Mit dem Hamburg-Köln-Express (HKX) nach Hamburg – Eine Erlebnisreise

„Öfter mal was Neues!“ dachten sich Fräulein Anna und ich, als wir letztens überlegten, wie wir dann an einem Samstagmorgen nach Hamburg kommen sollten. Menschen empfahlen uns, doch mal einen neuen Bahn-Konkurrenten auszuprobieren. „Hamburg-Köln-Express“, oder kurz HKX heißt der. Die seien günstig und würde auch nicht überall unterwegs halten.

HKX Köln-Hamburg

Tatsächlich kostete mich das HKX-Ticket Bonn-Hamburg nur etwa die Hälfte des Preises, den ich mit meiner 25er Bahncard bei der Deutschen Bahn gezahlt hätte.

Ein wenig freute ich mich auch darauf, dass das Unternehmen alte Waggons der Deutschen Bahn einsetzt. Voll retro! Und sogar die Schlafwagons der Reichsbahn, Baujahr 1928, mit denen ich seinerzeit von Santiago aus in den Süden Chiles fuhr, waren noch echt top in Ordnung. Da kann ein Wagon aus den siebziger Jahren gar nicht so schlimm sein.

Dann kam unser Reisetag und Fräulein Anna und ich standen zeitig am richtigen Gleis am Hauptbahnhof zu Köln. Sehr pünktlich hieß es dann auch: „An Gleis zwei fährt ein…“ und ich dachte zuerst an einen Fehler im Stellwerk. Irgend jemand muss mit den Weichen Mist gebaut haben!
Tatsächlich wurden wir aber nicht Opfer einer Halluzination oder eines schlechten Scherzes. Tatsächlich hatte man bei HKX wohl nicht genug Züge griffbereit und so hatte man sich kurz von der Mittelrheinbahn einen ihrer Züge geliehen.

Mittelrheinbahn? Richtig! Das sind die gelb-weißen Züge, mit denen man entweder morgens von Bonn aus nach Mehlen zur Arbeit fährt oder am späten Abend möglichst betrunken wieder aus Köln heimkehrt. Eigentlich sind die Züge auch ganz ok. Wenn man denn zwei oder drei Haltestellen im Nahverkehr mit ihnen fährt und sie ordentlich und sauber sind.

Das war bei uns aber leider nicht der Fall. Wir sollten die kommenden vier Stunden in dem Zug sitzen, dessen Sitzabstand nicht ausreicht, um zwei 1,85 große Menschen ohne Abdrücke an den Knien wieder aussteigen zu lassen.
Bezüglich der Sauberkeit wäre es schon mal nicht schlecht gewesen, wenn man wenigstens man jemanden mit einem Besen und Wischmop durch den Zug gejagt hätte. McDonalds-Müll und eingetrocknete Bierpfützen unter den Sitzen und auf den Gängen zeugten davon, welche Klientel hier irgendwann am frühen Morgen wohl nach Hause gekarrt wurde. Irgendwann in der Zeit vor zwölf Uhr wäre es sicherlich möglich gewesen, den Zug zumindest einigermaßen auf Vordermann zu bringen.

Entsprechend dieser Vorzeichen machte die Fahrt dann auch richtig Spaß. Rund 200 Leute fuhren laut dem Zugbegleiter mit uns in dem einteiligen Zug. Besonders beliebt scheint der Hamburg-Köln-Express bei Fussballfans und Junggesellenabschieden zu sein. Um uns herum fand sich kaum jemand, der nicht ein Bier in der Hand hatte. Eigentlich gar nicht schlimm, hätte daraus nicht eine fünfzehnminütige Schlange vor der einzigen Toilette resultiert. Muss man nicht haben. Genau so wenig wie eine nicht so richtig funktionierende Klimaanlage, wenn die Abhilfe dazu daraus besteht ein Fenster zu öffnen.
Überhaupt bin ich mir nicht so richtig sicher, ob man einen Nahverkehrszug wirklich mit IC-Geschwindigkeit durch die Landschaft prügeln sollte. Dieses in ungleichmäßigen Abständen auftretende, stark schlagende Geräusch aus dem Verbindungsteil der beiden Zug-Segmente lies mich ein wenig daran zweifeln und hinterließ ein mulmiges Gefühl.

Die Mittelrheinbahn als HKX in Hamburg

Um schließlich nicht alles schlecht zu reden, sei an dieser Stelle erwähnt, dass die Zugbegleiter sehr nette Menschen waren und auch mit den zahlreichen Fahrgästen, die dummerweise mit einem nicht gültigen DB-Ticket eingestiegen waren, sehr freundlich umgingen.

Ich für meinen Teil bin jedenfalls für lange Zeit das letzte Mal mit einem HKX-Zug gefahren. Diese Zeilen entstehen gerade in einem IC der Deutschen Bahn, wo wir sehr bequem alleine in einem Abteil der zweiten Klasse sitzen und mehr als ausreichend Platz haben. Auch wenn ich in Zukunft vermutlich noch oft über die Bahn schimpfen werde, so schlimm kann es eigentlich gar nicht werden.

Das Problem mit den ausfallenden Zügen des Hamburg-Köln-Express scheint schon eine ganze Weile zu bestehen. Auf mein Geheule bei Twitter hin antwortete mir ein Mensch von Handelsblatt, der mich auf einen entsprechenden Artikel von vor ein paar Wochen hinwies. Die dort geschilderten Zustände trafen auch bei uns voll zu. Schade, dass da anscheinend nichts passiert. Man könnte eigentlich sehr viel wirklich besser machen als die Bundesbahn.

Wie sind eure Erfahrungen mit dem HKX?

5 Antworten zu “Mit dem Hamburg-Köln-Express (HKX) nach Hamburg – Eine Erlebnisreise”

  1. Les ich ja jetzt erst … von Bonn nach Hamburg mit der MRB? Meinen Respekt, dass ihr das durchgezogen habt. Das hätte ich NIEMALS gemacht.

    Von Mehlem nach Koblenz reicht mir voll und ganz und das „nur“ eine gute Stunde. Da steig ich lieber um und lauf Gefahr 40min Verspätung zu haben!
    Wenn ich aus dem Ding aussteige dann tut mir generell alles weh. 4,5 Stunden? … das ist mir schon beim Lesen zu viel Horror! :-/

  2. Also ich fahr mindestens einmal im Monat mit dem HKX. Mal nach Köln, mal nach Hamburg. Natürlich bin ich auch mit den Ersatzzug gefahren. Und mich stört es in keinster Weise. Ich kann für wenig Geld von A nach B kommen. Und meine Züge waren immer sauber. Außerdem ist das Personal frundlich, was man bei der deutschen Bahn nicht sagen kann. Die deutsche Bahn ist völlig überteuert, macht jedes Jahr Gewinne, erhöht trotzdem jedes Jahr die Ticketpreise, sind unfreundlich, meistens zu spät und die Toiletten sind eine Zumutung. Wenn ich mit der deutschen Bahn reise und auf Toilette muss, versuch ich es mir zu verkneifen. Wenn es gar nicht geht, muss mein Sterilium dran. Das nehme ich grundsätzlich mit, wenn ich mit der DB reise. Ich hatte auch schon oft Rückstände von Drogen auf der Toilette vorgefunden. Ekelig. Und in einem IC habe ich nicht viel mehr Platz als im HKX. Wenigstens kommen die mit einem Ersatzzug. Bei der deutschen Bahn würde der komplette Zug ausfallen. Wenn ich mit dem HKX irgendwo hin kann, dann benutze ich den auch. Ich sehe nicht ein, der Bahn auf diesen Strecken den Rachen zu füllen. Die Bahn ist eine Unverschämtheit.