Jugendsprache?

Im Mängelexemplar-Buchladen mei­nes Ver­trau­ens habe ich letz­tens was zu mei­nem Män­ge­l­ex­em­plar dazu­be­kom­men: Den PONS Kalen­der Jugend­spra­che 2009. „Gei­ler Scheiß!“, dachte ich mir da, „Da kann man noch was ler­nen, dann komme ich noch jugend­li­cher rüber!“

Weit gefehlt. Ich weiß ja nicht genau, wer das Ding zusam­men­ge­stellt hat, aber wenn das wirk­lich „Schü­le­rin­nen und Schü­ler aus ganz Deutsch­land“ waren, dann haben sie irgend­wie die fal­schen gefragt.
Wei­ter als bis zum 17. Januar habe ich die Sei­ten noch nicht abge­ris­sen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich wei­ter machen möchte. „Jugend­spra­che“ ist bei mir irgend­wie was ande­res. Bis jetzt habe ich gelernt, was ein „Mur­mel­schup­pen“ (Kir­che) ist, dass ein „Rama­de­ckel“ für fet­tige Haare steht und „sich ne Kippe ein­bauen“ eigent­lich bei der Jugend von heute „lun­gen­bräu­nen“ heißt.

Viel­leicht habe ich ja irgend­was nicht mit­be­kom­men, aber in mei­ner Peer­group geht es doch etwas vul­gä­rer zu. Gibt es die Kin­der mit den tol­len Manie­ren und den spit­zen­mä­ßi­gen Umgangs­for­men, über die Erich Käs­t­ner, Enid Bly­ton und Astrid Lind­gren ihre Bücher schrie­ben, eigent­lich noch? Anschei­nend schon. Aber sie ver­ste­cken sich irgendwo zwi­schen all den Ghet­to­kids die man so auf der Straße trifft. Lus­tig wäre das schon: „Ey Alder! Check mal den Asphalt­pi­ckel (klei­ner Hund), der ist voll vier­la­gig (voll gut)!“ Die Begriffe sind eigent­lich auch recht wit­zig, aller­dings bezweifle ich so ein wenig dass 90% der Worte wirk­lich benutzt werden.

Chil­len steht übri­gens auch drin. Wenigs­tens eins das man kennt. Danke.

20 Kommentare bisher

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  1. Jan

    90%?
    Dann würde ich den Gegen­ge­dan­ken schlimm fin­den:
    10% spre­chen so!

  2. Pocken oder Cho­lera? Tokio Hotel oder Kelly Family? Ich find alles schlimm. Alles. Wirk­lich alles.

  3. Mo

    Hahaha. Also im Ernst, mein akti­ver Wort­schatz hat nur auf „Rama­de­ckel“ gewar­tet, finde ich total lustig ;)

    Aber dass Astrid Lind­gren Bücher schreibt über Kin­der mit tol­len Manie­ren und spit­zen­mä­ßi­gen Umgang­for­men, ich weiß ja nicht… Nie „Michel aus Lön­ne­berga“ gelesen?

  4. Sol­che Auf­zäh­lun­gen stim­men doch sowieso fast nie.
    Die wur­den zusam­men­ge­stellt von irgend­wel­chen Bürohei­nis, die den gan­zen Tag nichts bes­se­res zu tun haben, als im Inter­web nach sol­chen Wor­ten zu schauen.
    Soll­ten lie­ber mal an die Schu­len oÄ gehen und dort nach­schauen, was gesagt wird.

    Meine Mei­nung zu dem Thema.

  5. Mo: Astrid Lind­gren ist viel­leicht nicht grade das beste Bei­spiel gewe­sen. Obwohl die Homies von Pipi Lang­strumpf (die Geschwis­ter, ich komm grade nicht auf die Namen) schon so ein wenig in die Kate­go­rie „Fünf Freunde“ fal­len. Und grade die (also die vier Men­schen von den Fünf Freun­den) oder auch die Kin­der aus dem geflü­gel­ten Klas­sen­zim­mer oder Emil, Pony Hüt­chen und Co. sind schon die Per­so­ni­fi­zie­rung des Gut­men­schen. Wie Bono (Kein Kin­der­buch, der von U2!). Igitt.

    Domme: Eigent­lich müsste man mit die­sem Inter­netz eine recht gute Quelle für aller­lei Jugend­spra­che haben. Sogar in den (frü­her eigent­lich immer etwas eli­tär ange­hauch­ten) Mac-Foren trei­ben sich inzwi­schen jede Menge Ghetto-Kids mit ent­spre­chen­dem Slang rum.

  6. @Martin: Wenn du der Mei­nung bist, dass Jugend­li­che = Ghetto-Kids bzw. Jugend­spra­che = Ghetto-Slang, dann ist das dir über­las­sen.
    Wie du jedoch viel­leicht merkst, gibt es durch­aus auch Jugend­li­che, die der deut­schen Spra­che in Wort und Schrift mäch­tig sind.
    Ich zähle mich mit mei­nen 17 Jah­ren wohl dazu!
    Klar benutzt man zwi­schen­durch mal Wör­ter wie derb, fett, …. Ich denke jedoch, dass diese Wör­ter bei den meis­ten Jugend­li­chen _nicht_ überwiegen.

  7. Domme: Mir ist durch­aus bewusst, dass nicht alle Jugend­li­chen so abge­hen. Aber setz dich mal in Bonn oder einer belie­bi­gen ande­ren Stadt in die Stra­ßen­bahn. Ich weiß schon warum ich In-Ears hab die mich von der Außen­welt abschot­ten (und den fie­sen Metal direkt ins Hirn bal­lern). Es geht ja auch eigent­lich mehr darum, was durch den Kalen­der als „Jugend­spra­che“ ver­mit­telt wer­den soll. Und das ist Bullshit.

    Ansons­ten: Ich fühle mich inzwi­schen dazu in der Lage, in Foren anhand von Recht­schrei­bung, Inter­punk­tion und Wort­wahl das Alter einer Per­son recht gut ein­schät­zen zu kön­nen. Das es in die­sem Bereich mas­sive Defi­zite bei der „Jugend von heute“ kann man wohl nicht bestreiten.

  8. Inter­punk­tion, Recht­schrei­bung und Wort­wahl sind bei vie­len Jugend­li­chen unten durch, das stimmt. Lei­der weiß ich auch nicht wieso.
    Ich wollte dich nur dar­auf auf­merk­sam machen, dass man nicht alle Jugend­li­chen über einen Kamm sche­ren darf, genau­so­we­nig, wie man es mit ande­ren Grup­pen (Imi­gran­ten, Rocker, $belie­bi­ge­Gruppe) darf oder kann.

    Thema geklärt. ;)

  9. „Inter­punk­tion, Recht­schrei­bung und Wort­wahl sind bei vie­len Jugend­li­chen unten durch, das stimmt. Lei­der weiß ich auch nicht wieso.“

    Weil die wenigs­ten drauf ach­ten. Schul­bil­dung in vie­len Krei­sen als „uncool“ rüber­kommt und du vor allem im Inter­net jede Menge schlechte Vor­bil­der hast. Man lernt schrei­ben sehr viel dadurch, dass man liest. Wenn ich dann in den ein­schlä­gi­gen Social Net­works auf den Pro­fil­sei­ten hin­ter „Bücher“ nur „lol“, „lang­wei­lig“ oder „lesen suckt“ sehe, dann wun­dert mich nichts mehr. YouTube ist auch ein­fa­cher zu bedie­nen und erfor­dert weni­ger Eigen­leis­tung. Viel­leicht kann einer der anwe­sen­den Ger­ma­nis­ten und Lehr­amt­ler was dazu beisteuern.

    „Ich wollte dich nur dar­auf auf­merk­sam machen, dass man nicht alle Jugend­li­chen über einen Kamm sche­ren darf“

    Macht ja kei­ner hier. Achte mal auf die Ironie-Tags. ;-)

  10. Mo

    Da fühl ich mich doch direkt mal ange­spro­chen ;)
    Meine These: Sprach­ebe­nen. Wir sind noch in der Lage, die ass­zack zu tren­nen und je nach Situa­tion das pas­sende Regis­ter zu zie­hen (ich red halt an der Uni anders als im Blog als in der Meu­ten­stunde als sonn­tag­mit­tags bei der Oma beim Kaf­fee), viele kön­nen das nicht mehr. Ich finde es zum Bei­spiel immer ganz schlimm, wenn Leute irgend­wel­che Inter­net­aus­drü­cke laut aus­spre­chen, um Emo­tio­nen rüber­zu­brin­gen. Aber das ist denen dann gar nicht bewusst, dass hier eine andere Sprach­ebene ange­bracht wäre.
    Hat jetzt gar nichts mehr mit dem Aus­gangs­punkt der Dis­kus­sion zu tun, denn die lus­tig gemeinte Pons/Langenscheid-Jugendsprache hat sich die ent­spre­chende Redak­tion aus­ge­dacht. Aber die Enid Blyton-Kinder, und die sind wirk­lich gräß­lich gut­men­schen­haft, die wür­den auch „Mur­mel­schup­pen“ und „lun­gen­bräu­nen“ sagen…

  11. Das mit den gespro­che­nen Smi­lies kommt in mei­nem doch recht ner­di­gen Arbeits­um­feld durch­aus öfter vor. Ich sag dann ja immer: „ROFL, du hast LOL gesagt.“ Hilft aber nicht. ;-)
    Ich glaube ja fast, dass es heut zu tage kaum noch Sprach­ebe­nen gibt. Es duzt sich doch sowieso fast jeder, vor allem online. Und „du Arsch­loch“ ist nun mal echt ein­fa­cher als „sie Arschloch“.

    Oh und ich erin­nere mich: Ich kenne sogar ein „Enid Blyton-Kind“. Der erklärte mir das andere „einen wun­der­vol­len Wall aus Stei­nen“ unter ihrer Feu­er­schale auf­ge­schüt­tet haben. Bei den Fünf Freun­den würde glaub ich Timmy der Hund noch am ehes­ten anfan­gen zu qualmen.

    Sofern ich heute Abend nicht zu betrun­ken bin, ver­su­che ich mal dran zu den­ken den Kalen­der einzupacken.

  12. Mar­tin, ich denke die Inten­sion des Kalen­der­her­stel­lers lag bei der Erstel­lung weni­ger darin, dass die „Tage­diebe“ die Wör­ter schon ken­nen oder schlaue Blog­schrei­ber von einer Ver­wen­dungs­häu­fig­keit aus­ge­hen. Wohl eher soll dadurch dein – und vie­ler ande­rer – alter, grauer Wort­schatz mit neuen Neo­lo­gis­men ange­rei­chert wer­den! Gecheckt? ;)

  13. Check ich! Doof finde ich es trotz­dem. Das ist doch wie „Kei­ner hat die Absicht eine Mauer zu errich­ten!“ oder so.

  14. @mo: ich glaube ja, dass die lösung des pro­blems in einer aus­gie­bi­gen selbst­re­fle­xion liegt.

    Alles wei­tere zu dem Thema, und ich hab echt was dazu zu sagen, erklär ich nach dem Wochen­ende, wenn mein Pro­mil­le­spie­gel wie­der auf die für Lehr­amtstu­den­ten durch­schnitt­li­chen 0,8 gesun­ken ist. Ich sollte vor SSTs nicht beim Mecha­ni­ker pennen…

  15. Mo

    Das brauchst du ja nicht extra zu sagen. Die Lösung ALLER Pro­bleme liegt in einer aus­gie­bi­gen Selbstreflexion!

  16. Des­halb hab ich nen gro­ßen Spiegel.

  17. So, jetzt ich.

    Ich glaube man muss sich ein­fach mal angu­cken, wer das Ding her­aus gebracht hat: Pons. Was ist Pons, ein Unter­neh­men, dass Pro­fit machen will. Und Pro­fit macht man heute (lei­der) nicht mehr zwangs­läu­fig mit dem, was Qua­li­tät hat oder rich­tig ist, son­dern mit dem, was auf­fällt. Das selbe Prin­zip wie beim RTL Dschun­gel­camp, ner­ven­den Han­dy­klin­gel­tö­nen und Teen­ager­bands aus der Gegend um Mag­de­burg.
    Eine rich­tige Ana­lyse, wie die Jugend spricht, hätte ver­mut­lich ganz andere Ergeb­nisse zu Tage geför­dert, die aber kei­nen hin­term Ofen her­vor gelockt hät­ten. Ob irgend­je­mand diese Wör­ter schon­mal benutzt hat? Keine ahnung. Ver­mut­lich schon, dann aber eher in ein­zel­fäl­len und vor allem in begrenz­ten Peer­groups. So wie wir unter­ein­an­der zum Handy Schwert sagen, nen­nen 5–10 andere Torf­na­sen in Deutsch­land viel­leicht tat­säch­lich Minia­tur­kö­ter Asphaltpickel.

    Übri­gens:

    Inter­punk­tion, Recht­schrei­bung und Wort­wahl sind bei vie­len Jugend­li­chen unten durch, das stimmt. Lei­der weiß ich auch nicht wieso.

    Wenn es jemand raus­fin­det sagt mir bescheid. Da zer­bre­chen sich grad ganz schön viele ganz schön schlaue Leute den Kopf drüber.

  18. Kapi­ta­lis­ten­schweine! ;-) Schade eigent­lich. Ich würde mich wirk­lich gerne über den gän­gi­gen Jugend-Slang infor­mie­ren. Auch mal ein wenig überg­rei­fen­der, als das zwi­schen Bonn-Tannenbusch und Haupt­bahn­hof mög­lich ist. Vor allem auch die regio­na­len Unter­schiede wür­den mich mal inter­es­sie­ren. Gibt es dazu viel­leicht gescheite Studien?

    Ansons­ten:

    „Inter­punk­tion, Recht­schrei­bung und Wort­wahl sind bei vie­len Jugend­li­chen unten durch, das stimmt. Lei­der weiß ich auch nicht wieso.“

    Weil die wenigs­ten drauf ach­ten. Schul­bil­dung in vie­len Krei­sen als „uncool“ rüber­kommt und du vor allem im Inter­net jede Menge schlechte Vor­bil­der hast. Man lernt schrei­ben sehr viel dadurch, dass man liest. Wenn ich dann in den ein­schlä­gi­gen Social Net­works auf den Pro­fil­sei­ten hin­ter „Bücher“ nur „lol“, „lang­wei­lig“ oder „lesen suckt“ sehe, dann wun­dert mich nichts mehr. YouTube ist auch ein­fa­cher zu bedie­nen und erfor­dert weni­ger Eigen­leis­tung. Viel­leicht kann einer der anwe­sen­den Ger­ma­nis­ten und Lehr­amt­ler was dazu beisteuern.

  19. OMG! Den Kram haben die aus mei­nem Kalen­der abge­schrie­ben! „Kalb­fleisch­knop­pers“ ist aller­dings schon ziem­lich gei­ler Scheiß.

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