Archiv für Monat: Juli 2015

Im Nebel, der Kolugljúfur-Wasserfall und das Robbenmuseum in Hvammstangi

Planung steht an: Die letzten Tage unserer Rundreise wollen zumindest grob vorgeplant sein. Den halben Morgen verbringen wir damit, verschiedene Strecken auf der Karte auszubaldowern und in den Reiseführern nachzulesen, was man noch so erleben kann. Außerdem ist es ganz unterhaltsam, der Familie gegenüber beim Aufbau ihres Vorzeltes am Wohnwagen zuzuschauen. Als wir nach einem späten Frühstück aufbrechen, haben wir zumindest einen groben Plan.

Wir verlassen Sauðárkrókur an seinem nördlichen Ende und nehmen einen kleinen Umweg über das Land in Kauf. Die Strecke hatte uns einer der Reiseführer empfohlen. Zu Beginn ist es leider sehr neblig, so dass wir von der versprochenen Landschaft nicht so viel mitbekommen. Wir nutzen die Gelegenheit und machen ein paar schicke Bilder bei kurzer Sicht. Später klart es dann zum Glück auch ein bisschen auf. Über die Nebenstraße 744 gelangen wir so auf die 74 und landen schließlich auch wieder auf der Ringstraße.

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Der Kolugljúfur-Wasserfall

Nachdem wir wieder ein gutes Stück auf der Ringstraße gefahren sind, biegen wir links auf eine schotterige Nebenstraße ab. Sie hat die Nummer 715 und soll uns zu einem schönen Wasserfall führen. Ja, von denen haben wir immer noch nicht genug.
Nachdem ich am liebsten schon zwei Mal umgekehrt wäre und wir an zwei Kreuzungen mehr oder weniger geraten haben, kommt uns ein Reisebus entgegen, was ja schon immer ein gutes Zeichen ist. Schon knappe 500 Meter weiter tut sich dann neben der Straße eine Schlucht auf, in die der Wasserfall stürzt. Auf dem kleinen Parkplatz stehen nur wenige Autos, es ist schön ruhig.

Über die kleine Schlucht spannt sich eine einspurige Brücke, auf der anderen Seite kann man dann auch ein bisschen runter krabbeln. Heute ist es trocken und vor allem nicht ganz so kalt, ich nehme mir das erst Mal die Zeit das 30er auf die Kamera zu schrauben und mit dem Graufilter einige Aufnahmen zu machen. Dabei werde ich nicht nur beinahe von einem Traktor überfahren, der die Brücke überquert, sondern vergesse auch ein kleines bisschen die Zeit. Als ich zum Auto zurück komme, hat Fräulein Anna schon das Mittagessen vorbereitet. Toll!

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Hvammstangi

Unser Tagesziel ist Hvammstangi. Nachdem wir den dortigen Campingplatz kurz angeschaut haben, fahren wir wieder zurück in die Stadt und besuchen das Robbenmuseum. Die Ecke hier ist nämlich bekannt dafür, dass man bei gutem Wetter viele Robben sehen kann. So gut ist unser Wetter nun gerade nicht und deshalb schauen wir uns das kleine, aber sehr liebevoll gemachte Museum an. Hier wird nicht nur für Erwachsene sehr schön einiges über Robben vermittelt. Man erfährt auf isländisch, englisch und deutsch einiges über die Tiere, ihre Fressgewohnheiten, ihren Lebensraum.

Im Supermarkt direkt nebenan stocken wir unsere Vorräte ein wenig auf und dann geht es wieder zurück zum Campingplatz.

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Der Platz besteht aus zwei große Wiesen neben der kleinen Dorfkirche und einem umzäunten Friedhof. Nachdem unser Auto ordentlich geparkt ist, schauen wir uns kurz nach einem Verwalter um. Den scheint es hier aber wieder nicht permanent zu geben und so kehren wir direkt in den Aufenthaltsraum ein. Heute soll es Nudeln mit Tomatensoße geben, ich freue mich schon eine ganze Weile darauf.

Als wir an die kleine Elektro-Kochstelle kochen, lernen wir „Mutti“ kennen. Sie ist alleine in einem VW-Bus unterwegs und nicht das erste Mal in Island. Während wir uns unterhalten, füllt sich der Raum langsam. Besonders süß finde ich die vier Rentner-Franzosen, die den Tisch mit sehr viel Liebe zum Detail decken. Da wird eine mitgebrachte Tischdecke ausgebreitet und alles ganz ordentlich eingedeckt, während nebenher noch eine Menge Essen vorbeireitet wird. Man will auch auf Reisen scheinbar auf nichts verzichten. Grand-père redet von Brigitte Bardot und summt Lieder vor sich hin.

Nach dem Abendessen bleiben wir einfach sitzen, gucken Leute, essen Chips. Als wir gegen 23 Uhr dann doch langsam ins Bett gehen wollen, kommt noch einmal richtig die tief stehende Sonne raus. Es ist taghell und es fühlt sich super-surreal an, dass man sich nun bettfein macht und in den Schlafsack kriecht.

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Glaumbær und Sauðárkrókur

Es ist davon auszugehen, dass am 1. Juli in Island die Ferien anfangen. Das würde zumindest erklären, warum hier auf dem Campingplatz so viel Trubel ist. Ich bin schon ein bisschen froh, dass wir uns hier wieder vom Acker machen. Beim Zähneputzen kann ich eine französische Reisegruppe beobachten, die mit dem von den Veranstaltern vorbereiteten Frühstück nicht sehr zufrieden zu sein scheint.

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Nachdem wir die Stadt verlassen haben, fahren wir zuerst einmal ein gutes Stück. Das Radio spielt uns Kettcar-Musik. Wir sind guter Dinge und halten das ein oder andere Mal an, um ein paar Bilder zu machen. An einer Weide treffen wir auf einige Pferde, die zuerst ein bisschen schüchtern sind, dann aber ihre Model-Qualitäten entdecken und ihre Mähnen für uns in den Wind halten.

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Glaumbær

Unsere Touristenattraktion des Tages ist die Torf-Farm von Glaumbær. Das ist ein kleines Freilichtmuseum, dass den Hof einer Farm aus dem 19. Jahrhundert darstellt. Die Wände der Häuser sind aus aufeinander geschichtetem Torf, die Dächer hat man aus Holz gefertigt. In einigen
Gebäuden waren Werkstätten, am interessantesten sind aber die durch einen dunklen Gang verbundenen Wohn- und Schlafräume. Sie sind mit viel Liebe zum Detail und vielen Haushaltsgegenständen eingerichtet.

Leider geraten wir mal wieder in eine Touristengruppe, dieses Mal das Model „Deutscher Rentner“ – was, vielleicht auch weil man die Sprache versteht, sehr anstrengend ist. Wir geben den armen Leuten ein bisschen Vorsprung, damit sie nicht so an uns vorbei drängeln müssen.

Das größte Haus der Siedlung ist aus Stein und Holz gebaut und hat sogar zwei Stockwerke. Das ist hier auf dem Land schon ein bisschen selten. Darin sind auch wieder viele Möbel aus alter Zeit ausgestellt. Und mitten drin ein kleines Café. Zum Glück wird ein Tisch bei den “Kaffee Toh Goh aber nicht! Ich setz‘ mich hin!“-Rentnern gerade frei. Wir essen ein leckeres Stück Kuchen nach altem Rezept.

Auf dem Weg zum Auto fällt mir wieder ein etwas eigentümliches Gefährt ins Auge, das ich in der vergangenen Woche schon ein paar Mal sah. Ein sehr roter LKW mitsamt Anhänger. Der Aufbau des Fahrzeugs hat große Fenster, man hat bequeme Sitze eingebaut. Ich spreche den Fahrer darauf an und wir freuen uns darüber, dass wir tatsächlich die gleichen Sehenswürdigkeiten anfahren.

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Sauðárkrókur

Das kleine Küstenstädchen Sauðárkrókur ist unser heutiges Tagesziel. Nach einer kurzen Fahrt über die Nebenstraße 75 kommen wir dort an. Den Campingplatz mitten im Ort haben wir schnell gefunden, es ist eine einfache Wiese der Gemeinde mit einem Sanitärgebäude.

Da es noch früh ist, packen wir uns direkt ordentlich ein und erkunden den Ort ein wenig. Er hat allerdings nicht viel zu bieten. Einfache Häuser, ein kleiner Fischerhafen. Neben der Kirche gibt es einen kleinen Pfad, der nach oben oben auf einen Hügel führt. Dort befindet sich der Friedhof der Stadt. Man hat eine schöne Aussicht über den Ort. Wieder unten streifen wir auf der Suche nach einem Supermarkt durch den Ort. Schließlich finden wir den auch, decken uns mit Schinken, Brot und allerlei Snacks ein, überraschen das ältere deutsche Paar mit einem freundlichen „Guten Abend!“ und dann laufen wir bei einsetzendem Regen zum Auto.

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Während des Abendessens kommt die Platzwächterin. Das recht junge Mädel betreut im Auftrag der Gemeinde gleich mehrere Campingplätze und fährt diese Morgens und Abends ab, schaut nach dem Rechten und kassiert ab. Sie ist sehr freundlich und freut sich ein paar Worte Deutsch sprechen zu können.