Unterwegs in Island, Tag 3: Vík – Das Nichts – Svartifoss

Vík

Nach einem kurzen Frühstück erkunden wir Vík doch noch ein bisschen. Beim Packen zu Hause hat natürlich keiner an Handschuhe gedacht. Nachdem wir im gestern schon besuchten Outdoor-Laden dann welche gekauft haben, geht es ans Meer. Der lange, aus schwarzem Sand bestehende Strand hat schon was für sich. Wir laufen bei ganz okayem Wetter vor bis an die Steilküste. Dort hinauf würde es auch eine schöne Wanderung geben, wir entscheiden uns aber dagegen, da der Wetterbericht sehr wechselhaftes Wetter voraussagt.

Auf dem Rückweg zum Campingplatz decken wir uns mit Snacks und Postkarten ein und nutzen den ausnahmsweise fast leeren Aufenthaltsraum dann noch zum ordentlichen durchspülen all unseres Geschirrs.

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Das Nichts

Es folgt eine längere Etappe im Auto. Zuerst ist die Landschaft noch ganz ansehnlich. Wie üblich: grün, hügelig, ein bisschen karg. Dann kommt eine Mooswüste. Wir halten noch das ein oder andere Mal an und schießen Fotos. Und schließlich: „Das Nichts“. Fräulein Anna wird sich noch eine ganze Weile darüber lustig machen, dass ich über dieses Nichts nicht hinwegkomme und das etwa alle zwei Minuten auch laut aussprechen muss. Aber da ist auch wirklich nichts!

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Am linken Horizont geht es ins Gebirge. Aber bis dahin sind es schon einige Kilometer. Rechts der Straße gibt es einen Horizont. Ganz bestimmt! Vorher ist da aber nur eine grau-schwarze, steinige Fläche. Mitten durch führt uns die Straße, meistens verläuft sie gerade, hin und wieder macht sie aus irgend einem Grund einen Bogen. Mir kommt das alles sehr unwirklich vor. Wahnsinn. Wenn ich die Informationstafel an einem Rastplatz richtig verstehe, dann geht durch die Landschaft im Frühjahr teilweise ein starker Strom aus dem Gebirge. Über die ein oder andere Brücke sind wir tatsächlich auch gefahren. Ich stelle mit schrecken fest, dass die „Kunst“ neben mir der Rest eines Pfeilers einer solchen Brücke ist, die vor einigen Jahren von den Fluten niedergerissen wurde.

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Svartifoss

Irgendwann entdecke ich am Horizont dann etwas grünes: Scheinbar hat Das Nichts dann doch irgendwie ein Ende. Wir biegen von der Ringstraße ab und stehen nach wenigen Minuten auf dem Parkplatz des Besucherzentrums am Skaftafell-Nationalpark. Von dort aus ist es ein etwa 45-minütiger Spaziergang zum Svartifoss, den man von vielen Bildern bereits kennt. Der Weg ist gut ausgebaut und wir haben beim Aufstieg noch einmal einen tollen Blick auf Das Nichts.

Am Wasserfall angekommen verstehe ich auch direkt, warum man ihn schon das ein oder andere Mal sah: Sehr schön eingerahmt in einem kleinen Tal schießt das Wasser herunter. Es ist gar nicht so viel los, ich kann in Ruhe Bilder machen. Dabei wechsele ich mich mit dem asiatischen Spiegelreflex-Opi ab, der den Gegenwert eines Kleinwagens an Fotografie-Ausstattung mit sich herumträgt. Ich ärgere mich das erste Mal, dass ich kein Stativ dabei habe, hier würden sich noch viele schöne Bilder machen lassen.

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Als es anfängt zu tröpfeln, machen wir uns schnell auf den Weg zurück zum Auto. Es ist auch schon später Nachmittag und so langsam wird es Zeit einen Schlafplatz zu suchen.

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Mit unbestimmtem Ziel fahren wir weiter. „Nicht auf einem Campingplatz“ ist unser heutiges Ziel. Nach einigen Kilometern sehen wir in der immer noch recht grauen Einöde einen grünen Fleck. Wie es der Zufall will, führt dort eine mit dem „Wanderparkplatz“-Schild markierte Straße hin. Ein Wohnmobil hat auch schon den Weg hin gefunden. Als wir näher kommen, sehen wir neben einigen flachen Mauern auch noch ein paar Zelte stehen. Um uns herum laufen Schafe. Die flache Mauer stellt sich als Umrandung eines alten Friedhofes heraus, hier war wohl mal eine Siedlung mit Kirche. Die letzte Beerdigung ist aber schon über 150 Jahre her, wie wir den noch vorhandenen Grabsteinen entnehmen.

Nach dem fast schon traditionellen Käsebrot-Abendessen laufen wir noch ein wenig herum. Die Menschen in den Zelten scheinen trotz des frühen Abends schon zu schlafen. Die Schafe sind, entgegen meiner Annahme, sehr scheu. Als ich versuche mich einem der kleinen zu nähern, blökt man mich sehr böse an. Da ich im Gegensatz zu diesem Schaf keine Hörner habe, halte ich lieber ein wenig Abstand.

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