Unterwegs in Island, Tag 5: Höfn í Hornafirði, Stokksnes, ein Wikingerdorf, viel Straße und ein idyllischer Schlafplatz

Höfn í Hornafirði

Nach einem schnellen Frühstück geht es ins Schwimmbad. Der Campingplatzmann hatte uns empfohlen, lieber dort hin zu gehen, als einfach nur eine Dusche zu nehmen. Ein guter Tipp – es ist wirklich lange her, dass ich in einem Schwimmbad war.

Das Schwimmbad hat neben drei Rutschen auch zwei “Hot Tubs” mit 38 bis 40 und 40 bis 42 Grad Wassertemperatur, in denen man sitzen kann. Das ist schon recht heftig. Ich merke, dass mein Kreislauf das nicht so gut findet. Da ist mir das 26 Grad warme Wasser im normalen Becken lieber. Wir plantschen noch ein bisschen und dann geht es wieder auf die Straße.

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Stokksnes

Kurz hinter Höfn fahren wir schon wieder von der Ringstraße ab. Auf der rechten Seite geht über einen Schotterweg eine ganze Weile am Rand eines Berges entlang auf die Landzunge mit dem Namen Stokksnes. Am Ende kommen wir zu einer Landspitze mit Café, wo uns der härteste Wind seit langem erwartet. Das Auto wackelt richtig heftig während wir nachlesen, wo wir eigentlich gelandet sind. Bevor wir aussteigen, parke ich das Auto mit der Front in den Wind. Nun drückt der Wind nicht mehr so gegen das Auto. Ich muss mich allerdings ganz schön gegen die Tür stemmen, um überhaupt aussteigen zu können.

Wir steigen aus und stapfen erst einmal in das Holzhaus, in dem sich das Café befindet. Ein junger Mann erklärt uns, was es hier zu erleben gibt.

Das „Wikingerdorf“

500 ISK “admission” zahlen wir schließlich. Damit haben wir uns das Recht erkauft, um zu einem Filmset laufen zu dürfen und auch an der Spitze der Landzunge die ehemalige amerikanische Radaranlage anzuschauen.

Zuerst einmal packen wir uns aber dick ein und kämpfen uns fast einen Kilometer lang gegen den Wind zum „Wikingerdorf“. Das ist das Set für einen Film mit dem Arbeitstitel „Vikingr“, der ab dem kommenden Jahr angeblich gedreht werden soll. Aus der Ferne sieht das alles sehr authentisch aus, das Dorf liegt sehr idyllisch am Berghang mit toller Aussicht auf das Meer. Ein Bächlein fließt mitten durch.
Aus der Nähe ist es dann schon was anderes: Direkt die erste der Holzhütten ist ganz augenscheinlich nur eine Tarnung für einen Übersee-Container. Der Felsen in der Mitte des Dorfes ist ein Gerüst aus Holz und Pappmaché – wenn man ihn sich von der Rückseite anschaut, entpuppt er sich als Ruine eines aus Beton und Ziegeln gebauten Wohnhauses.

Es macht Spaß, durch die Kulisse zu streunen. Mit ein bisschen Phantasie kann man sich das Dorf auch belebt vorstellen. Da es mal wieder anfängt zu regnen, machen wir uns auf den Rückweg zum Café und beschließen, die Landzunge nicht weiter zu erkunden.

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Nach dem nass-kalten Ausflug ist ein warmer Kaffee vor der Weiterfahrt genau das Richtige. Dabei lernen wir zwei Frauen aus Deutschland kennen, die am Vortrag mit der Fähre angekommen sind und nun in der uns entgegengesetzten Richtung fahren wollen. Wir geben ein paar Tipps und teilen die Aufregung hier unterwegs zu sein.

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Dann geht es weiter. Nachdem wir durch einen Tunnel gefahren sind, schlängelt sich die Ringstraße an der Küste entlang. Es geht auf und ab, mal ist es um uns herum flach, mal führt die Straße mitten durch einen Abhang. Harte Böen erfassen das Auto, einmal setzt es uns fast auf die Gegenfahrbahn. Wir machen Mittagspause an einem Abgrund-Parkplatz. Um uns herum ist es düster und regnerisch, unter uns peitschen die Wellen gegen den Felsen.

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Die Ringstraße schlängelt sich weiter an der Küste entlang. Heute machen wir gut Kilometer, während es relativ wenig zu sehen gibt. Außer Landschaft. Viel Landschaft. Überall.
Wir machen eine kurze Pause in einem kleinen Ort namens Djúpivogur und fahren dann auf einem unbefestigten Teil der Ringstraße weiter. Die Straße führt nun von der Küste weg am Rand einer Bucht entlang. Die Sonne kommt heraus und es ist auf einmal wieder alles sehr malerisch und schön.

Irgendwann stellt sich die Frage: Abkürzung oder nicht? Die Ringstraße würde noch einmal einen großen Bogen an der Küste entlang machen. Irgendwie haben wir da für den Moment genug gesehen. Die Alternative sind einige Kilometer auf einer unbefestigten Nebenstraße mit der schönen Nummer „939“. Ich habe ein paar Bedenken, da mir die Schotterpisten immer nicht ganz geheuer sind. Dennoch: Wir kürzen ab!

Der Weg über die Nebenstraße ist anstrengend zu fahren. Alles sehr holprig und staubig, manchmal geht es steil bergauf und dabei auch noch um enge, nicht einsehbare Kurven. Einige größere Geländewagen finden unsere Geschwindigkeit scheinbar nicht ausreichend und überholen uns, gerne auch mit Anhänger. Es kommen uns allerlei Autos, Wohnmobile und sogar ein Reisebus entgegen. Vielleicht stelle ich mich auch ein bisschen an.

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Unterwegs halten wir noch einmal an, nicht nur weil eine kleine Pause gerade recht kommt: Wir haben in einiger Entfernung zur Straße einen weiteren Wasserfall gesichtet. Die Faszination dafür hat uns noch nicht verlassen. Schnell sind wir ausgestiegen, haben wieder die winddichten Jacken an und die Kameras geschultert.

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Die Sonne scheint nun richtig, während sich die Wolken langsam hinter einen Bergkamm zurückziehen. Der Ausblick belohnt für die anstrengende Gurkerei. Den bisher zurückgelegten Weg auf der Nebenstraße können wir schön überblicken.

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Irgendwann wird es wieder trüber, am Straßenrand sind wieder vermehrt Schneeflecken zu sehen, die schnell zu Feldern werden. Dann treffen wir auch wieder auf die Ringstraße, die an dieser Stelle auch eher in die Kategorie „schön geschottert“ fällt. Direkt nach der Abzweigung halten wir kurz an. Halb im Graben steht ein Auto. Eine junge Frau turnt herum, der Mann versucht derweil wieder auf die Straße zu kommen. Wir müssen aber gar nicht tätig werden, noch während wir auf das Auto zugehen, kommt es schon wieder frei. Total zufällig kommen die beiden auch aus Deutschland, sind ähnlich lange wie wir unterwegs und in der entgegengesetzten Richtung. Und scheinbar war das nicht das erste Vorkommnis dieser Art, wie ich zwischen den Zeilen des Mannes am Steuer heraushöre. Wir tauschen uns kurz aus, dann geht es auch schon weiter.

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Nach einigen weiteren Kilometern ist die Ringstraße dann auch wieder ordentlich geteert und schlagartig wird die Landschaft auch wieder grüner und das Wetter freundlicher. Die Straße führt uns an einem See vorbei. Wir finden auf die schnelle leider keinen Parkplatz, bis wir dann schließlich direkt an der Straße an einem Waldrand landen. Hinter dem Auto fließt ein kleines Bächlein. Richtig idyllisch. Trotz Sonnenschein ist es ziemlich frisch. Ich lese noch eine ganze Weile nach dem Abendessen.

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