unterhält Fräulein Anna sehr gut. Wir ziehen los zu einem kleinen Stadtrundgang, beginnend mit einer kleinen Bilderausstellung über einem Café. Dann geht es weiter durch den Ort, an vielen Häusern sehen wir „Geöffnet“-Schilder und finden heraus, dass die Leute hier in einer Nische im Flur ihres Hauses oder auch gerne mitten im Wohnzimmer ein Regal mit selbst hergestellten Wollsachen stehen haben. Das ist auf der einen Seite sehr süß, irgendwie aber auch komisch, wenn man sich einen Pulli anschaut und neben einem ein Kind gerade seine Hausaufgaben macht.

Vor der kleinen blauen Holzkirche im Ortskern ist ein kleines Straßenfest. Die Geschäfte haben kleine Stände draußen und es spielt eine Drei-Mann-Kapelle vor einem Laden. Die Feuerwehr ist auch da und präsentiert ihre Fahrzeuge. Menschen machen eine Mutprobe, ein Mädchen läuft kreischend durch das etwa hüfttiefe und vermutlich unfassbar kalte Wasser des Fjord-Ausläufers mitten im Ort. Wir erstehen einen hübschen Druck für das Wohnzimmer zu Hause und beenden unsere Runde dann in dem kleinen Café unter der Ausstellung. Dies scheint die offizielle Hipster-Zentrale Ost-Islands, in der gerade ein Fashionblogger-Treffen stattfindet. Alles sehr modisch.

Eine geteilte Pizza und einen Espresso später geht es wieder zurück zum Auto. Ein Stückchen Weg liegt heute noch vor uns.

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Die Rückfahrt ist nicht so aufreibend wie der Hinweg. Der Nebel ist fast komplett verschwunden, was mich fast ein wenig traurig macht: Ich weiß doch jetzt wie man die Nebelschlussleuchte anschaltet! Statt Nebel sehen wir eine Menge Schnee. Und Eis. Die Frauen gestern hatten erzählt, dass man ihnen hier vom kältesten Winter seit 30 Jahren berichtete. Jetzt ist es irgendwie mitten im Jahr und wir fahren durch eine geschlossene Schneelandschaft. Wenn mir jemand sagen würde „Jetzt ist Winter!“ – ich würde es glauben.

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Fellaber

Schließlich: Campingplatz. Wir sind in Fellabær, das ist nur von Egilsstaðir aus nur einmal über eine recht lange Brücke und dann links. Der Platz ist ziemlich klein, hat aber ein ordentliches Klo- und Dusch-Häuschen. Noch dazu ist nicht viel los. Auf den Stellplätzen neben uns scheinen ausschließlich Deutsche zu Campern. Wir sitzen das erste Mal eine Zeit lang im Freien und in der Sonne, was wirklich gut tut.

Zum Abendessen gehen wir dann aber, nach einer ausführlichen Lesestunde, doch lieber rein. Es gibt einen Vorraum bei der Rezeption, wo die Zimmergäste wohl Frühstück bekommen. Dort gibt es Brötchen mit Avocado, Salami und Käse, während wir über die weitere Route beraten. Wir beobachten, wie nach und nach die anderen Gäste eintrudeln. Da ist alles dabei: Junge, hippe Schweizer, junge spießige Holländer, ältere Franzosen und Deutsche.

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Dann noch ein kleiner Verdauungsspaziergang, bevor ich aus dem Auto heraus einigen spät angekommenen beim Aufbau ihrer Zelte zuschaue.

Unterwegs in Island, Tag 5: Höfn í Hornafirði, Stokksnes, ein Wikingerdorf, viel Straße und ein idyllischer Schlafplatz

Höfn í Hornafirði

Nach einem schnellen Frühstück geht es ins Schwimmbad. Der Campingplatzmann hatte uns empfohlen, lieber dort hin zu gehen, als einfach nur eine Dusche zu nehmen. Ein guter Tipp – es ist wirklich lange her, dass ich in einem Schwimmbad war.

Das Schwimmbad hat neben drei Rutschen auch zwei “Hot Tubs” mit 38 bis 40 und 40 bis 42 Grad Wassertemperatur, in denen man sitzen kann. Das ist schon recht heftig. Ich merke, dass mein Kreislauf das nicht so gut findet. Da ist mir das 26 Grad warme Wasser im normalen Becken lieber. Wir plantschen noch ein bisschen und dann geht es wieder auf die Straße.

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Stokksnes

Kurz hinter Höfn fahren wir schon wieder von der Ringstraße ab. Auf der rechten Seite geht über einen Schotterweg eine ganze Weile am Rand eines Berges entlang auf die Landzunge mit dem Namen Stokksnes. Am Ende kommen wir zu einer Landspitze mit Café, wo uns der härteste Wind seit langem erwartet. Das Auto wackelt richtig heftig während wir nachlesen, wo wir eigentlich gelandet sind. Bevor wir aussteigen, parke ich das Auto mit der Front in den Wind. Nun drückt der Wind nicht mehr so gegen das Auto. Ich muss mich allerdings ganz schön gegen die Tür stemmen, um überhaupt aussteigen zu können.

Wir steigen aus und stapfen erst einmal in das Holzhaus, in dem sich das Café befindet. Ein junger Mann erklärt uns, was es hier zu erleben gibt.

Das „Wikingerdorf“

500 ISK “admission” zahlen wir schließlich. Damit haben wir uns das Recht erkauft, um zu einem Filmset laufen zu dürfen und auch an der Spitze der Landzunge die ehemalige amerikanische Radaranlage anzuschauen.

Zuerst einmal packen wir uns aber dick ein und kämpfen uns fast einen Kilometer lang gegen den Wind zum „Wikingerdorf“. Das ist das Set für einen Film mit dem Arbeitstitel „Vikingr“, der ab dem kommenden Jahr angeblich gedreht werden soll. Aus der Ferne sieht das alles sehr authentisch aus, das Dorf liegt sehr idyllisch am Berghang mit toller Aussicht auf das Meer. Ein Bächlein fließt mitten durch.
Aus der Nähe ist es dann schon was anderes: Direkt die erste der Holzhütten ist ganz augenscheinlich nur eine Tarnung für einen Übersee-Container. Der Felsen in der Mitte des Dorfes ist ein Gerüst aus Holz und Pappmaché – wenn man ihn sich von der Rückseite anschaut, entpuppt er sich als Ruine eines aus Beton und Ziegeln gebauten Wohnhauses.

Es macht Spaß, durch die Kulisse zu streunen. Mit ein bisschen Phantasie kann man sich das Dorf auch belebt vorstellen. Da es mal wieder anfängt zu regnen, machen wir uns auf den Rückweg zum Café und beschließen, die Landzunge nicht weiter zu erkunden.

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Nach dem nass-kalten Ausflug ist ein warmer Kaffee vor der Weiterfahrt genau das Richtige. Dabei lernen wir zwei Frauen aus Deutschland kennen, die am Vortrag mit der Fähre angekommen sind und nun in der uns entgegengesetzten Richtung fahren wollen. Wir geben ein paar Tipps und teilen die Aufregung hier unterwegs zu sein.

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Dann geht es weiter. Nachdem wir durch einen Tunnel gefahren sind, schlängelt sich die Ringstraße an der Küste entlang. Es geht auf und ab, mal ist es um uns herum flach, mal führt die Straße mitten durch einen Abhang. Harte Böen erfassen das Auto, einmal setzt es uns fast auf die Gegenfahrbahn. Wir machen Mittagspause an einem Abgrund-Parkplatz. Um uns herum ist es düster und regnerisch, unter uns peitschen die Wellen gegen den Felsen.

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Die Ringstraße schlängelt sich weiter an der Küste entlang. Heute machen wir gut Kilometer, während es relativ wenig zu sehen gibt. Außer Landschaft. Viel Landschaft. Überall.
Wir machen eine kurze Pause in einem kleinen Ort namens Djúpivogur und fahren dann auf einem unbefestigten Teil der Ringstraße weiter. Die Straße führt nun von der Küste weg am Rand einer Bucht entlang. Die Sonne kommt heraus und es ist auf einmal wieder alles sehr malerisch und schön.

Irgendwann stellt sich die Frage: Abkürzung oder nicht? Die Ringstraße würde noch einmal einen großen Bogen an der Küste entlang machen. Irgendwie haben wir da für den Moment genug gesehen. Die Alternative sind einige Kilometer auf einer unbefestigten Nebenstraße mit der schönen Nummer „939“. Ich habe ein paar Bedenken, da mir die Schotterpisten immer nicht ganz geheuer sind. Dennoch: Wir kürzen ab!

Der Weg über die Nebenstraße ist anstrengend zu fahren. Alles sehr holprig und staubig, manchmal geht es steil bergauf und dabei auch noch um enge, nicht einsehbare Kurven. Einige größere Geländewagen finden unsere Geschwindigkeit scheinbar nicht ausreichend und überholen uns, gerne auch mit Anhänger. Es kommen uns allerlei Autos, Wohnmobile und sogar ein Reisebus entgegen. Vielleicht stelle ich mich auch ein bisschen an.

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Unterwegs halten wir noch einmal an, nicht nur weil eine kleine Pause gerade recht kommt: Wir haben in einiger Entfernung zur Straße einen weiteren Wasserfall gesichtet. Die Faszination dafür hat uns noch nicht verlassen. Schnell sind wir ausgestiegen, haben wieder die winddichten Jacken an und die Kameras geschultert.

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Die Sonne scheint nun richtig, während sich die Wolken langsam hinter einen Bergkamm zurückziehen. Der Ausblick belohnt für die anstrengende Gurkerei. Den bisher zurückgelegten Weg auf der Nebenstraße können wir schön überblicken.

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Irgendwann wird es wieder trüber, am Straßenrand sind wieder vermehrt Schneeflecken zu sehen, die schnell zu Feldern werden. Dann treffen wir auch wieder auf die Ringstraße, die an dieser Stelle auch eher in die Kategorie „schön geschottert“ fällt. Direkt nach der Abzweigung halten wir kurz an. Halb im Graben steht ein Auto. Eine junge Frau turnt herum, der Mann versucht derweil wieder auf die Straße zu kommen. Wir müssen aber gar nicht tätig werden, noch während wir auf das Auto zugehen, kommt es schon wieder frei. Total zufällig kommen die beiden auch aus Deutschland, sind ähnlich lange wie wir unterwegs und in der entgegengesetzten Richtung. Und scheinbar war das nicht das erste Vorkommnis dieser Art, wie ich zwischen den Zeilen des Mannes am Steuer heraushöre. Wir tauschen uns kurz aus, dann geht es auch schon weiter.

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Nach einigen weiteren Kilometern ist die Ringstraße dann auch wieder ordentlich geteert und schlagartig wird die Landschaft auch wieder grüner und das Wetter freundlicher. Die Straße führt uns an einem See vorbei. Wir finden auf die schnelle leider keinen Parkplatz, bis wir dann schließlich direkt an der Straße an einem Waldrand landen. Hinter dem Auto fließt ein kleines Bächlein. Richtig idyllisch. Trotz Sonnenschein ist es ziemlich frisch. Ich lese noch eine ganze Weile nach dem Abendessen.

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Unterwegs in Island, Tag 4: Aufregung in der Nacht, ein Gletscher, Jökulsárlón, Höfn

Mitten in der Nacht werden wir von Geräuschen am Auto wach. Nach einer kurzen Schrecksekunde bin ich mir zumindest sicher, dass ich das Auto wie jeden Abend von innen zugemacht habe. Puh! Dennoch gruselt es mich ein wenig. Nach einem kurzen Blick aus dem Heckfenster dann aber Entwarnung: Ein dickes Schaf grinst mich doof an, reibt sich noch einmal an der Stoßstange und geht dann wieder – zwei weitere Kumpels im Schlepptau. Trotzdem: Adrenalin habe ich jetzt ein wenig im Blut – der Rest der Nacht ist eher unruhig und ich stehe ziemlich gerädert auf am Morgen.

Gerädert oder nicht: Nach dem Frühstück geht es wieder auf die Straße. Schon nach wenigen Kilometern lotst Fräulein Anna uns auf den nächsten Parkplatz. Inzwischen sind wir sehr routiniert, was solche Stops angeht: Hinter den Seitentüren liegen Fleece- und Regenjacken, Mützen, Handschuhe und Kameras griffbereit.

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Dieses Mal geht es zu einem weiteren Gletscher am Rande von Hvannadalshnúkur, des höchsten Gipfel Islands. Der Weg dorthin führt uns einige hundert Meter über kleine Hügel. Die Aussicht ist ziemlich schön über den See, die Sonne scheint. Leider kommen wir wieder nicht so nahe an das Eis, wie ich es mir erhofft habe.

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Jökulsárlón

Und dann kommen wir auch schon bei unserem heutigen Tageshighlight an: Jökulsárlón ist ein großer Gletschersee, in dem die von der Gletscherzunge abgebrochenen Eisberge treiben. Das sieht nicht nur ein wenig surreal aus. Über eine längere Strecke befinden sich immer wieder Parkplätze am Straßenrand, von denen aus man dann über eine kleine Hügelkette zum Gletschersee kommt. Wir halten auf einem der Parkplätze und schauen uns das alles erst einmal in Ruhe an. Am anderen Ende des Sees können wir nämlich auch schon die Anfahrtsstelle für die unvermeidlichen Reisebusse sehen. Bei uns ist fast niemand.

Damit die Stimmung auch ja die richtige ist, zieht der Himmel auch prompt wieder zu und es tröpfelt auch immer wieder ein bisschen. Der See liegt dabei aber ruhig vor uns, die Eisberge sind zum Teil hell und glitzernd, zum Teil aber auch matt und grau. In dieser Größe ist mir Eis glaube ich noch nicht unter gekommen.

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Weil es uns so gut gefällt, machen wir dann auch noch am Touristenzentrum halt. Hier ist richtig was los, gleich Busweise werden die hauptsächlich asiatischen Touristen auf recht große Amphibienfahrzeuge verladen, um dann bis direkt an die Eisschollen heran geschippert zu werden. Tatsächlich treibt das Eis hier aber auch deutlich näher am Ufer und man kann noch ein paar Informationen über die Gegend abgreifen, so dass sich der kurze Stopp wirklich rentiert.

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So ist es zum Beispiel ein bisschen erschreckend zu lesen, dass der See sich seit den 1970er Jahren auf etwa das dreifache seiner damaligen Größe angewachsen ist. Und noch vor gut einhundert Jahren ging der Gletscher fast direkt ins Meer über – von einem See war da nicht die Rede. Schon zwei Mal wurden auf dem vereisten See Szenen für einen James-Bond-Film gedreht, Batman und Lara Croft waren jeweils ein Mal da.

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Weiter geht’s! Wir fahren nun eine ganze Weile durch die Landschaft. Ich bin ganz froh, wieder wirkliche Landschaft um mich herum zu haben. Das Radio dudelt schön vor sich hin, es macht richtig Spaß einfach mal ein bisschen zu fahren. Den ein oder anderen Stopp am Straßenrand legen wir aber dennoch ein.

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Höfn

Schließlich kommen wir in Höfn an, unserem Zielort für heute. Obwohl der Ort nicht an der Ringstraße liegt, muss man nicht abbiegen. Sondern die Ringstraße biegt ab. Das ist tatsächlich eine kleine Besonderheit, denn normalerweise ist es schon sehr deutlich, wie sich Orte links und rechts an der Straße anordnen. Wir fahren zuerst einmal durch den Ort, ganz durch bis zum Hafen. Nach einem Einkauf schauen wir uns den Campingplatz an. Der ist deutlich schöner als der in Vík, was nicht nur am besseren Wetter liegt.

Der junge Mann an der Rezeption kommt aus Leipzig und quatscht gerne ein bisschen mit uns. Nach dem Einchecken stellen wir das Auto auf die Wiese und ich spanne die eben gekaufte Wäscheleine im Auto hinten an den Seiten, um Klamotten und Handtücher ein bisschen komfortabler unterbringen zu können. Unser Abendessen bereiten wir an der Gemeinschaftskochstelle unter einem Vordach des Campingplatz-Hauses auf einem der dort zur Verfügung stehenden Kochplatten zu. Um uns herum spricht man deutsch, man tauscht sich aus. Gegessen wird im sehr warmen Aufenthaltsraum direkt neben an, was nach einigen Tagen im Auto schon ein ordentlicher Luxus ist.

Nach dem Abendessen geht es nochmals zu Fuß eine Runde in den Ort. Es gibt hier tatsächlich auch einige Restaurants, die allerdings eher einen gehobenen Eindruck machen. Nach den Dreißig-Euro-Sandwiches bin ich da ja ein wenig vorsichtiger geworden. Am kommenden Wochenende findet hier das bekannte Lobstet Festival statt und wir können noch die ein oder andere Person beobachten, wie sie ihr Haus in grell-orange mit allerlei Band und Fähnchen schmückt. Als wir zurückkommen ist der Aufenthaltsraum leider sehr voll, so dass das abendliche Lesevergnügen doch wieder im Auto stattfinden muss.

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Unterwegs in Island, Tag 3: Vík – Das Nichts – Svartifoss

Vík

Nach einem kurzen Frühstück erkunden wir Vík doch noch ein bisschen. Beim Packen zu Hause hat natürlich keiner an Handschuhe gedacht. Nachdem wir im gestern schon besuchten Outdoor-Laden dann welche gekauft haben, geht es ans Meer. Der lange, aus schwarzem Sand bestehende Strand hat schon was für sich. Wir laufen bei ganz okayem Wetter vor bis an die Steilküste. Dort hinauf würde es auch eine schöne Wanderung geben, wir entscheiden uns aber dagegen, da der Wetterbericht sehr wechselhaftes Wetter voraussagt.

Auf dem Rückweg zum Campingplatz decken wir uns mit Snacks und Postkarten ein und nutzen den ausnahmsweise fast leeren Aufenthaltsraum dann noch zum ordentlichen durchspülen all unseres Geschirrs.

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Das Nichts

Es folgt eine längere Etappe im Auto. Zuerst ist die Landschaft noch ganz ansehnlich. Wie üblich: grün, hügelig, ein bisschen karg. Dann kommt eine Mooswüste. Wir halten noch das ein oder andere Mal an und schießen Fotos. Und schließlich: „Das Nichts“. Fräulein Anna wird sich noch eine ganze Weile darüber lustig machen, dass ich über dieses Nichts nicht hinwegkomme und das etwa alle zwei Minuten auch laut aussprechen muss. Aber da ist auch wirklich nichts!

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Am linken Horizont geht es ins Gebirge. Aber bis dahin sind es schon einige Kilometer. Rechts der Straße gibt es einen Horizont. Ganz bestimmt! Vorher ist da aber nur eine grau-schwarze, steinige Fläche. Mitten durch führt uns die Straße, meistens verläuft sie gerade, hin und wieder macht sie aus irgend einem Grund einen Bogen. Mir kommt das alles sehr unwirklich vor. Wahnsinn. Wenn ich die Informationstafel an einem Rastplatz richtig verstehe, dann geht durch die Landschaft im Frühjahr teilweise ein starker Strom aus dem Gebirge. Über die ein oder andere Brücke sind wir tatsächlich auch gefahren. Ich stelle mit schrecken fest, dass die „Kunst“ neben mir der Rest eines Pfeilers einer solchen Brücke ist, die vor einigen Jahren von den Fluten niedergerissen wurde.

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Svartifoss

Irgendwann entdecke ich am Horizont dann etwas grünes: Scheinbar hat Das Nichts dann doch irgendwie ein Ende. Wir biegen von der Ringstraße ab und stehen nach wenigen Minuten auf dem Parkplatz des Besucherzentrums am Skaftafell-Nationalpark. Von dort aus ist es ein etwa 45-minütiger Spaziergang zum Svartifoss, den man von vielen Bildern bereits kennt. Der Weg ist gut ausgebaut und wir haben beim Aufstieg noch einmal einen tollen Blick auf Das Nichts.

Am Wasserfall angekommen verstehe ich auch direkt, warum man ihn schon das ein oder andere Mal sah: Sehr schön eingerahmt in einem kleinen Tal schießt das Wasser herunter. Es ist gar nicht so viel los, ich kann in Ruhe Bilder machen. Dabei wechsele ich mich mit dem asiatischen Spiegelreflex-Opi ab, der den Gegenwert eines Kleinwagens an Fotografie-Ausstattung mit sich herumträgt. Ich ärgere mich das erste Mal, dass ich kein Stativ dabei habe, hier würden sich noch viele schöne Bilder machen lassen.

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Als es anfängt zu tröpfeln, machen wir uns schnell auf den Weg zurück zum Auto. Es ist auch schon später Nachmittag und so langsam wird es Zeit einen Schlafplatz zu suchen.

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Mit unbestimmtem Ziel fahren wir weiter. „Nicht auf einem Campingplatz“ ist unser heutiges Ziel. Nach einigen Kilometern sehen wir in der immer noch recht grauen Einöde einen grünen Fleck. Wie es der Zufall will, führt dort eine mit dem „Wanderparkplatz“-Schild markierte Straße hin. Ein Wohnmobil hat auch schon den Weg hin gefunden. Als wir näher kommen, sehen wir neben einigen flachen Mauern auch noch ein paar Zelte stehen. Um uns herum laufen Schafe. Die flache Mauer stellt sich als Umrandung eines alten Friedhofes heraus, hier war wohl mal eine Siedlung mit Kirche. Die letzte Beerdigung ist aber schon über 150 Jahre her, wie wir den noch vorhandenen Grabsteinen entnehmen.

Nach dem fast schon traditionellen Käsebrot-Abendessen laufen wir noch ein wenig herum. Die Menschen in den Zelten scheinen trotz des frühen Abends schon zu schlafen. Die Schafe sind, entgegen meiner Annahme, sehr scheu. Als ich versuche mich einem der kleinen zu nähern, blökt man mich sehr böse an. Da ich im Gegensatz zu diesem Schaf keine Hörner habe, halte ich lieber ein wenig Abstand.

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Unterwegs in Island, Tag 2: Seljalandsfoss – Skógafoss – Sólheimajökull – Kirkjufjara – Vík

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Dass wir nur ein paar Meter von der Straße weg standen, hat mir nichts ausgemacht. In der Nacht hat es geregnet. Das Aufstehen gestaltet sich schwierig, ich bin sehr unmotiviert. Draußen ist es aber tatsächlich ok-warm, da es ausnahmsweise mal windstill ist. Wir bereiten den Tag ein wenig vor, planen grob die Strecke, suchen potentielle Schlafplätze heraus und lesen in den Reiseführer was auf der kommenden Etappe interessantes am Weg liegt.

Das Frühstück besteht aus, wie sich herausstellt, Hotdog-Brötchen. Da haben wir uns wohl vergriffen. Wir legen wieder Käse und Avocado auf und dann ist das auch gar nicht schlimm. Nach dem Zähneputzen geht es los, zuerst mal bis nach Hella, wo wir einen kurzen Einkaufsstop machen. Es ist gut zu wissen, dass jeder Ort eine mehr oder weniger große Einkaufsmöglichkeit hat. Verhungern werden wir jedenfalls nicht.

Als wir weiter fahren taucht in der Ferne ein Wasserfall auf. Wir beschließen, dort einfach mal spontan hin zu fahren.

Seljalandsfoss

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Es stellt sich heraus, dass der kleine Wasserfall unser erstes Tagesziel ist. Seljalandsfoss wird nämlich immer größer, als wir herankommen und die kleinen weißen Punkte davor entpuppen sich als ausgewachsene Reisebusse. Wir zirkeln uns dazwischen durch und finden einen Parkplatz.

Prompt fängt an zu regnen. Wir packen uns dick ein und stapfen los. Unser Parkplatz liegt direkt an einem Campingplatz, so dass wir zuerst einmal dort über die Wiese laufen und uns den kleinen Platz-eigenen Wasserfall anschauen. Der ist jetzt nicht so spektakulär, aber hey: Ein Wasserfall! Rechts herum geht ein Fußweg am doch recht steilen Hang entlang. Noch ein weiterer kleiner Wasserfall liegt linker Hand. Dann das riesige Ding, namens Seljalandsfoss, was da über 60 Meter in die Tiefe stürzt. Es regnen nun endlich in Strömen, was mir aber schon fast nichts mehr ausmacht.

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Ein kurzer Rundweg führt hinter den Fall, aber auch dort ist es nicht trockener. Wir werden endgültig nass. Der Wasserfall ist dennoch wirklich, wirklich beeindruckend. Vor allem auch, wenn man hinten dran steht. Wow.

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Skógafoss

Gar nicht viele Kilometer weiter sehen wir schon den nächsten Wasserfall. Skógafoss ist wieder von weitem zu sehen, inklusive der scheinbar obligatorischen Reisebusse. Wir machen erst mal eine Essenspause, lesen ein paar Seiten und schlafen ein wenig. Pausen können sehr großartig sein. Noch besser, wenn sich dabei das mit den Regen auch noch erledigt.

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Dann zum Wasserfall! Der ist wirklich riesig hoch und breit. Wir laufen über den Schotterstrand des daraus resultierenden Flusses. Am Rand des Wasserfalls kann man einige steile Stufen hochsteigen, was wir natürlich direkt machen. Oben hat es dann eine Plattform, von der aus man den Fall des Wassers beobachten kann. Es rauscht ganz schön, der Ausblick ist wirklich imposant. Ein bisschen besser wird es, nachdem wir über ein Gatter geklettert sind und ein Stück dem Wasser nach oben folgen. Der Flusslauf ist sehr malerisch, mit vielen Zerklüftungen und kleineren Wasserfällen. Von hier aus lassen sich auch ausgedehnte Wanderungen starten, wir laufen den Weg aber nur einige hundert Meter weit. Es soll heute ja schon noch ein Stück weiter gehen.

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Sólheimajökull

Wir sind eigentlich auf dem Weg nach Vík, aber der Weg hält noch einige Attraktionen für uns bereit. Wir biegen von der Hauptstraße links ab und fahren einige Zeit auf einer Schotterpiste zur Gletscherzunge Sólheimajökull. Dort ist nicht besonders viel los, was nach den doch recht trubeligen Wasserfällen eine willkommene Abwechslung ist. Einen kurzen Fußweg vom Parkplatz aus kommen wir an einen Aussichtspunkt, von dem aus man einen schönen Überblick auf den grau-schwarz-schmutzigen Gletscher, der in einiger Entfernung liegt, hat. Tatsächlich sehen wir sogar eine Gruppe oben auf dem Eis wandern.

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Kirkjufjara

Und dann wird es immer noch nicht Vík. Wir biegen rechts Richtung Meer ab und folgen einer kurvenreichen Straße bis zu einem windigen Aussichtspunkt am Strand von Kirkjufjara. Dieser liegt in einem Vogelschutzgebiet, was den grimmigen Zivi an einer Schranke mitten in der Landschaft erklärt. Der erklärt uns „You have twenty minutes, guys!“ und zeigt auf ein Schild: Tatsächlich ist nur bis 19 Uhr offen. Die Aussicht auf den stürmischen Strand ist dann tatsächlich ziemlich gut. In der Ferne kann man schon die Felsen vor Vík sehen. Schade, dass wir schon so spät an sind. Es wird nur ein schneller Fotostop und wir sitzen schnell wieder im Auto.

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Vík

Schließlich, endlich: Vík! Ein Regenbogen zeigt uns unterwegs den Weg. Wir checken schnell auf dem Campingplatz ein und laufen noch eine Runde durch den Ort. Es gibt einen recht großen Outdoor-Laden, eine Tankstelle und einen Imbiss. Wir entscheiden uns für zwei Schinken-Käse-Sandwiches mit Pommes und einer Free-Refill-Cola und zahlen knapp Dreißig Euro. Auswärts werden wir wohl nicht so oft essen. Nachdem in dem 300-Seelen-Ort sonst nicht viel los ist, liegen wir schnell wieder lesend in unserem Wägelchen und schlafen früh ein.

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Unterwegs in Island, Tag 1: Keflavík – Grindavík – Hveragerði

Angekommen. Der Mann mit der großen Luftpumpe unter dem Arm, der mir schon in Düsseldorf mehrmals über den Weg lief, ist auch noch da. Der Flug war, sagen wir mal: Eng. AirBerlin holt alles aus den Fliegern raus. Mehr als die drei Stunden hätte ich nicht im Fliegen sitzen können.

Keflavík

Jeder hier trägt Outdoor-Klamotten, zumindest die Touristen. Globetrotter hat wohl ein ganz gutes Geschäftsjahr. Wir warten auf das Gepäck am Band, ich übe schon mal die Schimpftirade für den Fall dass es nicht kommt. Tatsächlich klappt aber alles ganz prima, unsere in den Reisesäcken verpackten Rucksäcke fahren ganz entspannt über das Band. Schnell liegen sie auf einem Wägelchen und wir machen uns auf den Weg nach draußen.

Den Weg zur Autovermietung finden wir dann auch recht schnell, nur die eine Runde um das Flughafengebäude hätten wir uns sparen können. Draußen ist es diesig-grau, sehr ungemütlich. Das ist definitiv kein Urlaubswetter!

Ansonsten fängt das hier auch gut an: Es ist kein Auto für uns da. Der Autovermietungs-Mann wirkt ein bisschen überfordert, weil die Vormieter das Auto noch nicht zurück gebracht haben. Er bietet uns einen Schlafplatz in einem herumstehenden Wohnmobil an. Oder er könnte uns ein anderes Auto geben, damit wir mal ein paar Stunden rumfahren können und Landschaft gucken. Mitten in der Nacht. Hundemüde. Bei dem Nebel. Nein.

Dann kommt der Wagen doch – jedenfalls so halb. Die Vormieterin muss noch einmal los um voll zu tanken. Wir gehen nochmal eine Runde in den Flughafen, kaufen Schokolade und sitzen dort im halbwegs warmen, damit das Auto sauber gemacht und für uns vorbereitet werden kann. Die letzten Flieger für heute kommen an, es werden Menschen abgeholt. Andere sitzen schon länger herum und warten auf ihren Abflug spät in der Nacht.

Irgendwann klappt das mit den Auto dann auch. Das Wägelchen, ein Renault Kangoo Maxi macht einen ganz guten Eindruck: Weiß, ziemlich lang, recht neu, mit etwa 13000 Kilometern auf dem Tacho und auch die Grundreinigung des Mietwagen-Menschen ist ordentlich. Nach einer kurzen Erklärung des Autos und dem Zubehör, zu dem auch ein mobiler Hotspot gehört, kann es dann losgehen.

Wir befinden uns nun im dunkelsten Zeitraum der Nacht. Es ist eher ein diesiges Morgengrauen. Noch knappe 20 Minuten fahren wir bis nach Grindavík. Dort stellen wir uns einfach auf den örtlichen Campingplatz. Das ist hier so üblich. Inzwischen ist es dann auch irgendwie kurz nach eins (Ortszeit, für uns dank der Zeitverschiebung eher so drei Uhr) und wir fackelten nicht lange, kriechen in die Schlafsäcke und schlafen ein.

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Grindavík

Ausschlafen! Bis 12 oder so gammeln wir in den Schlafsäcken. Das ist aber auch wirklich notwendig. Dann duschen, den Campingplatz bezahlen. Der nette junge Mann an der Rezeption ist es scheinbar schon gewohnt, dass Menschen ihre erste Nacht dort verbringen. Routiniert gibt er uns eine kleine Einführung in die isländische Supermarkt-Ketten-Struktur, zeigt uns eine Seite mit den aktuellsten Wetterinformationen und einer guten Vorhersage und gibt einige andere Reisetipps.

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Hveragerði

Nach einer gar nicht mal so langen Fahrt sind wir in Hveragerði angekommen. Hier kaufen wir erst einmal ein paar Vorräte ein. In einer kleinen Informations-Ecke beim Supermarkt wird sehr anschaulich anhand einer Küchenzeile gezeigt, wie es nach einem Erdbeben aussehen kann. Da gab es zuletzt 2008 an dieser Stelle ein größeres. Die Auswirkungen davon wollen wir später noch besichtigen. Erst einmal spazieren wir aber eine Runde durch den Ort. Eine Besonderheit ist es, dass hier ein Hochtemperaturgebiet ist – an einigen Stellen dampft es einfach so. Wir kaufen ein thermal gebackenes Brot bei einem Laden, sparen uns dafür aber den Besuch und Eintritt im Naturpark mitten im Ort.

Statt dessen fahren wir gen Norden aus dem Ort heraus, stellen das Auto auf einen Wanderparkplatz, schultern die Kameras und schauen uns das seit dem Erdbeben wieder aktive Hochtemperaturgebiet dort an. Zuerst einmal klingt das gar nicht so spannend – und sieht es aus der Ferne auch gar nicht so aus. Die typisch isländisch-karge Landschaft ist ein halt wenig neblig. Wenn man dann aber näher kommt, sieht man die Verwerfungen aus denen der Wasserdampf kommt. Schilder warnen davor, die Absperrung zu übertreten. Der Boden ist rötlich gefärbt, eine etwas unwirkliche Gegend.

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Heute wollen wir einfach am Straßenrand schlafen, das ist in Island nämlich weitestgehend erlaubt. Auf der Suche nach einem geeigneten Platz kommen wir an einem nicht näher markierten Hügel vorbei. Aus der Ferne sehen wir zwei menschliche Silhouetten auf seiner Spitze. Nach einigen Minuten führt uns die Straße dann auch direkt an den Hügel, wo es einen Wanderparkplatz gibt. Wir halten kurzerhand an und steigen nach oben. Top Aussicht, karge Landschaft!

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Wie ein Band zieht sich die Ringstraße N1 durch die Landschaft oft geht es lange einfach geradeaus. Das Fahren ist sehr entspannt, vor allem auch weil in Island nur 90 Kilometer in der Stunde erlaubt sind.

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Nachdem wir durch Selfoss gefahren sind, finden wir kurz danach einen Parkplatz am Rand der N1. Wir machen es uns so gemütlich wie es geht. Ich beobachte eine ganze Weile die vorbeifahrenden Autos, LKWs und Radfahrer und bin mir noch nicht so ganz sicher, auf was ich mich da eingelassen habe. Zum Abendessen gibt es Käsebrote mit Avocado auf dem thermal gebackenen Brot, dass wir am Mittag kauften. Noch ein weiterer Camper gesellt sich zu uns. Ich bin ja mal gespannt, wie sich so eine Nacht am Straßenrand anfühlt.

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„Heute Nacht wäre ich beinahe in meinem Schlafsack ertrunken“

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Aber dazu kommen wir später. Zuerst einmal: Schön war es beim Treffen des „Club 29“, einer zwanglosen Älteren-Gruppe meines Pfadfinder-Landesverbandes. Etwa zwanzig Menschen waren wir – einige neue, einige alte Gesichter. Aus allen Ecken des Landesverbandes. Viel Gespräch, Diskussion, allerlei Themen. Ein Halstuch um den Hals verbindet uns. So soll es sein. Ich habe mich auf das Wochenende gefreut – denn so sehr ich ja meine Ruhe mag: Manchmal fehlt mir dieses Wanderschuh-Halstuch-Rucksack-auf-dem-Rücken-am-Bahnsteig-stehen-Gefühl am Freitag Abend.

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Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich mal auf der Schmidtburg auf dem wilden Hunsrück war. Früher ging es da schon öfter hin. Geändert hat sich nichts – es ist eine Burgruine, die steht erst mal. Es waren nach meinem Gefühl allerdings sehr viel mehr Touristen unterwegs als früher. Das mag an den „Traumschleifen“ genannten Wanderwegen liegen, die nun auch dort vorbeiführen.

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Und dann war es auch ganz schnell irgendwie mitten in der Nacht. So gegen drei Uhr wohl beschlossen wir, dass alle Lieder gesungen sind. Gute Nacht! In Anbetracht der Tatsache, dass es den Tag über schön warm war und die Nacht klar zu werden versprach, lagen wir alle mehr oder weniger unter einem Jurtendach. Wer braucht schon Seitenbahnen?
Am Ende hätten die uns auch nichts genützt: Als das Gewitter erst mal loslegte, hatten wir tolle Bilder vor den Augen. Dunkel und dann die Silhouette der Burg – vom Blitz erleuchtet. Im Prinzip nichts schlimmes – wenn das herunterkommende Wasser hätte versickern können. Das geht aber auf dem Schieferboden nicht gut und so fand ich mich sehr schnell in einem kleinen Bächlein wieder, was unter unserem Dach durchlief. Die Nacht war damit auch gelaufen.

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Auch wenn das Gewitter-Wetter genau so schnell wieder verzogen, wie es aufgezogen war: Einige Nass, andere ohne Platz. Zuerst ärgert man sich ja. Aber eigentlich sind sie doch schön – und vielleicht ein bisschen das, was mir fehlt: Die kleinen Abenteuer, die die Pfadfinderei so mit sich brachte. Müde werde ich dennoch vermutlich die ganze Woche sein.