Wie man mich aus einem Onlineshop vertreibt

Letztens, als ich in diesem Internet surfte, kam ich bei einem mir bekannten Onlineshop vorbei. Ich kaufte dort schon das ein oder andere Mal gerne Klamotten. Sparfuchs, der ich bin, fand ich auf der groß mit „Sale!“ beschrifteten Seite auch direkt Dinge, die mir sowohl gefallen als auch passen dürften. Schnell hatte ich einige Sachen in meinen Warenkorb geklickt.

Und dann fing das Drama an. Meine Passwörter und Zugangsdaten verwalte ich in dem sehr hilfreichen Programm 1Password. Das ist eine gute Sache und – das nur am Rande – ich kann gar nicht verstehen, warum nicht jeder einen Passwortmanager und vernünftige Passwörter benutzt.

Jedenfalls: Das bei mir gespeicherte Passwort tat es nicht. Das kann schon mal vorkommen, manchmal ändere ich ja Passwörter und dann vergesse ich gerne auch mal das neue zu speichern. Also nichts wie los, zur Passwort-Neuvergabe! Dort dann das nächste Ding: Als neues Passwort lies sich keiner der automatisch generierten, wirklich langen zufälligen Zeichenkombinationen festlegen. Eine generische Fehlermeldung half mir auch nicht weiter: „Das Passwort muss mindestens 6 Schriftzeichen beinhalten“. Auch ohne Sonderzeichen und kürzere Kombinationen passierte hier nichts. Nach einigem hin und her tippte ich dann etwas wirklich kurzes ein, um endlich weiter machen zu können. 1Password zeigt mir unsichere Passwörter an, ich ändere die dann immer bei Gelegenheit. Inzwischen weiß ich, dass das Passwort maximal zwanzig Zeichen haben darf. Da wird einfach nur die falsche Fehlermeldung ausgegeben. Doof.

Da war ich dann endlich eingeloggt und in der Warenkorb-Ansicht. Da ich schon öfter bei besagtem Laden bestellt habe, sollte jetzt eigentlich nichts mehr schief gehen. Schnell die bereits hinterlegte Packstation als Versandadresse ausgewählt und … „Die Adresse ist unvollständig.“ Da hat man wohl die Pflichtfelder umgebaut – einige Klicks später und nach der Eingabe einer Telefonnummer ging es dann aber auch weiter.

Nun: Bezahlen! Muss man ja auch, wenn man etwas kauft. Machen wir es kurz: Die Bezahlmöglichkeit „PayPal“ ist den Leuten scheinbar verloren gegangen. An der Stelle war ich schon ziemlich frustriert, hätte es am liebsten eigentlich sein lassen und gab deshalb schnell meine Kreditkarten-Daten ein. Und dann war ich auch schon fertig. Nicht nur mit der Bestellung, sondern auch mit den Nerven.

Aber es sollte noch besser kommen, als ich in mein E-Mail-Postfach schaute. Neben einer Bestellbestätigung fand ich dort nämlich noch eine weitere E-Mail vor:

„Hey Martin, du hast dein Passwort geändert! Hier, zur Erinnerung dein neues Password: M31nN3u3sP4ssw0rt!“

Schade, dass ich das nicht vorher bemerkt habe – da wäre der Bestellvorgang ganz schnell abgebrochen gewesen. Freunde, es ist 2016 – da sollten eigentlich doch alle wissen, dass man Passwörter nicht Klartext speichert und einfach per Mail rumschickt. Echt jetzt!

Am Abend erhielt ich dann auch die Versandbestätigung des Unternehmens. Kurze Paketlaufzeiten war ich da schon gewohnt, also soweit nichts besonderes. Aber der nächste Schreck folgte direkt, denn als ich in der Mail auf „Paket verfolgen“ klickte, landete ich bei UPS. Die natürlich keine Packstationen beliefern können, denn die gehören ja nun mal der Post – oder DHL, genauer gesagt. Nun folgte etwas, was ich wirklich, wirklich ungern tue: Ich rief bei der Kundenhotline an. Telefonieren ist jetzt wirklich nicht das, was ich gerne mache. Dort erhielt ich folgende Informationen:

  • Da kann man jetzt nichts machen. Das geht dann als Retoure zurück, ich bekomme das Geld wieder.
  • PayPal ist nicht mehr – aber das würde sie gerne mal weiter geben.

Die junge Frau am Telefon konnte jetzt ja wirklich nichts dafür, ich habe ihr meinen Zorn erspart. Lieber setzte ich mir eine Erinnerung, die ganze Retouren-Geschichte ein wenig im Blick zu halten. Musste ich dann aber überraschender Weise gar nicht – denn UPS ist schlauer als der bekannte Onlineshop: Jemand von dort rief mich an und man konnte das Paket umleiten, ich sitze hier nun also gerade in einer neuen, gut sitzenden Hose.

Ein anderes Modell geht jetzt aber doch noch zurück. Und ich bin schon ungefähr genau so gespannt wie ihr Bund um meinen Bauch, was dabei alles schief gehen kann. Und vielleicht gebe ich dem Einzelhandel doch nochmal eine Chance, denn nerviger als der Quatsch hier kann das eigentlich nicht werden.

„Martin, warum schreibst du denn nicht, was das für ein Laden war?“ mag sich der ein oder andere jetzt fragen. Das ist so: Wie ich während des Schreibens dieses Beitrages rausfand, wurde der Laden unlängst übernommen und man hat das Shopsystem umgestellt. Deshalb schreibe ich dem Support einfach mal eine nette Mail und schaue was man dazu sagt – und bestimmt (Ich glaube ja auch immer ein bisschen an das Gute im Menschen!) bessert man ja auch noch nach.

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