Eine Küstenwanderung und Mitternachtssonne in Ramberg

Unstad

Ich bin mal gespannt wann die coolen Jungs hier auf dem Campingplatz die Fistbump der Erkenntnis trifft, dass sie in ihr hippes Waschhaus, Modell „one entrance for people with wetsuits, one entrance for the others“, besser mal mehr als ein Waschbecken und ein Klo im selben Kämmerchen eingebaut hätten. Was nutzt mir der viele Platz zum Duschen, wenn beim Zähneputzen alle in die zwei Quadratmeter große Klokabine drängen? Obwohl der Platz echt leer ist und heute Morgen nicht viel los war, gab es einiges hin und her. Wir haben das französische Mädel neben uns schon seit gestern Abend im Verdacht, eine YouTuberin zu sein. Sie springt ständig mit Kamera und Stativ herum, ein MacBook hat sie auch dauernd am Wickel. Ihr armer Freund muss ständig für sie Filmen und Fotos machen. Eine kurze Internet-Recherche macht uns allerdings nicht schlauer.

Als es gegen Mittag aufklart, machen wir uns ausgefertig und wandern Richtung Eggum. Mal schauen wie weit wir kommen. An dieser Stelle wechsele ich das erste Mal die Speicherkarte in der Kamera. Gut 600 Bilder sind gemacht!

Eine kleine Küstenwanderung

Ein Schaf schubbert sich.

Der Schotterweg beginnt bei einem Parkplatz am Strand und führt langsam den Berg hinauf. Links und rechts Weiden Schafe. Nach einer Weile wird der Weg dann schmaler und führt als Trampelpfad im Hang an der Küste entlang. Hin und wieder hat man Ketten zwischen Pfosten gespannt, an denen wir uns entlang hangeln. Höhenangst-Martin ist das ein oder andere Mal nicht so wohl dabei. Es braucht schon ein wenig Geschick, zum einen den Weg zu treffen, dabei aber nicht in Schafskacke zu steigen.

Nach einiger Zeit kommen wir an einem kleinen Leuchturm an. Der wird von einigen Schafen belagert, mit denen wir eine ausführliche Fotosession veranstalten. Vor allem die kleinen Schafe lassen sich gerne von uns ablichten. Wir wandern noch ein Stück weiter, es geht hinunter bis auf fast Meeresniveau. Als wir dort eine kleine Pause machen, fängt es an zu tröpfeln und wir beschließen den Heimweg anzutreten. Es ist auch schon Nachmittag und wir wollen noch tanken, einkaufen und ein gutes Stück fahren.

Blaues Fenster an rotem Haus.
Lofoten-Berge und Meer.

Kaum am Campingplatz zurück, düsen wir nach einer kurzen Pause auch los. Nach dem Ortsausgangstunnel halten wir noch einmal kurz an um das Nachbartal zu fotografieren, fahren dann aber endlich auch ein gutes Stück bis zur nächsten Stadt, die auf den Namen Leknes hört. Dort decken wir uns mit neuen Vorräten ein und schauen, wo wir heute so landen könnten. War es eben im Landesinneren ein wenig grau und bedeckt, kommt als wir an die Küste zurückkommen doch direkt wieder die Sonne heraus. Mit vielen anderen Menschen stehen wir auf einem Parkplatz und bewundern den schönen Strand vor uns. Da man hier wegen der nahen Campingplätze nicht übernachten darf, fahren wir noch ein Stück weiter.

Ein Wohnmobil vor dunklen Wolken.
Steine und Meer.

Mitternachtssonne in Ramberg

Man merkt, dass wir heute spät an sind. Es ist schon nach 18 Uhr und viele Plätze am Wegesrand sind schon belegt. So checken wir am Ende einfach auf dem Campingplatz in Ramberg ein. Auf einer Wiese kommen wir neben einer netten polnischen Familie zum Stehen. Unser Abendessen bereiten wir in der Gemeinschaftsküche zu, wo wir auf die üblichen deutschen Rentner stoßen und unsere Stellplatz-Nachbarn auch gerade kochen. Das Häuschen mit der Küche, dem holzgetäfelten Aufenthaltsraum und den sanitären Anlagen wurde garantiert aus den Achtzigern importiert.

Rote Häuser am Strand, Berge im Hintergrund.
Ein Strand in der Abenddämmerung.

Nach dem Abendessen gibt es noch einen kleinen Verdauungsspaziergang am Strand. Obwohl es heute nicht deutlich wärmer ist als gestern, ist es doch viel angenehmer draussen. Fräulein Anna beobachtet eine Möwe die sich eine kleine Krabbe aus dem Meer fängt. Normalerweise endet unser Tag nun immer recht gemütlich im Auto, aber heute müssen wir nochmal raus: Mitternachtssonne!
Statt ins Waschhaus zu gehen und mir die Zähne zu putzen, schnappe ich mir nochmals Stativ und Kamera und ziehe an den Strand. Dort steht die Sonne auch um Mitternacht noch eine Handbreit über dem Horizont. Das wirft bei annähernd wolkenlosem Himmel ein tolles Licht auf die Bucht. Ich bin natürlich nicht der Einzige, der sich dieses Spektakel nicht entgehen lässt. Dass es lange hell ist oder nicht richtig dunkel wird, kennen wir ja schon von unserer Tour durch Island. So wie heute haben wir das aber noch nicht erlebt.

Auf den Lofoten

Den Sommer des Jahres 2016 verbringen Fräulein Anna und ich zumindest zum Teil in einem Campingbus und machen damit die Halbinsel im Norden Norwegens unsicher. Dies ist unser kleiner Reisebericht.