Auf den Lofoten: Der erste Tag auf der Straße

Tromsø. Einigermaßen ausgeschlafen und frisch geduscht sitzen wir pünktlich beim Hotelfrühstück. Wir lassen uns Zeit, denn den Vormittag über haben wir nichts zu tun, das Wägelchen können wir erst am Mittag abholen. Tromsø müssen wir auch nicht unbedingt erkunden, hier werden wir am Ende unserer Reise ja noch einmal ein paar Tage verbringen.

Ich stapfe noch einmal in die Stadt um ein paar Kleinigkeiten zu kaufen und bin positiv überrascht: Es ist zwar genau so hell draussen wie zwölf Stunden zuvor, aber tagsüber ist es viel voller und dementsprechend auch deutlich freundlicher draußen. An das immer helle Wetter muss ich mich aber noch gewöhnen. Ich erinnere mich noch gut an unsere Reise durch Island, das hat letztes Jahr auch ein bisschen gebraucht.

Beim Auschecken bestellen wir uns ein Taxi, was uns dann auch flott zum Wohnmobil-Verleih etwas außerhalb der Stadt bringt. Eigentlich hatten wir den Bus nehmen wollen, der fährt aber leider sehr ungünstig und wir konnten auch nicht so richtig rausfinden, wo er hält.

Es ist nicht schlimm, dass wir ein bisschen vor der vereinbarten Zeit da sind, das Wägelchen steht schon bereit. Der sehr nette Mensch von der Autovermietung scheint uns ein wenig zu bedauern, dass wir nur ein „small car“ gemietet haben. Wir finden die das Auto ausreichend groß. Auf Basis eines Fiat-Transporters finden wir ein komplett ausgestattetes Wohnmobil vor: Es gibt Tisch und Bank, einen zweiflammigen Herd, eine Schlafgelegenheit in vernünftiger Größe und eine Toilette. Das ist alles ganz super, wir erinnern uns immer gerne mit ein bisschen Schrecken an dem kleinen Wagen im letzten Jahr zurück. Das Auto ist gut in Schuss, fast wie neu.

Wir bekommen allerlei rund um Strom, Wasser, Toiletten und Standheizungen erklärt und ich hoffe wirklich, dass ich da nichts durcheinander bringen werde. An den verschiedensten Stellen gibt es Schalter und Regler und das Gas muss man vor Fahrtantritt auch immer wieder hinten abdrehen. Das Ganze geht schneller von statten als gedacht und so sind weit schon um halb 2 auf der Straße und fahren Richtung Süden. Die Lofoten rufen.

Ich habe mich schon nach wenigen Kilometern weitestgehend an das Auto gewöhnt. Dass man in Norwegen scheinbar sowieso nur maximal neunzig fährt, kommt mir sehr zugegen. Wir haben Urlaub und Zeit, da muss man sich ja auch nicht hetzen.

Ein bisschen später machen wir dann auch unseren ersten Halt. Es wird jetzt wirklich Zeit für ein Mittagessen. Ich probiere direkt die Spezialfunktion des Fahrersitzes aus, man kann ihn um 180° drehen und hat so einen bequemen Sitzplatz am Tisch. Wir nutzen den Stop außerdem um uns ein bisschen einzurichten und dem Radio beizubringen die Musik von unseren Telefonen abzuspielen. Jetzt kann es richtig losgehen.

Bei nächstmöglicher Gelegenheit, dem Örtchen Nordkjosbotn, springen wir in einen Supermarkt und decken und mit Chips und Cola ein. Und ein paar anderen Dingen, klar. Unsere fahrbare Kochgelegenheit wollen wir natürlich auch nutzen. Eine gescheite Landkarte finden wir hier leider nicht. So sind wir schnell wieder auf der Straße.

Links und rechts der Straße sind hohe, schneebedeckte Berge zu sehen. Es regnet mal mehr und mal weniger. Mich erinnert das alles sehr stark an unseren letzten Urlaub. Das ist nichts schlechtes. Wir haben uns schon bald dazu entschieden, heute noch ein gutes Stück zu fahren. Mit maximal neunzig Kilometern in der Stunde, was ich sehr entspannt finde, düsen wir gen Süden auf der E6. Es ist nicht mal besonders viel los, es ist entspanntes Fahren und ich kann mich in aller Ruhe umschauen und die Landschaft genießen.

In dem Örtchen Bjerkvik stoßen frontal das erste Mal richtig auf einen Fjord. In dem Kreisel biegen wir dann auf die E10, nach rechts herum ist “Å i Lofoten”, die Stadt ganz im Süden der Inselgruppe ausgeschildert.

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Nach wenigen Kilometern halten wir an einem der zahlreichen Parkplätze am Wegesrand an. Hier steht eine Informationstafel über die Besetzung und Befreiung Narviks im zweiten Weltkrieg. An einigen Stellen entlang des Weges wird hier an die Ereignisse erinnert. Der Platz direkt an der Straße ist nicht ausreichend hübsch und es donnern dauernd LKW vorbei. Hier wollen wir noch nicht bleiben.

Nur einen Tunnel später ist die Straße auf einmal trocken und die Sonne kommt ein bisschen hervor. Wir werten das als gutes Omen. Wenige Kilometer später steht schon ein kleiner Camper auf einem Parkplatz bei einem See. Wir stellen uns spontan dazu und beschließen für heute den Feierabend.

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Während ich zuerst einmal zum ersten Mal die Fotoausrüstung an den Start bringe, kocht Fräulein Anna uns ein Abendessen, anschließend richten wir uns ordentlich ein. Das Wägelchen hat einige kleine Schränke und Schubladen, so müssen wir nicht die ganze Zeit aus den Rucksäcken leben. Die verstauen wir einfach unter dem Bett, wo sie uns nicht im Weg sein werden.

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Nach einem kurzen Spaziergang lassen wir den Tag mit Blick auf den See ausklingen. So kann es bleiben!

Beirut. Köln. Palladium.

Konzerte in Palladium und E-Werk finde ich immer ein bisschen anstrengend. Weniger wegen der Lokalität an sich, denn die sind schon top. Eher wegen der An- und Abreise. Die Heimfahrt mit dem Öffentlichen Nahverkehr hat mich am letzten Mittwoch irgendwie zwei Stunden gekostet. Halb elf aus dem Palladium, halb eins die Haustür rein.

Aber genug gemeckert. Eigentlich war ich nämlich gemeinsam mit Frau Schwester zum Konzert der US-amerikanischen Band Beirut. Auf die war ich durch meine Konzertbegleiterin aufmerksam geworden, hatte mich eingehört und die Kapelle für gut befunden. Nachdem wir die Vorband schon verpasst hatten, ging es kurz nach unserer Ankunft auch schon sehr pünktlich um einundzwanzig Uhr los.

Es folgten dann etwa achtzig Minuten gute Musik, die deutlich mehr Blasinstrumente enthielt als ich erwartet hätte. Ohne, dass ich das schlecht finden würde. Ich bin großer Fan davon, wenn Bands ihre Musik live noch einmal anders interpretieren als auf Platte. Das Konzert hätte dennoch können gerne ein wenig emotionaler sein können. Nichts desto trotz fühlte ich mich gut unterhalten und höre mir die Musik nun auch gerne noch ein bisschen öfter an. Beim nächsten Mal wird es dann noch mehr Spaß machen, wenn man sich auf Titel explizit freuen und (zumindest im Kopf) mitsingen kann.

Auf den Lofoten: Düsseldorf, Kopenhagen, Oslo, Tromsø

Los geht’s! Die Lofoten rufen! Heute fliegen wir aber erst mal nach Tromsø.

Um uns die Sache aber nicht zu leicht zu machen, wechseln wir unterwegs zwei Mal den Flieger. Das ist ein bisschen doof, war aber die bessere Alternative, nachdem unser ursprünglicher Flugplan mit einem Umstieg so weit nach hinten verschoben wurde, dass wir erst nach Mitternacht an unserem Zielort angekommen wären. Unsere erste Etappe legen wir natürlich mit dem Zug zurück. In Düsseldorf wollen wir in den ersten Flieger steigen.

Düsseldorf

In Düsseldorf treffen wir direkt am Bahnsteig erst einmal auf eine Bande musikalischer Piraten, die uns auch in der kleinen Flughafenbahn zum Terminal begleiten. Musikalische Piraten sind Menschen, die sich als Piraten verkleidet haben, ein bisschen so riechen als wären sie auf einem längeren Segeltörn gewesen und Musikinstrumente mit sich herumtragen. Auch eine Art und Weise, Aufmerksamkeit zu erregen. Kurz darauf steht die Truppe dann auch vor uns bei der SAS-Gepäckaufgabe, man scheint uns bis Kopenhagen zu begleiten. Anhand eines Aufklebers auf einem Instrumentenkoffer identifizieren wir die Piraten als „Ye Banished Privateers“ und finden heraus, dass sie am Wochenende in Dortmund gespielt haben.

Das Gepäck ist dann schnell aufgegeben. Annas Rucksack muss zum Sperrgepäck. Mein baugleiches Modell nicht. Für mein zu schweres Handgepäck interessiert sich niemand.

Bei der Sicherheitskontrolle verliere ich das Schlangen-Wettrennen, Fräulein Anna darf vor mir durch den Metalldetektor. Dafür wird an meinem Handgepäcks-Rucksack extra-gut gefilzt und an meiner Hose ein Drogentest gemacht. Ich bestehe scheinbar, denn man lässt uns ziehen.

Wir lungern an Gate A26 rum, natürlich sind wir deutlich zu früh – aber wer unsere Erlebnisse während der Anreise zu verschiedenen Flughäfen kennt, weiß auch warum.

Kopenhagen

Erster Stopp: Kopenhagen! Als wir aus dem Flieger raus sind, müssen wir eigentlich nur über den Gang ein paar Meter weiter in den nächsten Wartebereich. Umsteigen scheint hier nicht so schwierig zu sein. Hoffentlich ist es auch für unser Gepäck so einfach.

Als erstes kauft Fräulein Anna uns Cola und Chips. Es fängt an, sich ein bisschen wie Urlaub anzufühlen.

Fliegen mit SAS

Oslo

Was ein Gerenne: Aus dem Flieger, das Gepäck will abgeholt werden. „Durchchecken“ konnte man unsere Rucksäcke nämlich nicht und so müssen wir hier ein bisschen tätig werden. Nachdem wir gefühlt einmal durch den ganzen Flughafen sind, kommt Fräulein Annas Gepäck als eines der ersten Stücke auf dem Band, mein markanter schwarzer Sack ist auch unter den ersten zehn. Das ist gut, denn so besonders viel Zeit bleibt uns für die ganze Prozedur während des Umsteigens nicht.

Drauf mit den Rucksäcken auf das Wägelchen, ab durch den Zoll. Wir werden nicht weiter beachtet, ein ziemlich knuffiger Spürhund tollt herum, hat aber an uns nichts auszusetzen. Dann geht es mit dem Fahrstuhl wieder in die Abflughalle. Das Gepäck will wieder am SAS-Schalter eingecheckt werden. Dann geht es noch einmal durch die Sicherheitsschleuse. Dieses Mal müssen auch die Wanderschuhe aus, die Norweger nehmen es ganz genau.

Dann geht es noch einmal (gefühlt) durch den gesamten Flughafen. Etwa 45 Minuten nach der Landung stehen wir pünktlich zum Boarding für unseren letzten Flug wieder am Gate. Puh!

Tromsø

Angekommen! Der Flughafen von Tromsø ist wirklich klein. Zwischen Abflug und Ankunft wird hier nicht so richtig unterschieden. Das Gepäckausgabeband haben wir nach wenigen Schritten erreicht, weniger Meter weiter ist man dann auch schon aus dem Flughafen draußen. Mein Rucksack fällt als einer der ersten vom Band, dann kommt lange nichts. Fräulein Annas ist eines der letzten Gepäckstücke. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht.

Ein Taxi bringt uns zügig und vor allem hauptsächlich über eine unterirdische Straße in unser Hotel. Hier wollen wir die Nacht verbringen, bevor wir morgen gegen Mittag das Wägelchen abholen. Unser Hotelzimmer für diese Nacht ist ungefähr 10qm groß. Das ist ok. Aber halt auch voll, wenn wir und unsere Rucksäcke drin sind.

Nach flottem Check-In ziehen wir nochmal in die Stadt, so langsam bekommen wir Hunger. Tromsø empfängt uns ziemlich grau und vor allem sehr leer. Es sind nicht so besonders viele Leute auf der Straße. Um viertel vor zehn bestellen wir jeder einen Burger im urigen “Huken Pub“. Wie spät es ist, wird uns erst bewusst, als der Thekenmann ein bisschen komisch schaut, warum wir denn jetzt noch ein Abendessen wollen. Er verschwindet aber gerne noch einmal für uns in der Küche. Die Burger sind dann auch wirklich lecker, da hat Yelp uns nicht zu viel versprochen.

Der Huken Pub

Weil es ja nicht dunkel wird, drehen wir noch eine kleine Runde. SAS ruft derweil bei Fräulein Anna an. Ob wir wirklich all unser Gepäck hätten? Ja? Auch den roten Koffer? Da ist wohl was bei denen durcheinander geraten. Da es bei 8 Grad und Nieselregen nicht so viel Spaß draußen macht, landen wir dann doch im Hotel und im Bett. Das war eigentlich auch Gerenne genug heute.

Fahrt ins Grüne — Immergut 2016 — Tag 2

Puh, was für eine Nacht. Irgendwann wurde ich wach und war der Kakophonie von gleich mehreren Disko-Veranstaltungen ausgesetzt. Die unterschiedlichen Musikrichtungen würden sicherlich ein ganz nettes Mashup ergeben, im Halbschlaf war ich so mittelmäßig begeistert und musste mir mit Ohropax helfen.

Nach einer warmen Dusche gibt es erst einmal Frühstück. Es ist schon sehr ungewohnt, vor allem aber komfortabel, wenn man einfach hingehen kann und sich um nichts kümmern muss. Danach überlegen wir, mit der Trolli-Bahn zu einem der nahegelegenen Seen zu fahren. Das haben sich aber auch ungefährt nochmal doppelt so viele Menschen gedacht, wie da eigentlich reinpassen. Und so bleiben wir einfach da und machen uns auf den unbevölkerten Platz vor den Bühnen auf ein paar Sitzen gemütlich. Wie es der Zufall so will, sitzt dort auch gleich wieder unser sehr gesprächiger Frühstücks-Nebenmann. Die Zeit vergeht wie im Flug, schon bald müssen wir den Kunz-Wagen auch wieder herrichten, damit zur Platzöffnung wieder alles läuft.

Stefanie Sargnagel

Den Anfang macht heute Stefanie Sargnagel. Die schreibt nach eigener Aussage bis zu zwanzig Posts pro Tag bei Facebook, das lesen viele Menschen und deshalb gibt es die inzwischen auch in Buchform. Sie schreibt witzige Dialoge, vulgäre Gedichte, ungefilterte Gedanken. Das ist zum großen Teil sehr unterhaltsam, mir aber auch manchmal ein bisschen zu vulgär. Aber ich bin ja auch ein alter Spießbürger.

Frankie Cosmos

Als nächstes stehen dann die Leute von Frankie Cosmos auf der Waldbühne. Die spielen ganz okaye Popmusik. Die ist auf keinen Fall schlecht, haut mich aber auch nicht so recht vom Hocker. Das mag aber auch dran liegen, dass mir warm ist, mir die Sonne ins Gesicht scheint und ich außerdem auch noch gerade ein bisschen müde bin.

Nagel & Manuel Möglich

Direkt danach sitzen dann da zwei Herren auf der Bühne. Der eine ist Nagel, der ehemalige Sänger der Band Muff Potter. Der schreibt jetzt aber auch Bücher und aus seinem aktuellsten „Drive-By Shots.“ liest er was vor. Außerdem hat er Notizen gemacht, was er in der Nacht von Freitag auf Samstag auf dem Immergut erlebte und trägt das vor. Sehr amüsant. Neben ihm sitzt Manuel Möglich, der mir nun wirklich gar nichts sagt. Macht aber nichts, er wirkt sympathisch. Jedenfalls scheint er was mit Fernsehen zu machen, denn er kann Kommentare und Mails vorlesen, in denen Menschen nicht so nett zu ihm sind. Auch das ist sehr amüsant, insgesamt ergänzen sich die beiden wirklich gut.

Der Nachmittag geht dann irgendwie vorbei, ich lasse ein paar Bands aus. Zu We Are City und Peter, Björn & John fällt mir nicht viel ein. Erstere kannte ich nicht, kann ich mir aber schon vorstellen öfter zu hören. Zweitere fand ich leider ein bisschen langweilig. Außer dem allseits bekannten „Young Folks“ kannte ich von der Band nichts und das Konzert animierte mich jetzt auch nicht wirklich, mehr reinzuhören. Schade eigentlich.

Is Tropical

Ziemlich nach meinem Geschmack war dann schließlich Is Tropical. Die Briten, die in der Wikipedia als „Indietronic“-Band geführt werden, machen mir auf anhieb viel Spaß, wecken mich vielleicht auch wieder ein bisschen auf und bringen ein bisschen Bewegung vor die Zeltbühne. Sehr gut!

Liima

Erinnert sich noch jemand an Efterklang? Fräulein Anna auf jeden Fall. Und deshalb schauen wir uns auch diese Band an, denn im Prinzip ist Liima nun eine Erweiterung der ursprünglichen Kombo. Die Musik finde ich dann auch ziemlich ansprechend. Kann man hören!

Maxïmo Park

Mehr als ein Lied von Maxïmo Park kannte ich vorher auch irgendwie nicht. „Books from Boxes“! Aber: Man macht sehr solide Musik, weiß genau was man auf der Bühne zu tun hat und trifft dabei ziemlich genau mein Geschmack. Nicht umsonst machen die Herrn ja auch schon eine ganze Weile Musik zusammen. Maxïmo Park ist vielleicht bin bisschen sehr so, wie ich mir einen Headliner vorstelle. Obwohl ich schrecklich müde bin, gehe ich mit. So soll das sein.

Heute machen wir nach den Konzerten noch einige Abstecher zu den verschiedenen Diskos, Backstage lockt mich aber das Sofa sehr, so dass wir bald in unseren Schlafsäcken landen. Morgen will ja auch noch nach Hause gefahren werden. Das machen wir am kommenden Tag dann auch – nach einem kurzen Frühstück und nachdem wir Fräulein Annas Kunz wieder abgebaut und verpackt haben. Den Teil der Rückfahrt, den ich nicht selbst fahre, verschlafe ich komplett. Wie passend, dass ich mir direkt auch noch den Montag zum klarkommen frei genommen habe.

Speicherkarte gelöscht – Bilder kostenlos wiederhergestellt

Gestern war ich dumm: Ich schaute Bilder auf meiner Kamera durch und irgendwie triggerte ich den „Speicherkarte löschen“-Reflex. Ganz schnell hatte ich den entsprechenden Menüpunkt aufgerufen, „Alle löschen“ angewählt und „OK“ gedrückt.

Im gleichen Moment traf mich der Schlag: Die Bilder waren noch gar nicht auf der Festplatte und in Lightroom importiert! Nachdem ich mich eine Weile selbst beschimpft hatte, bemühte ich die Suchmaschine meines Vertrauens und neben allerlei komisch aussehender Windows-MalSoftware fand ich dabei dann auch den Link zu RecoveRx, einer Software die von der Firma Transcend kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Wenn sowas von einer Firma kommt, die Speicherkram herstellt, ist es einen Versuch wert. Nur fünf Minuten später rödelte das Programm schon vor sich hin und sicherte den eigentlich gelöschten Inhalt der Speicherkarte auf meiner Festplatte.

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Neben den vierhundert Bildern, die ich eigentlich wiederherstellen wollte, fand das Programm noch ungefähr jedes andere Bild wieder, was ich jemals auf der Karte gespeichert hatte. Gut zu wissen, dass sowas geht.

Fahrt ins Grüne — Immergut 2016 — Tag 1

Wie letztens schon angekündigt verbrachten Fräulein Anna und ich das Wochenende in Neustrelitz auf der Mecklenburgischen Seenplatte. Das Immergut-Festival stand auf dem Programm. Da waren wir ja bekanntlich schon das ein oder andere Mal, dieses Jahr sollte es aber ein bisschen anders werden.

Fräulein Anna und die Kunz

Fräulein Anna hatte sich nämlich bei der Immergut Kunz beworben. Im Rahmen dessen beschäftigen Künstler sich mit dem jeweiligen Festival-Motto und stellen das Ergebnis dann aus. Für Fräulein Anna, die schon länger etwas mit ihren analogen Bildern aus Island machen wollte, war das die Chance. In einem knapp fünfminütigen Video stellte sie die ruhigen analogen Landschaftsbilder aus Island hektischen, sich schnell bewegenden Alltagsbildern gegenüber. Damit wurde sie natürlich direkt genommen und so waren wir auf einmal nicht nur Besucher, sondern durften auch alle Annehmlichkeiten eines Backstage-Passes in Anspruch nehmen – also zum Beispiel eine gut bestückte Bar, Verpflegung inklusive zwei warmer Mahlzeiten oder warme Duschen. Top!

Ein bisschen Vorbereitung brauchte es dann schon und so fuhren wir bereits am Mittwoch nach Neustrelitz, bauten am Donnerstag auf und machten uns ein wenig nützlich, bevor dann am Freitag das Festival wirklich began. Wir wurden direkt sehr nett aufgenommen, ich war überrascht wie eng die Immergut-Leute hinter den Kulissen alle miteinander waren. Es fühlte sich gleich ein bisschen wie ein Bundeslager-Aufbau an. Dieses „Ruhe vor dem Sturm“-Gefühl, wenn du schon Tage vor dem eigentlichen Beginn auf der Wiese bist, deinen Kram aufbaust und vorbereitest.

Die Ruhe vor dem Sturm - das Festivalgelände etwa drei Stunden vor dem ersten Konzert.
Die Ruhe vor dem Sturm – das Festivalgelände etwa drei Stunden vor dem ersten Konzert.

Dann war es irgendwann aber auch Freitag Nachmittag, der Zeltplatz hatte sich schon seit Donnerstag Morgen immer schneller gefüllt und dann ging es auch an der Birkenhain-Bühne direkt los. Wie üblich war ich nur ein bisschen auf die Bands vorbereitet und wollte mich vor allem überraschen lassen.

Eddie Argos

Los ging es mit Eddie Argos, dem Frontmann der Band Art Brut. Der sang aber gar nicht, sondern erzählte lieber aus seiner Jugend und wie er seine Band gründete. Kein Wunder, hat er doch erst letztens seine Biographie geschrieben. Das macht er auf sehr unterhaltsame Art und Weise, mit englischem Akzent und einer guten Portion Selbstironie. Alleine deswegen schon habe ich gerne zugehört.

„It’s hard to study if you are full time daydreaming of being in a band.“
Eddie Argos

Sean Nicolas Savage

Ein bisschen verrückt fand ich Sean Nicolas Savage. Das Konzert fing in etwa so an, wie ich mir einen Drogenrausch in den 80ern vorstelle. Savage startet mit zwei Coverversionen aus dieser Zeit, gar nicht mal schlecht. Dann kommen noch zwei Musiker dazu und mir wird das Ganze schnell zu skurril. Kaffeepause!

Peter Licht

Ich habe Peter Licht die ganze Stunde lang zugehört. Zuerst seiner Lesung, dann dem abschließenden Gespräch mit einem Moderator und einigen Menschen aus dem Publikum. Ich habe versucht ihn und das was er da aus seinem Buch vorlas zu verstehen. Ich habe nichts, kein Wort, überhaupt nichts verstanden. Also die Worte schon. Aber in der von ihm verwendeten Kombination haben die nicht viel Sinn ergeben. Vielleicht bin ich aber auch nicht so „Literatur“. Licht wirkt jedenfalls eigentlich ziemlich sympathisch, seine Musik muss ich mir bei Gelegenheit mal anhören.

„Ohje, ohje, ohje, ohje, ohje!“
Peter Licht

Jochen Distelmeyer

Nachdem wir Isolation Berlin nur kurz angehört haben und dann statt dessen lieber zum Abendessen gingen, war schließlich Jochen Distelmeyer an der Reihe. Der spielte Lieder aus seinem Album Songs from the Bottom, Vol. 1, auf dem er ausnahmslos Titel englischsprachiger Künstler wie Britney Spears, The Verve oder Lana Del Rey interpretiert. Das hat mir zugegebenermaßen ziemlich gut gefallen.

White Wine

Direkt danach geht es mit White Wine auf der Zeltbühne. Die Band aus Leipzig ist zuerst einmal ziemlich laut im Vergleich zu dem was ich vorher sah, dazu ein bisschen elektronische und mit Rhythmus. Ein Fagott ist da auch irgendwie im Spiel. Das gefällt mir alles ziemlich gut, ich speichere die Band auf meiner „Später hören“-Liste.

Vita Bergen

Dies ist dann vielleicht mein Highlight für den ersten Tag. Es dauert nicht mal ein ganzes Lied, bis ich von Vita Bergen begeistert bin. Die sieben Schweden treffen ziemlich genau meinen Geschmack und so geht die knappe Stunde Rockmusik auf der Zeltbühne viel zu schnell vorbei. Man hat in diesem Jahr gerade das Debut-Album europaweit veröffentlicht, es ist also zu hoffen, dass ich mir die Herren bald noch einmal anschauen kann.

Get Well Soon

Zu Konstantin Gropper muss ich ja glaube ich nicht mehr viel sagen. Get Well Soon höre und schaue ich mir ja nun gerne öfter an. Gropper und Band liefern ein gewohnt solides Konzert ab, leider passt die Band scheinbar nicht so in die Stimmung die gerade herrscht. Die doch eher ruhige Musik verleitet ziemlich viele Menschen dazu, sich lieber zu unterhalten. Das stört mich ziemlich.

Tocotronic

Nun ja. Tocotronic und ich werden wohl keine Freunde mehr. In den letzten Jahren habe ich, gerade weil mir die Musik eigentlich gefallen müsste, der Band immer wieder mal eine Chance gegeben und sie mir angehört. So auch dieses Mal wieder. Gepaart mit ziemlich großer Müdigkeit und dem ganzen Tag in den Beinen schaue ich mir das Konzert nicht mal zu Ende an.

Immergut, Tag eins: Vorbei.

Hunderttausend Schritte

Gestern Abend, so gegen zehn Uhr habe ich nicht, wie eigentlich geplant, gebloggt. Ein Beitrag für die vergangene Woche fehlte noch. Statt dessen bin ich nochmal eine Runde um den Block. Warum? Es gab ein Ziel zu erreichen!

Hunderttausend, in Zahlen: 100.000, Schritte waren voll zu machen. Nicht in einem Jahr, nicht in einem Monat. In einer Woche. Das war mir, seit der Einführung des Schrittzählers vor ziemlich genau dreizehn Monaten, noch nicht gelungen. Normalerweise dümpele ich mehr so ein bisschen zwischen siebzig- und achtzigtausend Schritten rum. Jetzt bin ich ein bisschen stolz, denn anderen Leuten gelingt das ständig. Bei mir klappte das diese Woche mal, weil ich Pfingstmontag einen kleinen Ausflug mit Fräulein Anna unternommen hatte (davon gibt es auch noch Bilder, die es zu bearbeiten gilt) und jetzt am Wochenende noch einmal eine kleine Wanderung mit meinem Pfadfinderstamm unternommen habe (und Bilder geknipst habe, Lightroom ist gerade ziemlich voll mit unbearbeiteten Bildern). So kamen schon fast zwanzigtausend Schritte mehr als sonst zusammen.

Aber wie kam ich eigentlich drauf? Letztes Jahr habe ich irgendwann festgestellt, dass mir der Besuch im Fitti vielleicht auch gut tut, aber vor allem eine öde Quälerei ist. Vielleicht bin ich da einfach nicht für, jedenfalls bin ich irgendwann nicht mehr hin gegangen. Aber: Bewegung, insbesondere in Form von Spaziergängen mag ich ja schon. Und so sprang ich auf den gerade losfahrenden Trend-Zug der Schrittzählerbesitzer und fing an, so ein Ding mit mir herumzutragen. So als Motivationshilfe hauptsächlich.

Schnell stellte ich fest, dass das mit den voreingestellten zehntausend Schritten pro Tag gar nicht so einfach ist. Irgendwo zwischen sechs- und siebentausend liegt mein eigentlicher Durchschnitt. Das bedeutet: Morgens und/oder Abends darf ich nicht einfach in die mehr oder weniger direkt vor der Haustür haltende Bahn steigen, sondern lieber mal noch ein oder zwei Stationen weit laufen. Das macht aber nichts – ein kleiner Spaziergang durch die Stadt hat noch keinem weh getan. Nach Feierabend winkt hier auch immer noch ein Espresso als Belohnung.
Da das aber meistens noch nicht reicht, muss Abends sehr oft noch eine Runde um die Poppelsdorfer Allee angehängt werden. Da bin ich schon ein kleines bisschen stolz, wie oft ich den inneren Schweinehund überwinde um den kleinen Zähler in meiner Tasche auf eine fünfstellige Zahl zu bekommen. Manchmal fällt es mir richtig schwer, mich nach dem Abendessen noch einmal aufzuraffen, die Schuhe zu binden und los zu ziehen. Etwa acht Kilometer am Tag mache ich so auf jeden Fall. Neben der Bewegung bringt mir das Ganze auch noch etwas: Ein bisschen Zeit zum Nachdenken, zum telefonieren, Musik und Podcasts hören. Zu Hause kommt man dazu ja nicht, es ist ja doch immer irgendwas zu tun.

Ich habe schon lange nichts mehr mit einer solchen Ausdauer gemacht, wie die Spaziererei. An dem Ball bleibe ich auf jeden Fall dran. Dass mich die hunderttausend Schritte nun 5 Euro bei den Ironbloggern gekostet haben, macht mir da nichts aus.

Ein bisschen Musik zur Vorbereitung: Immergut Festival 2016

Dieses Jahr geht es wieder auf das Immergut-Festival in Neustrelitz auf der Mecklenburgischen Seenplatte. Da war ich ja jetzt in den letzten Jahren schon ein paar Mal, ich berichtete davon. Das Schöne am Immergut ist ja immer ein bisschen, dass ich die meisten Bands, die dort spielen, noch gar nicht kenne. Umso besser, dass ich dafür aber schon ein paar Musikgruppen dort kennenlernte, die ich immer wieder gerne höre. Die Isländer von FM Belfast zum Beispiel, oder auch die Jungs und das Mädel von Team Me! Deshalb bin ich immer wieder sehr gespannt, was mich da so an Musik erwartet.

Dieses Jahr kann ich mich auf Get Well Soon freuen. Aufmerksame Leser dieser Bloggeschichte hier wissen, dass ich großer Fan von Herrn Gropper und seiner Musik bin. Da es dieses Jahr leider keine offiziell bereitgestellte Musikliste bei Spotify gibt, habe ich selbst ein bisschen Hand anlegen müssen und eine Liste zusammengestellt. Dazu warf ich einfach mal wahllos die fünf meist gespielten Titel zusammen. Damit kann ich mich schon mal ein bisschen einhören und überlegen, wen ich unbedingt sehen will. Angst, etwas zu verpassen, muss ich nicht haben – beim Immergut spielen die Bands ganz brav nacheinander auf einer der drei Bühnen.

Dieser feine Trailer lässt die Vorfreude noch ein bisschen wachsen. Ick freu mir!

Das Bauhaus in der Bundeskunsthalle

Sonntags. Elternbesuch. Da muss ein Programm her! Vergangenes Wochenende stand deshalb ein Besuch in der Bundeskunsthalle an. Dort ist noch bis Mitte August die Ausstellung „DAS BAUHAUS – Alles ist Design“ rund um die berühmte Kunst-, Design- und Architektur-Schule. Der Eintritt kostet 10 Euro.

So ein bisschen was weiß man ja zu dem Thema schon – in meinem Fall war das aber dann gar nicht so viel. Und so lernte ich in den gut zwei Stunden, die wir uns da herumtrieben, ganz schön was dazu. So wusste ich zum Beispiel nicht, dass die Schule nicht nur in Weimar, sondern auch in Dessau und Berlin saß. Viele zeitgenössische Dokumente beschreiben die Geschichte der Institution und zeigen wie die Werkstätten und Ateliers seinerzeit aussahen. Bilder von Bauhaus-typischen Gebäuden dürfen natürlich auch nicht fehlen. Dazu gibt es dann zahlreiche Ausstellungsstücke, sowohl älteren als auch neueren Datums – neben den vermutlich sehr bekannten Möbeln sind da auch Kaffeemaschinen und ziemlich schicke Lampen dabei.

Und: Kunst! Manchmal weiß man ja nicht so genau, wo Design aufhört und Kunst anfängt – oder umgekehrt. Und so gehören neben den vielen Alltagsgegenständen auch Installationen aus bunten Vasen, Bilder, Renderings und Videos von Tanzvorführungen zur Ausstellung. Und: Ein Minecraft-Video! Ich war vermutlich der Einzige der älter als zehn Jahre war, der das irgendwie cool fand.

Ich hätte mich da durchaus noch eine ganze Weile verdulden können. Leider war die Belüftung in den Räumlichkeiten nicht so besonders und die Beleuchtung auch irgendwie ermüdend. So war irgendwann für mich die Luft raus. Das fand ich fast ein bisschen schade. Empfehlen kann ich die Ausstellung trotzdem.

Bosch (Die Serie, kein Werkzeug)

Dieser Tage schaute ich die zweite Staffel Bosch. Das hat nichts mit Werkzeug zu tun, sondern ist eine Krimi-Serie rund um einen Polizisten mit diesem Namen. Der ist ein bisschen ein Griesgram und arbeitet bei der Mordkommission in Los Angeles. Er wird gespielt von Titus Welliver, den man vom Namen her vielleicht nicht kennt – dessen Gesicht aber jeder wohl schon einmal im Fernsehen gesehen hat.

In der ersten Staffel steht Bosch direkt mal wegen Schusswaffengebrauchs vor Gericht und muss einen uralten Fall von Kindesmissbrauch klären. Die fand ich schon ziemlich gut und spannend und so freute ich mich sehr darüber, dass da letztens eine zweite Staffel in der Prime-Video-App auf dem iPad auftauchte.

Die zweite Staffel handelt dann zuerst von einer Mordermittlung, nachdem ein Porno-Produzent erschossen wurde. Es könnte sein, dass seine Frau was damit zu tun hat. Ich will aber nicht zu viel verraten. Auch die Geschichte drumherum hat einiges zu bieten: Lance Reddick (den man auf jeden Fall aus Fringe kennt) spielt wieder den Polizeichef Irvin Irving und hat auch noch einen Auftrag für den Kommissar. Die zehn Folgen sind viel zu schnell vorbei gegangen und haben mich ziemlich gefesselt. Wer Krimis mag, sollte Bosch schauen.