Chillen ist kein Hobby

Ich bin ja mehr so der entspannte Typ. Prokrastination ist genau mein Ding und deshalb verbringe ich eine Menge Zeit damit, einfach mal rumzuhängen, zu entspannen, unnütze Dinge zu tun. Das ist wichtig und mache ich gerne. Leider auch ein wenig zu oft.

Ich bin also per Definition ein echt „gechillter“ Typ, zumindest wenn man Wikipedia glauben mag:

„Chillen (engl.: kühlen, abkühlen; im amerikanischen Slang auch: sich beruhigen, sich entspannen, rumhängen, abhängen) ist ein aus dem englischen Sprachgebrauch (to chill = abkühlen) übernommener Begriff.“

Quelle: Wikipedia

Als großer Freund von sozialen Netzwerken stolpere ich (quasi während ich „chille“) in der letzten Zeit aber dann immer häufiger in den dortigen Profilen auch über das Wort „chillen“. Als Hobby. Danke. Herzlich willkommen in der Bedeutungslosigkeit. So gern ich selbst rumhänge und nichts tue, was ist denn das bitte für ein Hobby? Darunter verstehe ich dann doch ein wenig was anderes.

Wikipedia stimmt mir glaube ich zu:

„Ein Hobby oder Steckenpferd ist eine Lieblingsbeschäftigung. Ein Hobby ist somit im Gegensatz zu Arbeit eine Tätigkeit, der man sich nicht aus Notwendigkeit, sondern freiwillig und aus Interesse, Faszination oder sogar Leidenschaft unterzieht. Die Tätigkeit bringt Vergnügen, Spaß oder Lustgewinn mit sich. Dabei ist mit Arbeit nicht ausschließlich Erwerbsarbeit (Beruf) gemeint.“

Quelle: Wikipedia

„Chillen“ als Lieblingsbeschäftigung? Das sehe ich noch ein. Entspannung muss sein!
Ich verstehe dann aber ein wenig mehr unter einem Hobby. Die freiwillige Beschäftigung mit etwas sinnvollem. Weiterbildung und weiter kommen auf freiwilliger Basis. Etwas zu tun, wonach man sagen kann: „Coole Sache!“. Ich glaube dann bin ich wirklich gechillt.

„Chillen“ als Hobby, das ist für mich irgendwie einfallslos und langweilig. Dann kann man auch als Berufswunsch „Frührentner“ angeben. Die Sinnlosigkeit des eigenen Daseins dermaßen zu unterstreichen finde ich schlimm.

Können heutzutage viele einfach nichts mehr mit sich anfangen? Oder bin ich einfach nur zu ungechillt?

36 Reaktionen zu Chillen ist kein Hobby

  1. Hast Recht – das ist wie ich finde ähnlich einfallslos wie die Leute, die „Frag mich, hihihi“ in ihre Profile bei „Über mich“ schreiben. Oder bei Motto das Allerwelts-Deppen-Motto „Träume nicht Dein Leben, lebe Deinen Traum“ hinkritzeln.

  2. Noch was anderes: Ich glaube nicht, dass heute mehr oder weniger leute als früher nichts mit sich anfangen können. Ich glaube eher, dass „chillen“ hinzuschreiben einfach davor schützt, sich bewusst machen zu müssen womit man wirklich seine Zeit so vergeudet. Bevor ich bei Hobbies hinschreibe „Neun Live gucken, Bier trinken, Chips essen, Tokio Hotel hören“ schreib ich doch lieber „chillen“ und mache mir damit selbst vor, mein restliches Leben sei so wichtig und vor allem anstrengend, dass ich in meiner spärlichen Freizeit für gar nichts anderes mehr Energie habe als rum zu gammeln. Nur ich nicht. Bei mir ist das wirklich so. :)

  3. Also mehr so ne psychologische Sache? Ich glaube man müsste auch mal die Definitionen der Begriffe ein wenig enger fassen.

    „Musik hören“ kann man z.B. auch sehr bewusst machen und somit als Hobby betreiben. Ich habe den Anspruch, dass ein Hobby etwas praktisches oder produktives sein sollte. Etwas, das sich durch bewusstes „tun“ definiert. Auf der Couch rumliegen gehört für mich nicht dazu.

  4. Ja, dann streich mal das Tokio Hotel hören, wenn man das mal als Musik durchgehen lässt, dann bist du genau bei dem was ich meine. Wir nennen es rumgammeln, andere nennen es „chillen“ und fühlen sich damit besser.

    Andererseits glaub ich auch, dass bei vielen das Wort „chillen“ gar nicht mehr die ursprüngliche Bedeutung von „sich entspannen“ im Sinne von „gepflegtem nichts tun“(was garnicht wirklich die ursprüngliche Bedeutung ist, das wäre nämlich eher sowas wie „abkühlen“) hat. Ich vermute einfach mal (ohne da über irgendwelche Daten zu verfügen), dass sich der Begriffsinhalt von „chillen“ in der Jugendsprache erweitert hat und jetzt auch sachen wie (sorry, mir fällt grad kein anderes Beispiel ein) am Bahnhof Skateboard fahren beinhalten kann. Und das würde dann schon eher als Hobby durchgehen.

    Die psychologische Erklärung gefällt mir trotzdem besser, ich bin ja eher so der Kulturpessimist.

  5. Bei „Chillen“ denke ich immer sofort: Mit einem Joint und ein paar Kumpels den Tag einfach mal auf sich zukommen lassen. Ganz locker, weißte?
    Chillen, also wenn man es so betitelt und das als etwas Eigenständiges sieht, repräsentiert für mich immer dieses „ich weiß nichts anderes, aber, eigentlich, tu ich ja auch nichts anderes“. Das ist so schrecklich perspektivlos. Und einfach.

  6. Thomas: Also sehe ich das lieber mal als Oberbegriff für „Freizeitgestaltung“ und rege mich nicht weiter auf?

    Andi: Dir wachsen bei nennung des Begriffs direkt Dreads? ;-) Deine Interpretation

    „ich weiß nichts anderes, aber, eigentlich, tu ich ja auch nichts anderes“

    entspricht meinem Ursprungsgedanken. Anscheinend macht dann (wenigstens ein Teil der Jugend) doch was draus. Für viele ist es aber auch nur eine Um- und Beschreibung dafür, zwanghaft cool sein zu wollen.

    Btw: Ist jemand aufgefallen, dass ich die Mittagspause genutzt hab um die Kommentare aufzuhübschen? ;-)

  7. Aufregen solltest du dich eh nicht drüber. Chill mal lieber ne runde. :-)

    Das mit dem zwanghaft cool sein unterschreib ich. Chillen klingt halt einfach cooler als assig rumgammeln.

  8. Na ein Hobby beinhaltet auch für mich per se eine Aktivität, wie auch immer die geartet sein mag. Chillen in seiner landläufig nicht näher definierten Einheitshaltung entspricht eher der Grauzone des genauen Gegenteils. Erschreckend wird es erst dann, wenn man sich wirklich vor Augen führt, dass die Ersteller solcher Profile meißt exakt diesen Zustand des Untätigen Nichtstuns damit meinen und dies als ihr Hobby klassifizieren. Damit wird dann aber leider das arme unschuldige Hobby ad absurdum geführt. Ist übrigens selbst schon bei Kindern und Jugendlichen ( Altersstufe 9-17 zu beobachten.)[dannach besitzt man dann ein Auto und chillt auf einem Parkplatz: Achtung: AKTIVITÄT!!]. Ganz schön ungechillt das Ganze…

    Übrigens: Der Bademeister empfiehlt: Beim tagelangen rumgammeln auf der Couch öfter mal die Auflagefläche wechseln. Das Krankheitsbild, welches sonst entstehen könnte lautet: Dekubitus.

    Ich schreib einfach zu viel Uni-Krams.

    Wie sagte mal der Uni-Penner: Geh, friss Fachliteratur in dich hinein; du Menschenkind deutscher Machart.( Wahrscheinlich philosophischer als Kant selbst.)

  9. Pühä! Auf der Wikipedia-Seite zu „Dekubitus“ ist ein Bild davon. Bääääääää!

    Wir sind uns anscheinend einig. Fragt sich nur, was machen wir gegen die „Generation Chill“. Wer soll denn bitte mal meine Rente bezahlen? Wenn ich in hohem Alter auch mal Zeit zum chillen hab, dann will das auch finanziert sein!

  10. Na da deckt sich die Vorstellung dann doch hoffentlich auch mit der von Peter Fuchs:

    „Und am Ende der Strasse steht ein Haus am See.
    Orangenbaumblätter liegen auf dem Weg.
    Ich hab 20 Kinder meine Frau ist schön.
    Alle kommen vorbei ich brauch nie rauszugehen.

    Hier bin ich gebor’n, hier werd ich begraben.
    Hab taube Ohr’n, nen weissen Bart und sitz im Garten.
    Meine 100 Enkel spielen Cricket auf’m Rasen.
    Wenn ich so daran denke kann ich’s eigentlich kaum erwarten.“

  11. Das hast du schön formuliert, das entschädigt schon fast für das garstige „Dekubitus“-Bild.

    Und trotzdem: „chillen“ ist KEIN Hobby. Genausowenig wie „shoppen“, „schlafen“, „telefonieren“, „rumgammeln“, „weggehen“, „pennen“, und last but not least „mein Schatz“!

  12. Mo: Das hatter sich doch nicht selbst ausgedacht! ;-) Ich sehe schon, ich könnte hier mal ne ganze Serie veröffentlichen. „Mein Schatz“ als Hobby ist übrigens tatsächlich das grauseligste was einem unterkommen kann. Urgs.

    Wir können ja ne Altherren-WG gründen. Den ganzen Tag Bier trinken und von damals™ erzählen. So am See, super!

  13. Oh wie wahr, wie wahr… Was ich mich gerade frage: ist dem Schnee beim Fallen zuzusehen eigentlich ein Hobby??? Wohl eher eine Passion. Und zack ein neues Wort in der Diskussion. Sowas..
    Gruß

    Philipp

  14. Altherren WG: Pro! Ich stell mir meinen Ruhestand ja immer so vor, dass ich in nem Mini-Kaff mit höchstens zehn Häusern wohne, in dem ich das begehrteste Grundstück besitze: Das gegenüber der einzigen Dorfkneipe.

    „Mein Schatz“ als Hobby find ich übrigens am schlimmsten für die Person, die mit „Schatz“ gemeint ist. Ich sehe dann den Profilinhaber immer vor mir, wie er „Schatz“ füttert, eine neue Hütte baut, schleifchen umbindet und mit einem Kamm die Flöhe aus dem Fell entfernt.

  15. Ich bin ja echt für ein Haus am See. So ne Oldschool-Villa. Das sollten wir uns als Bildungsbürger echt leisten können wenn wir zusammenlegen. Fette Terasse, Highspeed-Breitband-Internetanbindung und alle DVD-Boxen jeder coolen Serie die jemals veröffentlicht wurden. Und Pils. Viel Pils. Und ne George-Foreman-Power-Schwenkstation. Geil! Aber ich schweife ab…

    Ich glaube ich muss echt mal ein neues WKW-Profil anlegen ;-)

  16. Ach Schneyra, ich seh schon, unsere Pläne für den Lebensabend laufen aufs gleiche raus. Und so jung sind wir ja auch nicht mehr, wir könnten demnächst anfangen uns nach so ner Villa umzuschauen…

    Und Passion ist keine Krankheit, sondern eine Frucht, das weiß man doch!

  17. Mo: Definitiv Krankheit! Ich erinnere mich noch an „Die Passion Christi“. Da der kein Gärtner war, muss er wohl was anderes gehabt haben ;-)

    Schnuub: Ich dachte eher so an ne sonnigere Lage. Oder: Im Moment gibts hier massig alte Botschaftsgebäude zu kaufen, aber leider sind die nicht so cool wie ich dachte. Und die Selbstschussalagen sind auch schon abgebaut.

  18. Ich hör immer sonnigere Lage! Das südwestliche Saarland ist eine der sonnigsten Ecken Deutschlands, ganz anders als Bonn!
    Aber Lokalpatriotismus beiseite, ich dachte eigentlich auch weniger an Wallerfangen und mehr an Vancouver. Aber es gibt bestimmt einen Ort, der die Vorzüge von beiden vereint…

    Und Passion ist eine Frucht, nen Kranken kreuzigt man doch nicht!

  19. Skandinavien ist irgendwie auch das Kanada Europas, oder? Wär auf jeden Fall genehmigt.
    Nach Südamerika hat mich bisher ja noch nichts gezogen. Aber andererseits hatte ich gerade eine irre Vision, wie dann zwanzig Jahre nach meinem Tod das Feuilleton einer großen deutschen Zeitung herausfindet, dass der Mo, jawohl, der legendäre Mo, auf einem Armenfriedhof von Santiago de Chile begraben liegt, und irgendwie gefällt mir der Gedanke…

  20. Also nicht der Gedanke, dass ich irgendwo begraben liege, so morbide bin ich nicht veranlagt. Aber das hat ein bißchen was von B. Traven und ein bißchen was von Motocycle Diaries^^

  21. Mo: Da ich schon mal in so nem Ghetto von Santiago abgehangen hab (Echt jetzt!) kann ich dir sagen: Das ist in keiner Form cool. Ich weiß aber auch: Ferienhäuser in so ner Siedlung direkt am Pazifik kosten irgendwie ungefähr nix. Wenn man ein deutsches Einkommen zu Grunde legt. Da wir ja anscheinend alle Akademiker sein werden, sollte das kein Stress sein. Nur der Sand wird unnatürlich heiß. Da brauchste Schlappen.

    Mit dem Rest kann ich nix anfangen, ich fahre kein Motorrad.

  22. also zu dem eigentlichen chillen sag ich da mal nix, aber!
    motorcycle diaries hat nich wirklich viel mit motorad zu tun, schneyra, es sei denn man bezeichnet das mofa das nach nem drittel vom film den geist aufgibt als solches. guck dir den film an, is echt sehenswert, geht um die reisen des junge ernesto mit seinem kumpel quer durch südamerika
    achso: freiwilliges weiterbilden und dann wikipedia find ich ein bisschen owned^^

  23. Genge: Willst du dich damit als Hobby-Chiller outen? Schade, dass du keine Accounts mehr bei sozialen Netzwerken hast.

    Ich weiß nicht, ob ich nen Roadmovie mit Che und seinem Homie auf nem Moped angucken will. Ist aber gemerkt.

    Zur Grundlagenaneignung finde ich Wikipedia als Anlaufstelle nicht schlecht. In meiner Diplomarbeit hab ich sie aber nicht als Quelle verwendet, keine Angst.

  24. hmm ich glaube schon, und kann sogar sein das des früher in meinen profilen gestanden hat^^
    aber, ich seh des eher wie der thomas. wie der begriff chillen heute benutzt wird hat des eher weniger mit der engen begriffserklärung zu tun. klar kann chillen auf der couch gammeln und mit den kumpels eine(n) qualmen heißen. aber wird denk ich eher als ersatzbezeichnung genutzt.
    chillen kann ich auch bei kerze, räucherwerk und nem fachbuch ganz gut oder morgens kaffee, frühstück und nicht hetzen müssen is auch schon chillen. hat für mich eher was zu tun mit random dinge tun ohne dabei stress ausgesetzt zu sein, sondern das system runter zu fahren.
    und ich kann mich gut dran erinnern das du den begriff genau so genutzt hast. erinnerste dich dran das wir mal alles als smooth chillen bezeichnet haben?

  25. Genge: Wir sind da ja einer Meinung. Bis auf die Tatsache, dass ich „chillen“ eben nicht als Hobby sehe. Was abhängen und so angeht bin ich weiterhin Weltmeister und könnte sicherlich dem ein oder anderen „Chiller“ echt was vormachen. Kähn Stress!

  26. Chillen ist ein Hobby in dem Sinne….

    eigentlich kommt das Wort chillen aus der Kiffer-Scene und bedeutet nur soviel wie kiffen,

    bzw wenn ich sage ich geh chillen bedeudet das nichts anderes als ich geh mir eins durchziehen.
    Kiffen kann auch ein hobby sein, laut wiki definition.

    letztens hab ich ein gruppenbild von jugendlichen auf fb gesehen mit bildschriftzug: SWAG!

    Swag bedeutet eigentlich Secretly we are gay, jedoch verwendet es die heutige jugend als ein anderes wort für cool.

    was ich damit sagen will ist, dass die bedeutung der wörter nicht mehr dem entsprechen für was sie eigentlich gedacht waren.

    gruß :)

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