Fahrt ins Grüne — Immergut 2016 — Tag 1

Wie letztens schon angekündigt verbrachten Fräulein Anna und ich das Wochenende in Neustrelitz auf der Mecklenburgischen Seenplatte. Das Immergut-Festival stand auf dem Programm. Da waren wir ja bekanntlich schon das ein oder andere Mal, dieses Jahr sollte es aber ein bisschen anders werden.

Fräulein Anna und die Kunz

Fräulein Anna hatte sich nämlich bei der Immergut Kunz beworben. Im Rahmen dessen beschäftigen Künstler sich mit dem jeweiligen Festival-Motto und stellen das Ergebnis dann aus. Für Fräulein Anna, die schon länger etwas mit ihren analogen Bildern aus Island machen wollte, war das die Chance. In einem knapp fünfminütigen Video stellte sie die ruhigen analogen Landschaftsbilder aus Island hektischen, sich schnell bewegenden Alltagsbildern gegenüber. Damit wurde sie natürlich direkt genommen und so waren wir auf einmal nicht nur Besucher, sondern durften auch alle Annehmlichkeiten eines Backstage-Passes in Anspruch nehmen – also zum Beispiel eine gut bestückte Bar, Verpflegung inklusive zwei warmer Mahlzeiten oder warme Duschen. Top!

Ein bisschen Vorbereitung brauchte es dann schon und so fuhren wir bereits am Mittwoch nach Neustrelitz, bauten am Donnerstag auf und machten uns ein wenig nützlich, bevor dann am Freitag das Festival wirklich began. Wir wurden direkt sehr nett aufgenommen, ich war überrascht wie eng die Immergut-Leute hinter den Kulissen alle miteinander waren. Es fühlte sich gleich ein bisschen wie ein Bundeslager-Aufbau an. Dieses „Ruhe vor dem Sturm“-Gefühl, wenn du schon Tage vor dem eigentlichen Beginn auf der Wiese bist, deinen Kram aufbaust und vorbereitest.

Die Ruhe vor dem Sturm - das Festivalgelände etwa drei Stunden vor dem ersten Konzert.
Die Ruhe vor dem Sturm – das Festivalgelände etwa drei Stunden vor dem ersten Konzert.

Dann war es irgendwann aber auch Freitag Nachmittag, der Zeltplatz hatte sich schon seit Donnerstag Morgen immer schneller gefüllt und dann ging es auch an der Birkenhain-Bühne direkt los. Wie üblich war ich nur ein bisschen auf die Bands vorbereitet und wollte mich vor allem überraschen lassen.

Eddie Argos

Los ging es mit Eddie Argos, dem Frontmann der Band Art Brut. Der sang aber gar nicht, sondern erzählte lieber aus seiner Jugend und wie er seine Band gründete. Kein Wunder, hat er doch erst letztens seine Biographie geschrieben. Das macht er auf sehr unterhaltsame Art und Weise, mit englischem Akzent und einer guten Portion Selbstironie. Alleine deswegen schon habe ich gerne zugehört.

„It’s hard to study if you are full time daydreaming of being in a band.“
Eddie Argos

Sean Nicolas Savage

Ein bisschen verrückt fand ich Sean Nicolas Savage. Das Konzert fing in etwa so an, wie ich mir einen Drogenrausch in den 80ern vorstelle. Savage startet mit zwei Coverversionen aus dieser Zeit, gar nicht mal schlecht. Dann kommen noch zwei Musiker dazu und mir wird das Ganze schnell zu skurril. Kaffeepause!

Peter Licht

Ich habe Peter Licht die ganze Stunde lang zugehört. Zuerst seiner Lesung, dann dem abschließenden Gespräch mit einem Moderator und einigen Menschen aus dem Publikum. Ich habe versucht ihn und das was er da aus seinem Buch vorlas zu verstehen. Ich habe nichts, kein Wort, überhaupt nichts verstanden. Also die Worte schon. Aber in der von ihm verwendeten Kombination haben die nicht viel Sinn ergeben. Vielleicht bin ich aber auch nicht so „Literatur“. Licht wirkt jedenfalls eigentlich ziemlich sympathisch, seine Musik muss ich mir bei Gelegenheit mal anhören.

„Ohje, ohje, ohje, ohje, ohje!“
Peter Licht

Jochen Distelmeyer

Nachdem wir Isolation Berlin nur kurz angehört haben und dann statt dessen lieber zum Abendessen gingen, war schließlich Jochen Distelmeyer an der Reihe. Der spielte Lieder aus seinem Album Songs from the Bottom, Vol. 1, auf dem er ausnahmslos Titel englischsprachiger Künstler wie Britney Spears, The Verve oder Lana Del Rey interpretiert. Das hat mir zugegebenermaßen ziemlich gut gefallen.

White Wine

Direkt danach geht es mit White Wine auf der Zeltbühne. Die Band aus Leipzig ist zuerst einmal ziemlich laut im Vergleich zu dem was ich vorher sah, dazu ein bisschen elektronische und mit Rhythmus. Ein Fagott ist da auch irgendwie im Spiel. Das gefällt mir alles ziemlich gut, ich speichere die Band auf meiner „Später hören“-Liste.

Vita Bergen

Dies ist dann vielleicht mein Highlight für den ersten Tag. Es dauert nicht mal ein ganzes Lied, bis ich von Vita Bergen begeistert bin. Die sieben Schweden treffen ziemlich genau meinen Geschmack und so geht die knappe Stunde Rockmusik auf der Zeltbühne viel zu schnell vorbei. Man hat in diesem Jahr gerade das Debut-Album europaweit veröffentlicht, es ist also zu hoffen, dass ich mir die Herren bald noch einmal anschauen kann.

Get Well Soon

Zu Konstantin Gropper muss ich ja glaube ich nicht mehr viel sagen. Get Well Soon höre und schaue ich mir ja nun gerne öfter an. Gropper und Band liefern ein gewohnt solides Konzert ab, leider passt die Band scheinbar nicht so in die Stimmung die gerade herrscht. Die doch eher ruhige Musik verleitet ziemlich viele Menschen dazu, sich lieber zu unterhalten. Das stört mich ziemlich.

Tocotronic

Nun ja. Tocotronic und ich werden wohl keine Freunde mehr. In den letzten Jahren habe ich, gerade weil mir die Musik eigentlich gefallen müsste, der Band immer wieder mal eine Chance gegeben und sie mir angehört. So auch dieses Mal wieder. Gepaart mit ziemlich großer Müdigkeit und dem ganzen Tag in den Beinen schaue ich mir das Konzert nicht mal zu Ende an.

Immergut, Tag eins: Vorbei.