Archiv für Monat: Juni 2016

Wikingermuseum Borg und Unstad


Der Morgen ist stürmisch, aber weitestgehend trocken. Wir trödeln ordentlich mit dem Aufstehen, dem Frühstück, dem Losfahren. Ich verstehe nicht, warum mir das Wetter so auf die Motivation schlägt. Ein kurzer Stopp an einem Aussichtspunkt kurz vor dem Örtchen Borg gibt uns einen schönen Blick über die Landschaft.

Ein Wohnmobil vor der Landschaft.
Blick auf die Wolkenbehangenen Lofoten.

Wikingermuseum Borg

Heute wollen wir uns vor allem das Wikingermuseum anschauen. Es stürmt immer noch ganz schön als wir dort ankommen und ganz am Ende des Parkplatzes noch eine Parklücke findne. Ich packe mich ordentlich ein. Und dann direkt wieder aus, denn der erste Teil des Museumsbesuchs findet im Haus statt. Mit Hilfe eine Audioguides lernen wir einiges über die Anlage, die Funde, aber auch die Wikinger selbst. Dummerweise geraten wir in einen Bus voller Rentner, das macht den Rundgang ein wenig anstrengend. Ein Teil der Ausstellung ist eine Filmvorführung, in der die Geschichte einer Frau erzählt wird, die hier wohnte. Dieser Teil der Veranstaltung ist schon mal sehr unterhaltsam.

Ein Schwein in seinem Gehege.

Weiter geht es draußen: Dort stapfen wir durch den Nachbau des hiesigen Gebäudes und profitieren diesmal von der Reisegruppe: Sie bekommt eine Führung auf deutsch der wir gern zuhören. Das Gebäude ist schön aufgemacht. Menschen in Wikingerkleidung erklären einem Dinge und man kann alles anfassen und Helme aufziehen.

Dann steht uns ein kleiner Fußmarsch bevor: Gut einen Kilometer ist es bis zum Wikingerschiff, dass man an einem nahegelegenen See besichtigen kann. Der kurze Spaziergang macht Spaß. Kurz vor dem Ziel werden wir am Wegesrand abgelenkt und üben uns im Bogenschießen und Axtwerfen. Ich kann beides ziemlich gut. Das Schiff ist dann ein kleines bisschen unspektakulär, wie es da am See liegt. Normalerweise kann man wohl auch mit Gruppen losrudern, das Wetter lässt das aber heute nicht zu. Schade!

Nachdem wir noch ein wenig im Free WIFI rumgehangen haben, geht es weiter zu unserem Tagesziel. Eigentlich wollten wir zu einem Stellplatz nach Eggum, entscheiden uns aber um und steuern statt dessen einen Campingplatz in Unstad an. Der überzeugt auf dem Flyer durch seinen Hipster-Style und unsere für morgen geplante Wanderung lässt sich von dort aus auch angehen.

Nach einigen Kilometern auf einer schmalen Straße kommen wir durch einen Tunnel und dann sehen wir vor uns plötzlich das Tal und die Bucht im Sonnenschein. Top!

Unstad

Lofoten-Strand-Panorama.

Der Campingplatz ist an eine Surfschule angeschlossen und alles recht neu. Der hippe Surfer-Boy weißt uns ein, wir parken und spazieren erst einmal zum Strand. Dort beobachten wir einige Surfer, die in ihren Taucheranzügen sichtlich Spaß mit den Wellen haben. Der Ort an sich ist, das sehen wir auf dem Rückweg, sehr klein aber malerisch.

Zurück auf dem Platz machen wir uns als Abendessen. Im geräumigen Koch- und Aufenthaltsraum treffen wir auf Vater und Sohn aus Deutschland, die mit Auto und Zelt unterwegs sind. Sie waren schon ganz im Süden und geben uns einige Tipps. Ich freue mich, mal ein bisschen zu quatschen.

Ein Pferd.

Ørsvågvær, Vågan Kirke und Henningsvær

Ørsvågvær i Lofoten

Der neue Tag begrüßt uns mit grauen Wolken. Es ist frisch. Obwohl ich noch recht lange gelesen habe, zwinge ich mich zum zeitigen Aufstehen. Während Fräulein Anna duschen geht, stelle ich Teewasser auf und die Standheizung an. Meine Dusche anschließend ist leider nicht so prima wie die am gestrigen Abend, das Wasser will nicht richtig warm werden. Beim Frühstück werde ich vielleicht ein bisschen seekrank, weil ich aus dem Augenwinkel die ganze Zeit das Wasser neben uns in Bewegung sehe. Ein komisches Gefühl. Bevor wir losfahren springe ich noch einmal aus dem Auto, schnappe mir das Stativ und mache eines der Bilder von gestern noch einmal. Mit ein bisschen Glück habe ich heute eine schönere Farbe im Wasser.

Eine Insel mit Gebäuden.

Vågan Kirke in Kabelvåg

Eine Kirche aus Holz vor grauem Himmel.

Zunächst fahren wir dann nochmal ein paar Kilometer zurück. Wir wollen noch einen Blick auf die “Lofoten-Kathedrale” werfen. Diese große Kirche ist aus Holz gebaut. Wir drehen eine Runde um das Gebäude, den Eintritt ist es uns nicht wert.

Henningsvær

Statt dessen fahren wir ein Stückchen weiter auf eine kleine vorgelagerte Insel. Dort liegt das Örtchen Henningsvær. Nachdem wir von der E10 abgebogen sind, geht es wieder über eine schmale Küstenstraße. Zum Glück haben wir den Reisebus hinter uns, es kommt keiner entgegen. Mir sind die Straßen immer ein bisschen zu eng hier. Nachdem wir über zwei dieser abgefahrenen Bogenbrücken gefahren sind, halten wir uns an den Tipp des Reiseführers und parken direkt am Ortsrand auf dem großen Platz. Dort stehen ziemlich viele Wohnmobile und Busse. Tourismus!

Ein rotes Holzhaus.

Draußen ist es immer noch grau und es stürmt ordentlich. Wir packen und dick ein bevor wir aus dem Wägelchen steigen. Dann geht es zu einer ausführlichen Erkundung des Örtchens. Das machen neben uns eine Menge anderer Leute. Wir drehen eine halbe Runde über die Insel, denn die ist U-Förmig. Dabei schauen wir in ein paar Läden hinein. Ein Fotograf verkauft ziemlich schicke Bilder der Gegend.

Schließlich landen wir noch ein einer Kunstaustellung in der KaviarFactory. Exponate von Frauen aus verschiedenen Ländern werden hier gezeigt. Das ist zum Teil sehr schöner Kram, zum Teil aber auch ein bisschen verstörend. Das Gebäude gefällt mir auf jeden Fall ziemlich gut. Aus einem Fenster kann man direkt auf die stürmische See direkt unter einem schauen.

KaviarFactory.

Als der Magen anfängt zu knurren, kehren wir in einem kleinen Café bei der örtlichen Kletterschule ein. Es gibt eine ziemlich leckere Fischsuppe. Die wärmt schön von innen, wir sitzen eine ganze Weile dort. Dann geht es zurück zum Auto, wir wollen uns langsam auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz machen.

Eine Straße.

Während wir langsam weiter südwärts tuckern, wird der Wind immer stärker und böiger. Manchmal schlägt es richtig gegen das Wägelchen. Das macht es nicht besser, wenn wir eine der hohen Bogenbrücken, die für die Gegend typisch sind, überqueren. Vor einer halten wir an und machen ein paar Fotos. Dabei kommen wir kurz mit einem Radfahrer ins Gespräch, der uns von seiner Fahr im Gegenwind erzählt. Währenddessen fängt es an zu regnen.

Eine Sehenswürdigkeit wollen wir noch mitnehmen, bevor es ins Nachtlager geht. Deshalb fahren wir an einem Vogelbeobachtungspunkt an und besteigen den kleinen Turm. Der stellt sich allerdings als ziemlich langweilig heraus, wir sitzen ganz schnell wieder im Auto.

Auf der Seitenstraße der E10 die nach Vestersand führt, finden wir direkt am Ufer eines Sees einen Platz zum Bleiben. Inzwischen regnet es in Strömen. Wir machen die Standheizung an, kochen Abendessen, spielen und lesen. Fräulein Anna gewinnt und ich mime den schlechten Verlierer.

Svolvær, Tjeldbergtinden und Ørsvågvær

Nach einer eher mäßigen Nacht soll es heute nach Svolvær gehen. In der Hauptstadt der Lofoten wollen wir nochmal ordentlich einkaufen und uns vielleicht auch die Stadt ein wenig ansehen. Ich bin jedenfalls ziemlich gerädert. Aber noch davor halten wir unterwegs an einem Aussichtspunkt an, der ziemlich beliebt zu sein scheint. Auf dem Parkplatz ist eine Menge los, Opi drängelt sich mit seinem Kleinwagen vor mir in die letzte Parklücke. Ich überlege ihn einfach in den Fjord zu rammen. Das gute Wetter, der frische Wind und die gute Aussicht lassen mich aber dann schnell wieder entspannen.

Aussichtspunkt Lofoten

Schließlich landen wir dann in Svolvær. Der Einkauf gerät uns dann irgendwie sehr stressig. Auf einmal stehen wir in einem Einkaufszentrum und vielleicht ist das alles auf einmal ein bisschen viel. Dennoch schaffen wir es den Einkaufswagen ordentlich voll zu machen. Über das Wochenende werden wir jedenfalls nicht verhungern.
Unsere Mittagspause verbringen wir nach einem kleinen und unmotivierten Rundgang am Fährhafen, wo wir den Autos zuschauen, die sich schön brav in Reih und Glied für die nächste Fähre anstellen.

Und dann stand da ja auch noch eine Wanderung heute auf dem Programm. Der Tjeldbergtinden ist unser Ziel. Kurz nach der Stadtgrenze fahren wir schon wieder von der Straße und stellen das Auto ab. Fluchs haben wir die Wanderhosen an und die festen Schuhe an den Füßen. Los geht’s! Fünf Minuten später kommen wir wieder an unserem Wägelchen vorbei. Voller Elan sind wir den falschen Weg losgelaufen und (glücklicherweise) nach wenigen Minuten in einer Sackgasse gelandet.

Nun der richtige Weg: Die ersten 20 Minuten der Strecke sind dann auch flott marschiert, es geht auch einem breiten Schotterweg bergan. Dann biegt der Weg aber ab in ein kleines Wäldchen und auf einmal stehen wir auf einem Trampelpfad mitten im Steilhang. Ich. Hasse. Jeden. Schritt.

Irgendwann stehen wir dann aber auch oben auf dem Kamm und stehen vor der Entscheidung, ob wir auf den richtigen Gipfel wollen oder lieber nach vorne an die Spitze des Berges. Wir entscheiden uns für letzteres. Dort angekommen schlägt dann auch gleich Höhenangst-Martin zu: Vor uns geht es steil nach unten bis auf Meereshöhe. Die Aussicht ist wieder grandios, wir sitzen eine ganze Weile auf den Steinen uns schauen den kleinen Booten zu – und der großen Autofähre.

Svolvær Tjeldbergtinden Aussicht
Svolvær Tjeldbergtinden Gipfelbuch
Svolvær Tjeldbergtinden Aussicht
Svolvær Tjeldbergtinden Bucht

Nach einiger Zeit machen wir uns wieder auf den Abstieg. Unterwegs kommen uns noch einige Menschen entgegen, einige sehen so aus als würden sie öfter den Berg hochlaufen, nicht umsonst waren uns wohl ein paar Namen im Gipfelbuch mehrmals untergekommen.

Ørsvågvær i Lofoten

Bis zu unserem heutigen Tagesziel, dem Sandvika-Campingplatz in Ørsvågvær ist es nicht weit. Dort haben wir schnell unsere Gebühr bezahlt, bevor wir dann lernen wie man die verschiedenen Wasser und Klärtanks des Wägelchens leert. Eine nicht sehr angenehme Arbeit, die aber dennoch schneller von der Hand geht als gedacht.

Anschließend lernen wir das „Handtuch rauslegen“ des Campers kennen: An einer sehr schönen Stelle steht ein Klappstuhl, an dem jemand einen der Nummerzettel befestigt hat. Ich lasse mich davon wenig beeindrucken, da werden schon auch zwei Autos hinpassen! Während ich dusche bereitet Fräulein Anna das Abendessen vor. Mahlzeit!

Das „Free WIFI“ ist wieder einmal eher eine Enttäuschung. Ich baue mir den Fotoapparat neben dem Wägelchen auf, denn wir haben eine ziemlich großartige Aussicht auf eine kleine Landspitze mit einem Häuschen drauf. Im Hintergrund hängen wunderbar die Wolken auf den hohen Bergen. Aber irgendwie soll es heute nicht sein, ich bin mit dem Ergebnis unzufrieden. Da bleibt nur eins: Buch raus und gemütlich machen.

Ørsvågvær Camping Fototour
Ørsvågvær Camping Wolkenberge
Ørsvågvær Camping Wolkenberge

So richtig hält es mich dann aber doch nicht im Wagen. Als ich sehe wie die Sonne zumindest hinter den dicken Wolken in den Bergen verschwindet, packe ich noch einmal Kamera und Stativ und drehe eine weitere Runde um den Campingplatz. Dabei begegne ich einem Renter, der aus einem Wohnmobil mit Bonner Kennzeichen steigt. Wir unterhalten uns kurz und erkunden eine Ecke des Campingplatzes die gerade noch ausgebaut wird. Ein bisschen gruselig ist es dort: Ein wenig abgelegen und still, zwischen hohen Felsen. An einigen Stellen hat man auch einen schönen Blick auf das offene Meer. „Hier kann man die Hurtigruten-Schiffe sehen, sie begegnen sich dort draußen und hupen sich zu.“ wird mit erklärt. Und ich weiß dann auch, was das Gedröhne am Abend war. Die kleine Halbinsel in der Bucht mit den beiden Häusern ist ein willkommenes Fotomotiv.

Sonnenuntergang Haus am See
Langzeitbelichtung Haus am See
Langzeitbelichtung Häuser am See

Mittlerweile ist es schon 23 Uhr, ich bin aus irgend einem Grund hell wach und deshalb übe ich meine Geduld noch bei ein paar Langzeitbelichtungen mit dem Graufilter. Und dann geht es wirklich ins Bett.

Die Stortinden-Besteigung mit Panoramablick

Träges aufstehen, dabei ist es draußen sogar ganz schön. Irgendwann düsen wir los, heute soll unser erster Gipfel gestürmt werden. Nachdem wir eine Weile der E10 zwischen den Bergen hindurch gefolgt sind, fahren wir in schneller Folge durch drei Tunnel. Der längste davon ist sechseinhalb Kilometer lang!

Direkt vor dem offiziellen Beginn der Lofoten biegen wir ab und folgen etwa fünfunzwanzig Kilometer einer schmalen Küstenstraße. Sie trägt die Nummer 868. Man hat eine tolle Aussicht auf dem Fjord. Natürlich halten wir auch mal an und fotografieren. Außerdem läuft testweise auch die GoPro mit, wir haben immer noch so ein bisschen einen Urlaubsfilm im Hinterkopf.

Lofoten Fjord

Schließlich kommen wir an der Spitze der Halbinsel an. Hier stehen ein paar Häuser zu einem kleinen Ort zusammen. Wir parken das Auto am Fuß von Stortinden. Ein netter Wiesenbesitzer stellt dort seinen Grund als Parkplatz zur Verfügung. Wir machen kurz Mittag, schnallen uns dann die Wanderschuhe an die Füße und laufen los.

Lofoten Parkplatz

Bergauf zu laufen ist ganz schön anstrengend! Schon bald hängt meine Windjacke nur noch am Rucksack, die Sonne ist nämlich inzwischen auch rausgekommen und scheint ganz schön los. Es ist fast wolkenlos. Obwohl ich eigentlich ja ganz gut zu Fuß bin, strengt mich die Bergbesteigung wirklich wirklich an. Nach einer Dreiviertelstunde, was wir als die Hälfte des Weges interpretieren, kommen wir an einem Briefkasten vorbei, in dem ein Gipfelbuch liegt. Ein bisschen komisch, denn links und rechts geht es noch ordentlich hoch. Wir tragen uns dennoch ein und sind schon die zweiten für heute. Dann geht es links den Pfad hoch, immer weiter Richtung Stortinden.

Sehr anstrengende fünfundvierzig Minuten später stehen wir wieder an einem Schild. „Stortinden 1,5km“ steht da drauf. Da hatten wir schon mit was anderem und vor allem weniger gerechnet. Andererseits haben wir auf der letzten Etappe auch eher Höhenmeter geschrubbt. Nach links gäbe es in etwa fünfhundert Metern auch einen Aussichtspunkt. Aber wir haben uns etwas anderes vorgenommen und so ziehen wir nach einer ausführlichen Fotopause los.

Lofoten Stortinden Panorama

Da es jetzt nicht mehr so viel hoch geht, kommen wir gut voran. An einigen Stellen ist mir ein wenig mulmig, geht es doch recht steil links und rechts des Weges hinunter. Bald sind wir dann aber auch am Gipfel angekommen. Hier hat sich außer uns heute noch niemand eingetragen! Der Aufstieg hat sich auf jeden Fall gelohnt, die Aussicht und der Rundumblick sind großartig.

Lofoten Stortinden Panorama

Wir machen eine ausführliche Fotosession mit der Landschaft, erst als die Sonne hinter einer größeren Wolkendecke verschwindet, geht es für uns auf den Rückweg. Tatsächlich ist es jetzt erst mal auch wieder recht kühl. Abwärts geht es schneller als hoch, auch wenn es fast genau so anstrengend ist und auf jeden Fall mehr Konzentration erfordert. Umknicken will ja keiner! Hatten wir für den Aufstieg gute zwei Stunden gebraucht, schaffen wir es hinunter in einer. Es treibt uns auch ein kleines bisschen der Hunger an, unser Mittagssnack war wohl einfach nicht genug und außer ein wenig Schokolade hatten wir nichts zu essen dabei. Das passiert uns auch nicht nochmal.

Lofoten: Campervan vor Sonnenuntergang

Am Auto angekommen gibt es also erst einmal was zu essen. Dann fahren wir wieder ein Stück zurück und begeben uns auf die Suche nach einem Stellplatz für die Nacht. Nachdem wir diese schreckliche Schotterpiste an der Landspitze hinter uns haben, kommen wir bald an einigen Einbuchtungen am Straßenrand vorbei. Wir entscheiden uns für eine mit ordentlichem Seeblick. Der Ausblick ist ganz grandios, so dass ich den halben Abend einfach nur auf das Wasser starre.

Lofoten Schiff Fjord

Unterwegs auf der E10, Camping am Gullesfjord

Die erste Nacht in unserem neuen Heim haben wir überstanden. Ich habe gut geschlafen, nur über die Kopfkissen-Situation muss ich mir noch ein paar Gedanken machen. Es war jedenfalls eine gute Entscheidung, dass wir die guten Schlafsäcke mitgebracht haben. Es ist doch recht frisch.

Ziemlich angenehm ist die Wohnmobil-Geschichte: Aufstehen, frühstücken, waschen, ohne auch nur einmal das Fahrzeug zu verlassen.

So ein richtiges Ziel haben wir heute auch noch nicht bestimmt. Erst Mal geht es immer weiter auf der E10. Das Wetter ist zuerst wechselhaft, dann kommt die Sonne richtig raus und der Himmel wird blau. Wir halten nicht nur ein Mal an und genießen die unterschiedlichen Aussichten eine Weile. Ganz nebenbei erstehen wir unterwegs auch eine Landkarte, jetzt kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

Eine der typischen Bogenbrücken auf den Lofoten.

Am frühen Nachmittag kommen wir auf unserem heutigen Ziel, dem Campingplatz am Gullesfjord an. Da man dort gerade Mittag macht, gibt es für uns erst einmal Käsebrote auf dem Parkplatz. Anschließend checken wir ein. Ungefähr 25 Euro kostet die Übernachtung, Strom inklusive.

Nachdem unser Wägelchen mit Seeblick zwischen anderen Wohngefährten geparkt ist und wir ein bisschen klargekommen sind, muss noch ein bisschen Bewegung her. Wir folgen dem Tipp des Campingplatzmenschen und laufen über einen Trampelpfad den Berg hinauf. Die Sonne scheint ein bisschen, prima! Schon bald hören wir es rauschen: Hier ist auch ein Gebirgsbach unterwegs. Der Weg folgt diesem mehr oder weniger. Es geht mäßig bergauf. Nach einer Dreiviertelstunde kommen wir an einem hübschen See heraus, in dessen Hintergrund ein Wasserfall abgeht. Voll gut, dass Fräulein Anna noch ein bisschen weiter gelaufen war, nachdem ich schon ein bisschen weiter vorne zum Fotografieren angehalten hatte. Schade, dass es genau jetzt anfangen muss zu tröpfeln. Wir machen uns schon bald auf den Heimweg.

Den Abend verbringen wir zuerst einmal in der Kochhütte Campingplatzes. Ich spüle unser Geschirr einmal komplett durch während Fräulein Anna kocht. Unsere erste Bekanntschaft ist eine junge Frau aus Deutschland, die mit Hund und Kombi einmal zum Nordkap und zurück fährt. Nach dem Abendessen kommt tatsächlich die Sonne wieder heraus und ich drehe bei wunderbar blauem Himmel noch eine Runde über den Platz.

Der Plan sah eigentlich vor, dass ich dann an einem der großen Tische im Café die Karte für die nächsten Tage vorbereite. Das dort laufende Fußballspiel nervt mich allerdings so sehr, dass ich die Arbeit lieber in das Wägelchen verlege. Dort auf dem Tisch ist auch genug Platz. Allerlei Wandertouren und Sehenswürdigkeiten landen als Markierung auf der Landkarte, damit wir so unsere Strecke ein wenig besser planen können.

Der erste Tag auf der Straße

Tromsø. Einigermaßen ausgeschlafen und frisch geduscht sitzen wir pünktlich beim Hotelfrühstück. Wir lassen uns Zeit, denn den Vormittag über haben wir nichts zu tun, das Wägelchen können wir erst am Mittag abholen. Tromsø müssen wir auch nicht unbedingt erkunden, hier werden wir am Ende unserer Reise ja noch einmal ein paar Tage verbringen.

Ich stapfe noch einmal in die Stadt um ein paar Kleinigkeiten zu kaufen und bin positiv überrascht: Es ist zwar genau so hell draussen wie zwölf Stunden zuvor, aber tagsüber ist es viel voller und dementsprechend auch deutlich freundlicher draußen. An das immer helle Wetter muss ich mich aber noch gewöhnen. Ich erinnere mich noch gut an unsere Reise durch Island, das hat letztes Jahr auch ein bisschen gebraucht.

Beim Auschecken bestellen wir uns ein Taxi, was uns dann auch flott zum Wohnmobil-Verleih etwas außerhalb der Stadt bringt. Eigentlich hatten wir den Bus nehmen wollen, der fährt aber leider sehr ungünstig und wir konnten auch nicht so richtig rausfinden, wo er hält.

Es ist nicht schlimm, dass wir ein bisschen vor der vereinbarten Zeit da sind, das Wägelchen steht schon bereit. Der sehr nette Mensch von der Autovermietung scheint uns ein wenig zu bedauern, dass wir nur ein „small car“ gemietet haben. Wir finden die das Auto ausreichend groß. Auf Basis eines Fiat-Transporters finden wir ein komplett ausgestattetes Wohnmobil vor: Es gibt Tisch und Bank, einen zweiflammigen Herd, eine Schlafgelegenheit in vernünftiger Größe und eine Toilette. Das ist alles ganz super, wir erinnern uns immer gerne mit ein bisschen Schrecken an dem kleinen Wagen im letzten Jahr zurück. Das Auto ist gut in Schuss, fast wie neu.

Wir bekommen allerlei rund um Strom, Wasser, Toiletten und Standheizungen erklärt und ich hoffe wirklich, dass ich da nichts durcheinander bringen werde. An den verschiedensten Stellen gibt es Schalter und Regler und das Gas muss man vor Fahrtantritt auch immer wieder hinten abdrehen. Das Ganze geht schneller von statten als gedacht und so sind weit schon um halb 2 auf der Straße und fahren Richtung Süden. Die Lofoten rufen.

Ich habe mich schon nach wenigen Kilometern weitestgehend an das Auto gewöhnt. Dass man in Norwegen scheinbar sowieso nur maximal neunzig fährt, kommt mir sehr zugegen. Wir haben Urlaub und Zeit, da muss man sich ja auch nicht hetzen.

Ein bisschen später machen wir dann auch unseren ersten Halt. Es wird jetzt wirklich Zeit für ein Mittagessen. Ich probiere direkt die Spezialfunktion des Fahrersitzes aus, man kann ihn um 180° drehen und hat so einen bequemen Sitzplatz am Tisch. Wir nutzen den Stop außerdem um uns ein bisschen einzurichten und dem Radio beizubringen die Musik von unseren Telefonen abzuspielen. Jetzt kann es richtig losgehen.

Bei nächstmöglicher Gelegenheit, dem Örtchen Nordkjosbotn, springen wir in einen Supermarkt und decken und mit Chips und Cola ein. Und ein paar anderen Dingen, klar. Unsere fahrbare Kochgelegenheit wollen wir natürlich auch nutzen. Eine gescheite Landkarte finden wir hier leider nicht. So sind wir schnell wieder auf der Straße.

Links und rechts der Straße sind hohe, schneebedeckte Berge zu sehen. Es regnet mal mehr und mal weniger. Mich erinnert das alles sehr stark an unseren letzten Urlaub. Das ist nichts schlechtes. Wir haben uns schon bald dazu entschieden, heute noch ein gutes Stück zu fahren. Mit maximal neunzig Kilometern in der Stunde, was ich sehr entspannt finde, düsen wir gen Süden auf der E6. Es ist nicht mal besonders viel los, es ist entspanntes Fahren und ich kann mich in aller Ruhe umschauen und die Landschaft genießen.

In dem Örtchen Bjerkvik stoßen frontal das erste Mal richtig auf einen Fjord. In dem Kreisel biegen wir dann auf die E10, nach rechts herum ist “Å i Lofoten”, die Stadt ganz im Süden der Inselgruppe ausgeschildert.

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Nach wenigen Kilometern halten wir an einem der zahlreichen Parkplätze am Wegesrand an. Hier steht eine Informationstafel über die Besetzung und Befreiung Narviks im zweiten Weltkrieg. An einigen Stellen entlang des Weges wird hier an die Ereignisse erinnert. Der Platz direkt an der Straße ist nicht ausreichend hübsch und es donnern dauernd LKW vorbei. Hier wollen wir noch nicht bleiben.

Nur einen Tunnel später ist die Straße auf einmal trocken und die Sonne kommt ein bisschen hervor. Wir werten das als gutes Omen. Wenige Kilometer später steht schon ein kleiner Camper auf einem Parkplatz bei einem See. Wir stellen uns spontan dazu und beschließen für heute den Feierabend.

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Während ich zuerst einmal zum ersten Mal die Fotoausrüstung an den Start bringe, kocht Fräulein Anna uns ein Abendessen, anschließend richten wir uns ordentlich ein. Das Wägelchen hat einige kleine Schränke und Schubladen, so müssen wir nicht die ganze Zeit aus den Rucksäcken leben. Die verstauen wir einfach unter dem Bett, wo sie uns nicht im Weg sein werden.

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Nach einem kurzen Spaziergang lassen wir den Tag mit Blick auf den See ausklingen. So kann es bleiben!

Düsseldorf, Kopenhagen, Oslo, Tromsø

Los geht’s! Die Lofoten rufen! Heute fliegen wir aber erst mal nach Tromsø.

Um uns die Sache aber nicht zu leicht zu machen, wechseln wir unterwegs zwei Mal den Flieger. Das ist ein bisschen doof, war aber die bessere Alternative, nachdem unser ursprünglicher Flugplan mit einem Umstieg so weit nach hinten verschoben wurde, dass wir erst nach Mitternacht an unserem Zielort angekommen wären. Unsere erste Etappe legen wir natürlich mit dem Zug zurück. In Düsseldorf wollen wir in den ersten Flieger steigen.

Düsseldorf

In Düsseldorf treffen wir direkt am Bahnsteig erst einmal auf eine Bande musikalischer Piraten, die uns auch in der kleinen Flughafenbahn zum Terminal begleiten. Musikalische Piraten sind Menschen, die sich als Piraten verkleidet haben, ein bisschen so riechen als wären sie auf einem längeren Segeltörn gewesen und Musikinstrumente mit sich herumtragen. Auch eine Art und Weise, Aufmerksamkeit zu erregen. Kurz darauf steht die Truppe dann auch vor uns bei der SAS-Gepäckaufgabe, man scheint uns bis Kopenhagen zu begleiten. Anhand eines Aufklebers auf einem Instrumentenkoffer identifizieren wir die Piraten als „Ye Banished Privateers“ und finden heraus, dass sie am Wochenende in Dortmund gespielt haben.

Das Gepäck ist dann schnell aufgegeben. Annas Rucksack muss zum Sperrgepäck. Mein baugleiches Modell nicht. Für mein zu schweres Handgepäck interessiert sich niemand.

Bei der Sicherheitskontrolle verliere ich das Schlangen-Wettrennen, Fräulein Anna darf vor mir durch den Metalldetektor. Dafür wird an meinem Handgepäcks-Rucksack extra-gut gefilzt und an meiner Hose ein Drogentest gemacht. Ich bestehe scheinbar, denn man lässt uns ziehen.

Wir lungern an Gate A26 rum, natürlich sind wir deutlich zu früh – aber wer unsere Erlebnisse während der Anreise zu verschiedenen Flughäfen kennt, weiß auch warum.

Kopenhagen

Erster Stopp: Kopenhagen! Als wir aus dem Flieger raus sind, müssen wir eigentlich nur über den Gang ein paar Meter weiter in den nächsten Wartebereich. Umsteigen scheint hier nicht so schwierig zu sein. Hoffentlich ist es auch für unser Gepäck so einfach.

Als erstes kauft Fräulein Anna uns Cola und Chips. Es fängt an, sich ein bisschen wie Urlaub anzufühlen.

Fliegen mit SAS

Oslo

Was ein Gerenne: Aus dem Flieger, das Gepäck will abgeholt werden. „Durchchecken“ konnte man unsere Rucksäcke nämlich nicht und so müssen wir hier ein bisschen tätig werden. Nachdem wir gefühlt einmal durch den ganzen Flughafen sind, kommt Fräulein Annas Gepäck als eines der ersten Stücke auf dem Band, mein markanter schwarzer Sack ist auch unter den ersten zehn. Das ist gut, denn so besonders viel Zeit bleibt uns für die ganze Prozedur während des Umsteigens nicht.

Drauf mit den Rucksäcken auf das Wägelchen, ab durch den Zoll. Wir werden nicht weiter beachtet, ein ziemlich knuffiger Spürhund tollt herum, hat aber an uns nichts auszusetzen. Dann geht es mit dem Fahrstuhl wieder in die Abflughalle. Das Gepäck will wieder am SAS-Schalter eingecheckt werden. Dann geht es noch einmal durch die Sicherheitsschleuse. Dieses Mal müssen auch die Wanderschuhe aus, die Norweger nehmen es ganz genau.

Dann geht es noch einmal (gefühlt) durch den gesamten Flughafen. Etwa 45 Minuten nach der Landung stehen wir pünktlich zum Boarding für unseren letzten Flug wieder am Gate. Puh!

Tromsø

Angekommen! Der Flughafen von Tromsø ist wirklich klein. Zwischen Abflug und Ankunft wird hier nicht so richtig unterschieden. Das Gepäckausgabeband haben wir nach wenigen Schritten erreicht, weniger Meter weiter ist man dann auch schon aus dem Flughafen draußen. Mein Rucksack fällt als einer der ersten vom Band, dann kommt lange nichts. Fräulein Annas ist eines der letzten Gepäckstücke. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht.

Ein Taxi bringt uns zügig und vor allem hauptsächlich über eine unterirdische Straße in unser Hotel. Hier wollen wir die Nacht verbringen, bevor wir morgen gegen Mittag das Wägelchen abholen. Unser Hotelzimmer für diese Nacht ist ungefähr 10qm groß. Das ist ok. Aber halt auch voll, wenn wir und unsere Rucksäcke drin sind.

Nach flottem Check-In ziehen wir nochmal in die Stadt, so langsam bekommen wir Hunger. Tromsø empfängt uns ziemlich grau und vor allem sehr leer. Es sind nicht so besonders viele Leute auf der Straße. Um viertel vor zehn bestellen wir jeder einen Burger im urigen “Huken Pub“. Wie spät es ist, wird uns erst bewusst, als der Thekenmann ein bisschen komisch schaut, warum wir denn jetzt noch ein Abendessen wollen. Er verschwindet aber gerne noch einmal für uns in der Küche. Die Burger sind dann auch wirklich lecker, da hat Yelp uns nicht zu viel versprochen.

Der Huken Pub

Weil es ja nicht dunkel wird, drehen wir noch eine kleine Runde. SAS ruft derweil bei Fräulein Anna an. Ob wir wirklich all unser Gepäck hätten? Ja? Auch den roten Koffer? Da ist wohl was bei denen durcheinander geraten. Da es bei 8 Grad und Nieselregen nicht so viel Spaß draußen macht, landen wir dann doch im Hotel und im Bett. Das war eigentlich auch Gerenne genug heute.

Speicherkarte gelöscht – Bilder kostenlos wiederhergestellt

Gestern war ich dumm: Ich schaute Bilder auf meiner Kamera durch und irgendwie triggerte ich den „Speicherkarte löschen“-Reflex. Ganz schnell hatte ich den entsprechenden Menüpunkt aufgerufen, „Alle löschen“ angewählt und „OK“ gedrückt.

Im gleichen Moment traf mich der Schlag: Die Bilder waren noch gar nicht auf der Festplatte und in Lightroom importiert! Nachdem ich mich eine Weile selbst beschimpft hatte, bemühte ich die Suchmaschine meines Vertrauens und neben allerlei komisch aussehender Windows-MalSoftware fand ich dabei dann auch den Link zu RecoveRx, einer Software die von der Firma Transcend kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Wenn sowas von einer Firma kommt, die Speicherkram herstellt, ist es einen Versuch wert. Nur fünf Minuten später rödelte das Programm schon vor sich hin und sicherte den eigentlich gelöschten Inhalt der Speicherkarte auf meiner Festplatte.

screenshot-bildwiederherstellung

Neben den vierhundert Bildern, die ich eigentlich wiederherstellen wollte, fand das Programm noch ungefähr jedes andere Bild wieder, was ich jemals auf der Karte gespeichert hatte. Gut zu wissen, dass sowas geht.

Fahrt ins Grüne — Immergut 2016 — Tag 1

Wie letztens schon angekündigt verbrachten Fräulein Anna und ich das Wochenende in Neustrelitz auf der Mecklenburgischen Seenplatte. Das Immergut-Festival stand auf dem Programm. Da waren wir ja bekanntlich schon das ein oder andere Mal, dieses Jahr sollte es aber ein bisschen anders werden.

Fräulein Anna und die Kunz

Fräulein Anna hatte sich nämlich bei der Immergut Kunz beworben. Im Rahmen dessen beschäftigen Künstler sich mit dem jeweiligen Festival-Motto und stellen das Ergebnis dann aus. Für Fräulein Anna, die schon länger etwas mit ihren analogen Bildern aus Island machen wollte, war das die Chance. In einem knapp fünfminütigen Video stellte sie die ruhigen analogen Landschaftsbilder aus Island hektischen, sich schnell bewegenden Alltagsbildern gegenüber. Damit wurde sie natürlich direkt genommen und so waren wir auf einmal nicht nur Besucher, sondern durften auch alle Annehmlichkeiten eines Backstage-Passes in Anspruch nehmen – also zum Beispiel eine gut bestückte Bar, Verpflegung inklusive zwei warmer Mahlzeiten oder warme Duschen. Top!

Ein bisschen Vorbereitung brauchte es dann schon und so fuhren wir bereits am Mittwoch nach Neustrelitz, bauten am Donnerstag auf und machten uns ein wenig nützlich, bevor dann am Freitag das Festival wirklich began. Wir wurden direkt sehr nett aufgenommen, ich war überrascht wie eng die Immergut-Leute hinter den Kulissen alle miteinander waren. Es fühlte sich gleich ein bisschen wie ein Bundeslager-Aufbau an. Dieses „Ruhe vor dem Sturm“-Gefühl, wenn du schon Tage vor dem eigentlichen Beginn auf der Wiese bist, deinen Kram aufbaust und vorbereitest.

Die Ruhe vor dem Sturm - das Festivalgelände etwa drei Stunden vor dem ersten Konzert.
Die Ruhe vor dem Sturm – das Festivalgelände etwa drei Stunden vor dem ersten Konzert.

Dann war es irgendwann aber auch Freitag Nachmittag, der Zeltplatz hatte sich schon seit Donnerstag Morgen immer schneller gefüllt und dann ging es auch an der Birkenhain-Bühne direkt los. Wie üblich war ich nur ein bisschen auf die Bands vorbereitet und wollte mich vor allem überraschen lassen.

Eddie Argos

Los ging es mit Eddie Argos, dem Frontmann der Band Art Brut. Der sang aber gar nicht, sondern erzählte lieber aus seiner Jugend und wie er seine Band gründete. Kein Wunder, hat er doch erst letztens seine Biographie geschrieben. Das macht er auf sehr unterhaltsame Art und Weise, mit englischem Akzent und einer guten Portion Selbstironie. Alleine deswegen schon habe ich gerne zugehört.

„It’s hard to study if you are full time daydreaming of being in a band.“
Eddie Argos

Eddie Argos

Sean Nicolas Savage

Ein bisschen verrückt fand ich Sean Nicolas Savage. Das Konzert fing in etwa so an, wie ich mir einen Drogenrausch in den 80ern vorstelle. Savage startet mit zwei Coverversionen aus dieser Zeit, gar nicht mal schlecht. Dann kommen noch zwei Musiker dazu und mir wird das Ganze schnell zu skurril. Kaffeepause!

Peter Licht

Ich habe Peter Licht die ganze Stunde lang zugehört. Zuerst seiner Lesung, dann dem abschließenden Gespräch mit einem Moderator und einigen Menschen aus dem Publikum. Ich habe versucht ihn und das was er da aus seinem Buch vorlas zu verstehen. Ich habe nichts, kein Wort, überhaupt nichts verstanden. Also die Worte schon. Aber in der von ihm verwendeten Kombination haben die nicht viel Sinn ergeben. Vielleicht bin ich aber auch nicht so „Literatur“. Licht wirkt jedenfalls eigentlich ziemlich sympathisch, seine Musik muss ich mir bei Gelegenheit mal anhören.

„Ohje, ohje, ohje, ohje, ohje!“
Peter Licht

Peter Licht

Jochen Distelmeyer

Nachdem wir Isolation Berlin nur kurz angehört haben und dann statt dessen lieber zum Abendessen gingen, war schließlich Jochen Distelmeyer an der Reihe. Der spielte Lieder aus seinem Album Songs from the Bottom, Vol. 1, auf dem er ausnahmslos Titel englischsprachiger Künstler wie Britney Spears, The Verve oder Lana Del Rey interpretiert. Das hat mir zugegebenermaßen ziemlich gut gefallen.

White Wine

Direkt danach geht es mit White Wine auf der Zeltbühne. Die Band aus Leipzig ist zuerst einmal ziemlich laut im Vergleich zu dem was ich vorher sah, dazu ein bisschen elektronische und mit Rhythmus. Ein Fagott ist da auch irgendwie im Spiel. Das gefällt mir alles ziemlich gut, ich speichere die Band auf meiner „Später hören“-Liste.

Vita Bergen

Dies ist dann vielleicht mein Highlight für den ersten Tag. Es dauert nicht mal ein ganzes Lied, bis ich von Vita Bergen begeistert bin. Die sieben Schweden treffen ziemlich genau meinen Geschmack und so geht die knappe Stunde Rockmusik auf der Zeltbühne viel zu schnell vorbei. Man hat in diesem Jahr gerade das Debut-Album europaweit veröffentlicht, es ist also zu hoffen, dass ich mir die Herren bald noch einmal anschauen kann.

Get Well Soon

Zu Konstantin Gropper muss ich ja glaube ich nicht mehr viel sagen. Get Well Soon höre und schaue ich mir ja nun gerne öfter an. Gropper und Band liefern ein gewohnt solides Konzert ab, leider passt die Band scheinbar nicht so in die Stimmung die gerade herrscht. Die doch eher ruhige Musik verleitet ziemlich viele Menschen dazu, sich lieber zu unterhalten. Das stört mich ziemlich.

Tocotronic

Nun ja. Tocotronic und ich werden wohl keine Freunde mehr. In den letzten Jahren habe ich, gerade weil mir die Musik eigentlich gefallen müsste, der Band immer wieder mal eine Chance gegeben und sie mir angehört. So auch dieses Mal wieder. Gepaart mit ziemlich großer Müdigkeit und dem ganzen Tag in den Beinen schaue ich mir das Konzert nicht mal zu Ende an.

Immergut, Tag eins: Vorbei.