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Einkaufserlebnis Hollister

Dieser Tage streunte ich des Abends mit Fräulein Anna durch die Innenstadt, als mich ein Erlebnis der besonderen Art ereilte. Ich bin noch immer nicht so richtig darüber hinweg. Es begab sich nämlich, dass wir an der lokalen Hollister-Filiale vorbeikamen. Die gibt es noch nicht so sonderlich lange und liegt mitten in der Fußgängerzone in einem neu gebauten, sehr modernen Haus. Während des Umbaus war die Baustelle mit einer ziemlich Apple-Store ähnlichen schwarzen Holzwand verbaut. Das muss also schon was ganz Besonderes sein.

Jedenfalls bestehen die „Schaufenster“ des Ladens aus zwei riesigen Multi-Display-Installationen, auf denen schönes Surferwetter abgespielt wird. Strand und Wellen und so. Super. Ich gebe zu, ich war ziemlich neugierig was es mit dem Laden auf sich hat. Die Marke war mir bis vor kurzem kein Begriff. Deshalb drängte ich Fräulein Anna Richtung Eingang. Es hätte mich stutzig machen sollen, dass sie sich mit den Worten „Ich war da schon drin!“ ein wenig sträubte. Egal! Eines vorweg: Was da nun wirklich im Detail verkauft wird, weiß ich bis heute nicht.

Ich steuere also auf den schwarz umrandeten Eingang zu und komme dort an einem mit Funkgerät ausgestatteten Hipster in der nicht-ganz-so-abgefuckt Variante vorbei und stehe direkt mittendrin. Mittendrin im „Ich habe immer noch keine Ahnung was das soll“. Zuerst mal überlege ich kurz, ob es spontan eine Sonnenfinsternis gab. Das war es aber nicht. Man hat bei der Konstruktion des Ladens leider vergessen, dass Megadisplay-Installationen kein Licht durchlassen. Es ist ziemlich finster, die paar bunten Lichter rundherum sorgen für eine diskoartige Beleuchtung. Es fehlt eigentlich nur ein Stroboskop. Gleichzeitig dröhnt der neueste Trance-House-Remix irgend eines aktuellen Chart-Hits den ich nicht mag auf mich ein. Die Lautstärke ist oberhalb der „Ich kann mich noch vernünftig Unterhalten“-Grenze. Ich bin, sagen wir mal, überrascht. Nein, „desorientiert“ trifft es besser. Mir kommt der Gedanke, dass die vielleicht schon geschlossen haben und nur zum Putzen jetzt ein wenig lauter Musik aufdrehen. Fräulein Anna brüllt mir ins Ohr, dass das normal ist.

Nachdem ich mich in der neuen Umgebung ein wenig zurecht gefunden habe, schaue ich mich ein wenig um. Wer schon mal mit einem Fallschirm im Amazonasgebiet abgesprungen ist, kennt das Gefühl. Tatsächlich kann ich dann auch erkennen, dass da Klamotten ausliegen und es sich scheinbar wirklich um ein Bekleidungsgeschäft handelt. Auf Anhieb gefällt mir nichts so richtig, was aber normal ist wenn ich nicht wirklich auf einen Einkauf aus bin. Aber selbst wenn: Es würde mir ziemlich schwer fallen, denn es ist ja immer noch stockdunkel. Kurz bin ich versucht einen Mitarbeiter zu bitten doch mal die Beleuchtung anzumachen. Ich will nicht wissen, wie viele Menschen nach ihrem Einkauf zu Hause total überrascht sind, wenn sie sehen was sie da gerade unter erhöhtem psychischen Druck in dieser künstlich herbeigeführten Stresssituation kauften, ohne es richtig gesehen zu haben. Umtausch ausgeschlossen, hm?

Eigentlich scheint der Laden sogar ganz hübsch eingerichtet zu sein. Es stehen auch ein paar ziemlich coole Sessel herum, es liegen Teppiche aus und die Regale an sich gefallen mir auch gut. Im Treppenhaus gibt es wieder Surferlandschaft-Displays mit Meeresrauschen. Das gefällt mir auch. Würde man die ganzen Klamotten raus räumen, die Musik ein wenig leiser machen und vielleicht noch eine Bar einbauen, wäre die Bude vermutlich ein ziemlich cooler Feierabend-Cocktailclub.

Trotzdem halte ich es nicht sonderlich lange aus und bin froh, als ich das helle Licht am Ausgang des dunklen Labyrints entdecke. Der funkende Hipster-Verschnitt schaut ein wenig überrascht, als ich an ihm vorbei aus dem Laden stürme und draußen erst einmal tief durchatmen muss. Ich trage vermutlich mit einem etwas zu lauten „What the fuck?“ noch weiter zu seiner Verwirrung bei.