Projekte

Dieser Tage mache ich mir Gedanken über den Sinn und Unsinn von privaten und nebenberuflichen Projekten. Warum mache ich mir die Mühe, in meiner begrenzten Freizeit Dinge anzugehen und mir zusätzliche Arbeit aufzuhalsen? Wäre es nicht sinnvoller die freie Zeit mit einem Buch zu verbringen?

In jedem einigermaßen kreativen Kopf entwickeln sich ständig irgendwelche Ideen – meistens Dinge, die im weitesten Sinn mit der eigenen Profession und den damit verbundenen Interessen zusammenhängen. Selbstverwirklichung spielt hier eine große Rolle und das Lernen von neuen Dingen. Das ist gut so. Doch seien wir mal ehrlich: Braucht es das 35. soziale Netzwerk mit regionalem Bezug und den 57. Internet-Marktplatz oder das (ohne zu übertreiben) 400. iPhone/iPad/Mac-Blog? Um es kurz zu machen: Nein. Man macht sich höchstens lächerlich – je nachdem wie weit man das Maul vorher aufgerissen hat sogar richtig übel.

Ich denke lange nach, bevor ich mich ernsthaft mit etwas auseinandersetze. Frustration macht sich schnell breit, wenn das neue Projekt sich dann irgendwie als langweilig, nicht umsetzbar oder schon vorhanden herausstellt. Meistens kann man nämlich die Frage „Gibt es das schon?“ direkt mit „Ja!“ beantworten. Dann muss ich mir überlegen, ob sich meinen Mitmenschen oder zumindest mir ein entscheidender Mehrwert aus einer Neuentwicklung bietet. Auch sollte man bedenken, dass die Motivation zu Beginn meistens unermesslich groß ist, aber schnell abflacht. Will ich mich gegebenenfalls mehrere Wochen und Monate mit einem Projekt beschäftigen? Erst wenn ich hier nach ein paar durchgrübelten Nächten mit ganzem Herzen „Ja!“ sagen kann, gehe ich es an. Im Folgenden ein paar weitere Gedanken dazu.

Private Projekte

Das ist eigentlich einfach: Ich baue was und nutze es. Und schon wird es kompliziert: Meistens hat man wohl ein Vorbild, dass man seinen eigenen Vorstellungen anpassen möchte und unterschätzt die Arbeit die dahinter steckt.

Ich kenne das selbst aus jahrelanger Erfahrung und meine Auslagerungsplatte kann mit einigen Ordnern mit halb fertigen WordPress-Themes aus den letzten fünf Jahren aufwarten. Zwar habe ich mit jeder halb fertigen Entwicklung irgendwas gelernt, aber wirklich glücklich wird man doch nicht damit, am Ende den Ordner zu zippen und irgendwo in der Datenschublade zu verstauen. Dann lief da mal eine Seite mit einem halb fertigen, selbst geschriebenen CMS. Bis zu ihrem bitteren Ende gab es da keine Editierfunktion für die Seiteninhalte und der RSS-Feed der Neuigkeiten wurde mit jedem neuen Eintrag komplett an den Newsreader ausgeliefert. Keine Ahnung woran das lag.

Auf der anderen Seite habe ich in kurzer Zeit diese Mahlzeit!-Geschichte aufgesetzt und arbeite ich seit einem guten halben Jahr recht stressfrei an einer kleinen Ausgaben-Verwaltung. Ein simples iPhone-Interface, eine ausführliche Liste im Browser und ein paar Auswertungsfunktionen. „Gibt es schon!“ darf jetzt jeder mal schreien, damit ich mit „Weiß ich!“ antworten kann. Wer sowas braucht, sollte sich auf jeden Fall mal Moneybook anschauen, das ist nämlich ziemlich großartig.
Vermutlich werden nie mehr als zwei Menschen meine Anwendung nutzen. Dennoch habe ich schon jetzt, wo ich bei weitem noch nicht alles nach meinen Wünschen implementiert und gestaltet habe, viel daraus gelernt. Meine PHP- und MySQL-Kenntnisse sind wieder ein wenig aufgetaut und erweitert worden und ich konnte einige HTML- und CSS-Tricks ausprobieren. Vor allem das Entwickeln von Webapps für Apples mobile Endgeräte ist ein sehr interessantes Thema. Und wie schön und einfach es ist, wenn man als Systemanforderung einfach nur „Webkit“ im Kopf hat! Das macht auch sehr viel Spaß und kann entspannend sein, so am Abend.

Letztendlich steht hier der persönliche Spaß an erster Stelle und das Lernen von Dingen. Außerdem ist es hier zwar schon frustrierend, aber noch nicht wirklich schlimm wenn aus einem Vorhaben dann mal nichts wird.

Projekte für die Öffentlichkeit

Das ist ein schwieriges Thema. Der Markt ist voll und wenn man mal ein wenig recherchiert, wird man feststellen, dass es an sich schon alles gibt. Die sich daraus ergebende Hürde, es besser machen zu müssen, ist riesig. Das gelingt meistens nicht, mir ist mit plazaa nur eine Freizeit-Entwicklung aus der letzten Zeit eingefallen, die das Potential hat größer rauszukommen. Hier wurde einiges richtig gemacht: Die Plattform ist hübscher und übersichtlicher als ihre Vorbilder. Respekt.

Das Risiko ist groß sich bei öffentlichen Projekten der Lächerlichkeit preiszugeben. „Ganz oder gar nicht“ muss die Devise sein und es erfordert umfangreiche Planung, Grundkenntnisse im Marketing und und und. Nichts ist trauriger als ein unfertiges Projekt für das man schon Werbung gemacht hat, welches dann am Ende nur für mangelnde Motivation und Ausdauer des Umsetzenden spricht. Ist der Ruf erst ruiniert…

Ich mache mir deswegen vor allem auch Gedanken darum, weil ich eine solche Geschichte in der nächsten Zeit angehen möchte. Und zwar richtig. Vielleicht in kleinen Schritten, aber das Ergebnis wird Hand und Fuß haben. Davon bin ich überzeugt. Ich werde dabei nicht alleine sein und freue mich auf die Zusammenarbeit mit meinen Mitstreitern und die Erfahrungen die ich hier sammeln werde. Bis dahin halte ich aber lieber mal die Klappe.

Aber gerade weil diese Geschichte für mich auch ein wenig Neuland ist, interessieren mich die Meinungen meiner Leser. Welche Erfahrungen habt ihr gesammelt, woran seid ihr gescheitert? Was beachtet man besser mal?

3 Reaktionen zu Projekte

  1. kenn ich nur zu gute, diese Projektgeschichte. Wenn es nichts berufliches ist, verlaufen viele meiner Ideen tatsächlich im Sand. Ich bin schnell abgelenkt, komme von einem Projekt ins nächste Projekt.

    Mir hilft es sehr, wenn ich bei Projekten noch Mitstreiter habe, um von einander zu lernen, sich auszutauschen, Kritik zu bekommen, Lob einzuheimsen, etc. Ich bin gespannt, wie es Dir mit Deinem neuen Projekt ergehen wird.

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