Wie ich einen Kaffee am höchsten Punkt Lettlands trank

Dominiks Post lies mich dieser Tage ein bisschen nachdenklich werden. Fielen mir aus dem Stand doch mindestens zwei Möglichkeiten ein, wie ich Kaffee machen könnte wenn der getreue Aromaboy urplötzlich nicht mehr produzieren könnte.

One of the guys in the standup meeting this morning said he can't have coffee today because his machine broke over the weekend.What kind of amateur has only one way of making coffee at home?

Und dann bin ich relativ schnell auch abgeschweift, erinnere mich an diese Situation auf irgend einer Fahrt mit den Pfadfindern, als die Kaffeefilter nass geworden waren und wir uns mit einem Küchentuch als Ersatz beholfen haben. Zu Hause würde ich das aber tatsächlich vermutlich nicht tun.

Das Thema lässt mich irgendwie nicht los. Und dann kommt mir irgendwann auch in den Sinn, dass man ja einfach Pulver mit heißem Wasser aufgießen kann. Auch nicht meine präferierte Wahl der Kaffeeherstellung, aber ich erinnere mich direkt an diese eine Situation in Lettland. Das war noch eine Weile bevor ich angefangen habe hier in dieses Blogdings zu schreiben. Ich sehe das noch sehr genau vor mir: Nach einer guten Woche lettischen Pfadfinderlagers, auf dem es aus mir nicht mehr nachvollziehbaren Gründen keinen Kaffee gab, stehe ich an der Theke dieses kleinen Kiosks in einer Holzhütte am höchsten Punkt Lettlands. Dreihundertzwölf Meter über Normalnull.

Gaiziņkalns

Eine Karte von Gaiziņkalns

Der höchste Punkt Lettlands.

Martin schaut nach oben in die Kamera und zeigt auf einen Kaffee der vor ihm auf dem Tisch steht.

Ich bestelle mit Händen und Füßen einen Kaffee, die Frau auf der anderen Seite der Theke stellt den Wasserkessel an, holt die Glastasse, gibt zwei Teelöffel Pulver hinein. Als der Kessel pfeift, wird das Wasser einfach darüber gegossen. Vielleicht ist mir die Situation so gut in Erinnerung geblieben, weil ich dann direkt vor der Hütte dieses Selbstbildnis geschossen habe. Das war dann tatsächlich auch lange Jahre das Avatarbild meines Vertrauens.

Vielleicht erinnere ich mich aber auch noch gut daran, weil das ein paar gute Tage waren. Also zum einen die ganze Tour nach Lettland an sich, aber halt auch gerade dieser "Hike" vom Lagergrund weg. Für uns als deutsche Pfadfinder ganz normal, genießen die die Lettinnen und Letten es sehr, nicht mit erwachsenen Betreuern unterwegs zu sein. Wir schlafen unter freiem Himmel unterhalb des maroden Aussichtsturms auf dem Gaiziņkalns. Ich werde in der Nacht von irgend etwas gestochen und habe danach eine dicke Beule auf der Stirn. Und scheinbar ist meine Höhenangst damals noch nicht so ausgeprägt, denn ich sehe uns auch noch eben diesen, sich im Rohbau befindlichen, Turm am späten Abend erklettern. Zehn Jahre später, zweitausendzwölf, wird er schließlich abgerissen, wie ich heute nachgelesen habe. Das ist vielleicht besser so, wirklich sicher war man da oben auf keinen Fall.