Wie ich einen Wäschetrockner bestellte

· Alltäglich Belangloses

Dieser Tage begebe ich mich auf die Webseite eines bekannten Elektromarktes für Menschen die doch nicht blöd sind. Der Kauf eines Wäschetrockners steht auf meinem Plan. Eigentlich steht das dort sogar schon länger – aber wie immer bei größeren Anschaffungen, die nicht in meiner Komfortzone zwischen Kamerazubehör und Computerkram liegen, ziere ich mich ein wenig. Heute soll es aber endlich soweit sein: Ich bin einigermaßen informiert, ein Gerät will ausgewählt werden, es soll jemand bis in den Keller tragen und dort anschließen. Die Kreditkarte ist vorgewärmt und liegt bereit.

Kaufberatung? Pah!

Obwohl ich schon relativ genau weiß was ich kaufen möchte, klicke ich erwartungsvoll auf die „interaktive Trockner-Kaufberatung“, die man mir nach einer Sucheingabe per übergroßem Banner anpreist. Tatsächlich werden dann in wenigen Schritten einige sehr interessante Eigenschaften dieser Haushaltsgroßgerätefamilie abgefragt und das Ergebnis entsprechend meiner Auswahlen eingegrenzt. Schließlich gebe ich dann noch die Obergrenze unseres „solides Mittelmaß“-Budgets an und habe nun eine recht übersichtliche Liste mit Geräten vor mir.

Auf den ersten Blick können die dann auch alle etwa das Gleiche. Letztes Auswahlkriterium ist deshalb für mich die Anzeige „lieferbar“ mit einem grünen Punkt daneben. Man könnte nun erwarten, dass ein „interaktiver Kaufberater“ einem Geräte anpreist, die vielleicht im Laufe des aktuellen, zu diesem Zeitpunkt noch gute drei Wochen langen, Jahres bei mir zu Hause auftauchen könnten. Ich möchte ja nicht nur etwas kaufen, sondern auch bekommen. Aber weit gefehlt: Die „Top Empfehlungen“ und so ziemlich jedes andere Gerät ist nicht bestellbar. Grauer Punkt. Auch bei der Marktabholung. Ich bin ein bisschen enttäuscht.

Interpretationsmöglichkeiten

Ich schließe diesen Tab in meinem Browser und kehre zurück auf die Übersichtsseite. Mit Hilfe der vielen Häkchen und Regler facettiere ich meine Suche nun weniger interaktiv, aber dafür genau so wenig erfolgreich wie vorher. Ich bin nicht so wirklich festgelegt auf eine Marke oder gar ein spezielles Gerät und so überlasse ich dem Algorithmus gerne ein wenig Verantwortung. Einzig: Ich habe keine Lust bis Sankt Nimmerleinstag auf die Lieferung zu warten. Da könnte man meinen, dass ich zufriedengestellt werde, wenn ich den Haken bei „auf Lager (11)“ setze. Weit gefehlt: Ein Großteil der Liste sieht weiterhin aus wie folgt:

Screenshot einer Artikelliste. Es ist "auf Lager" angeklickt aber die Artikel nicht lieferbar.

Ob die Geräte vielleicht auf Lager sind, aber dort keiner Lust auf die Schlepperei hat? Oder gibt es verschiedene Auslegungen des Begriffs „auf Lager“? Nun gut. Manchmal kann ich dann ja auch hartnäckig sein und tatsächlich finde ich auch ein Gerät was mir von seinen Ausstattungsmerkmalen her gefällt, von anderen Menschen im Internet auch auf anderen Webseiten gut bewertet wurde und sogar dieses Jahr noch lieferbar ist. Zwar nicht „grün und sofort“, aber immerhin „orange und spätestens übernächste Woche“. Also folgt ein behender Klick auf das Warenkorbsymbol und ich folge der Maschine direkt in eben diesen. Schnell noch ausgewählt, dass andere Menschen gegen ein geringes Endgeld sich Gedanken um die enge und steile Kellertreppe machen müssen und schon — passiert nichts. Der Button mit der Beschriftung „Zur Kasse“ ist, egal was ich auf dieser Seite tue, nicht dazu zu bewegen seine Farbe von grau zu rot zu ändern und klickbar zu werden.

Ein Geschenk das keiner will

Es vergehen wertvolle Minuten, bis ich stutzig werde: Was macht eigentlich der Staubsauger in meinem Warenkorb? Ich finde heraus: Das von mir zu meinem neuen Wäschetrocker auserkorene Gerät gehört zu einer Weihnachtsgeschenke-Aktion und man kommt ein anderes Produkt beim Kauf geschenkt. In meinem Fall ist das ein kleiner roter Staubsauger für den ich nun wirklich keine Verwendung habe. Während ich mir noch ausmale wie viel Ärger mir das Gerät bei ebay-Kleinanzeigen bereiten wird, klicke ich ihn spaßeshalber weg und staune nicht schlecht: Der „Zur Kasse“-Knopf wechselt die Farbe und ruft in einem knalligen Rot nach einer Aktion meinerseits. Von hier an wird es dann auch sehr unspektakulär. Aber bis dahin: Meine Güte, Mediamarkt.

Ähnliche Beiträge