Colin Forbes: Abgrund

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Ich hatte das Buch eigentlich in guter Erinnerung und ich glaube mich auch zu erinnern noch mehr Episoden aus der Reihe rund um den allwissenden, sehr weit vorrausschauenden und immer schrecklich klugen Geheimdienstchef Tweed und seine Schergeninnen und Schergen gelesen zu haben. Irgendwie überzeugt es mich aber in diesem Durchgang nicht. Obwohl das Buch irgendwo aus technologischer Sicht mit den neuartigen Computern und ihren grünen Bildschirmen in den neunziger Jahren spielen muss, könnten die Charaktere verhaltenstechnisch aus einem der frühen James-Bond-Filme der 60er Jahre entsprungen sein. Apropos Technologie: Die findet Tweed nicht so gut, deshalb müssen seine Leute auch immer von Telefonzellen aus sprechen und dürfen keine Mobiltelefone mit sich herumtragen.

Überhaupt: Irgendwie fahren alle ständig irgendwo hin. Sei es nun zur nächsten Telefonzelle oder einmal quer durch Europa. Mal mit dem Auto, dann mit dem Zug oder einem Flugzeug. Außerdem unterhalten sich alle dauernd darüber, wo sie als nächstes wohl hinfahren und welches das klügste Verkehrsmittel ist. Der Oberbösewicht mit dem auffäligen Namen „Brazil“ ist eben so viel unterwegs, mit dem offenkundig schrecklichen Ziel eine neue Weltordnung hervorzurufen. Am kalten Krieg war ja auch nicht alles schlecht.

Das Ende des Buches ist dann wenig überraschend und ich bin ganz froh, dass es vorbei ist. Vielleicht wird jemand anderes damit mehr Freude haben, wenn ich es im Bücherschrank abgelegt habe. Deutlich eloquenter, als ich das jemals könnte, hat man das Buch übrigens bei der Krimi-Couch rezensiert und ist zum gleichen Schluss gekommen. Interessanter Weise hat man dort auch das folgende Zitat herausgeschrieben, was ich mir auch markiert hat. Bei aller Genervtheit vom Buch, fand ich diesen Absatz garnicht schlecht und auch heute noch sehr passend:

„Die Menschen sitzen vor ihrem Fernseher und glauben, dass sie die Nachrichten sehen. Statt dessen zeigt man ihnen nur sensationelle, entsetzliche Bilder, die häufig von Ereignissen stammen, die keinerlei Auswirkungen auf den Lauf der Welt haben. Wichtige Ereignisse werden ignoriert, wenn sie keine grausamen Bilder liefern. Die so genannten Nachrichten im Fernsehen sind Entertainment – wenn das das richtige Wort für die entsetzlichen Ereignisse ist, die man uns so gerne zeigt.“

Geheimdienstmann Tweed im Monolog.

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