Tür defekt – Die Stresssituation an der Bahntür.

Tür defekt

Als ich heute morgen durch die Bahn laufe, fällt mir auf, dass ein Ende relativ leer ist und ich sogar einen Sitzplatz bekomme. Von meiner Haltestelle bis zum Bahnhof fährt man nicht lange, höchstens vier oder fünf Stationen. Zeit genug, um eine lustige Beobachtung zu machen.

Die Tür in diesem Teil der Bahn ist defekt. Das erkennt man an den großen „Tür defekt!“-Schildern in den Scheiben und daran, dass sie sich beim Halt nicht öffnen. Es ist amüsant anzusehen, wie Menschen auf den Knopf drücken – das Schild auf Kopfhöhe ignorierend. Ein, zwei, dreimal wird der Knopf mit zunehmender Kraft gedrückt. Die Menschen werden hektisch, von hinten wird geschoben. Irgendwann sieht und liest jemand das Schild, es bricht nahezu Panik aus. Man kann geradezu sehen, wie das Adrenalin durch die Adern der Menschen strömt, als sie zur nächsten Tür sprinten – auch wenn dort die Fahrgäste noch am aussteigen sind.

Überhaupt scheint das ein- und aussteigen aus Bus und Bahn eine unglaubliche Stressituation für meine Mitmenschen zu sein. Bereits viele Minuten vor der Ankunft wird aufgestanden, die Jacke angezogen, das Gepäck zusammengesucht und spätestens wenn der Schaffner den nächsten Zielort ankündigt, Richtung Ausstieg gestürmt. Das „In wenigen Minuten erreichen wir…“ wird dabei dezent ignoriert. Lieber steht man dort ewig in der dicken Winterjacke schwitzend im Weg herum, als dass man das knappe Zeitfenster verpasst in dem sich die Türen öffnen. Züge halten im Normalfall ja auch gar nicht richtig an, sondern verlangsamen im Bahnhof nur für wenige Sekunden ihre Fahrt. So jedenfalls scheint es mir. Vielleicht erklärt das auch, warum viele Menschen sich an den aussteigenden Fahrgästen vorbei drängeln müssen um in den Zug zu kommen.

Kein Wunder, dass der ÖPNV so stressig ist.

11 Reaktionen zu Tür defekt – Die Stresssituation an der Bahntür.

  1. Unglaublich, dass du das gerade jetzt schreibst: Genau das gleiche Thema geht mir seit Tagen im Kopf herum, ich wollte heute etwas dazu schreiben… Mein Favorit in diesem Zusammenhang: Die hinterste Tür bei überlangen Bussen. Das stehen die Leute und wundern sich, dass sie sich nicht automatisch öffnet, pöbeln den Fahrer an und drängeln zur nächsten Tür… Die Schilder „Tür öffnet auf Knopfdruck“ mit Pfeil zum entsprechenden Knopf werden ignoriert. Die Menschen lesen es einfach nicht…
    Und der Panikeffekt bei Zugdurchsagen, das Verlangen, möglichst lange mit Koffer in der Hand im Gang vor dem Ausgang zu stehen… ist mir seit Jahren ein Rätsel…

  2. Oft nervt es auch einfach wenn man aussteigen will und alle sich schon am hinein zwengen sind, dass auch ja einen Platz bekommen. Ich meine, man kann doch auch schnell auf die Seite stehen…

    Doch leider ist dies oft zu viel verlangt. ;(

  3. Ich oute mich: Ich bin einer der ganz-früh-aufstehenden Leute, weil ich „panische Angst“ davor habe, nicht an der Haltestelle aus dem Bus oder der Bahn zu kommen. Das wird übrigens umso stärker, je weiter der Fußweg wird, wenn die Station verpasst wird… :-)

  4. ÖPNV überfordert die meisten Leute. Ich muss immer wieder den Kopf schütteln, wenn ich im Zug Gespräche meiner Mitmenschen mithöre (und dabei will ich die normalerweise eigentlich nicht gar nicht mithören, ab einer gewissen Penetranzschwelle kann man die bloß einfach nicht mehr ignorieren).
    Die meisten werdern ja von einem gewöhnlichen Papierausdruck mit Zugverbindungen schon schwer gefordert, und sobald dann irgendetwas Unvorhergesehenes passiert, bricht die nackte Panik aus. Oh mein Gott, eine Türstörung! Wir haben schon zwei Minuten Verspätung, Renate, und in Koblenz nur ne Viertelstunde zum Umsteigen!

  5. Wie beim Reißverschlussverkehr: Alle fädeln sch sofort ein. Und wenn man ordnungsgemäß bis zum Ende der Spur fährt, dann wird man hin und wieder von ein paar Idioten nicht reingelassen…

  6. Ich stehe aber zugegebenermaßen auch immer im Zug zu früh auf. Meistens bei der Ansage wie ich zugeben muss. Denn wenn man da nicht rechtzeitig draußen ist, dann sind die anderen schon drinnen (wenn nicht sogar vorher) und die Gänge der Deutschen Bahn sind nicht für Gegenverkehr ausgelegt.

  7. Wir merken also wieder einmal: Wenn alle so machen würden wie es angedacht ist und ein wenig Rücksicht nehmen würden, wäre alles gut. Und schon haben wir ein Gesellschaftsproblem draus gemacht. Großartig!

  8. Ich mag den ÖPNV und ich lass mich auch nicht von def. Türen stressen, lieber ne Tür weniger als gar keine Bahn. Obschon ich schonmal beobachtet habe wie eine Person den über dem Türtaster geklebten Hinweis „Tür def.“ abgemacht hat um auf den Türknopf zu drücken… FAIL!

  9. Ich mag den ÖPNV auch. Und ich fahre auch gerne längere Strecken mit der Bahn. Lesen und Musik hören ist schon grandioser als sich auf die Straße zu konzentrieren und sich noch über die ganzen Trottel auf der Straße zu ärgern.

  10. Genau das, denke ich mir jeden morgen. Warum verdammt stehen die leute schon so früh auf um sich dann minutenlang in den Flur zu stellen. Da mach ich lieber nochmal 5 Minuten die Augen zu und geniesse. :) Blöd ists nur, wenn man so einen Panikmacher neben sich auf Fensterseite sitzen hat.

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