Archiv für Monat: August 2018

Sonntagmorgen in Bonn

Manchmal klappt es ja: Sonntag kurz nach sechs Uhr wach? Nicht noch einmal umgedreht, sondern gemächlich aufgestanden, die Zähne geputzt, die Kamera umgehängt und los. Und wenn es dann klappt: Über den Hofgarten, an den alten Zoll, den Rhein hinunter, durch die Südstadt und mit einem kleinen Umweg über die Poppelsdorfer Allee wieder zurück nach Hause.

Die Sonne scheint durch Bäume.Ein mit einem Sessel bemalter Stromkasten.

Ich mag, es dass noch fast nichts los ist. Ich teile mir die Straßen und Wege mit ein paar Joggern und BonnOrange-Mitarbeitern, die die Hinterlassenschaften der Samstagabend-Gesellschaften aufräumen. Es war gut, dass ich mich aus dem Bett gewälzt habe. Der Fotoapparat und ich brauchen für die Tour gute zwei Stunden, am Ende bringe ich nicht nur ein paar schöne Bilder, sondern auch Brötchen und Croissants vom Bäcker mit. Es ist Zeit für’s Frühstück!

Hallo Max!

Sparen wir uns den Wochenrückblicks-Quatsch heute einfach mal. Montag bis Donnerstag voriger Woche arbeite ich zu Hause, bin aber vor allem in Warteposition. Aber da lässt sich jemand Zeit. Nicht nur Fräulein Anna und ich werden langsam ein bisschen ungeduldig, auch unser Umfeld fragt nun doch sehr regelmäßig nach, was denn nun los ist. Während ich dann am Freitag Morgen noch im Bett liegend darüber nachdenke, was der Tag denn so bringen kann, erlöst man mich: Es ist an der Zeit, es geht los!

Jedenfalls: Wir packen die letzten Sachen zusammen und spazieren gemächlich zum nahegelegenen Elisabeth-Krankenhaus, wo wir gegen halb zehn am Morgen am Kreissaal ankommen. Schnell ist man sich einig, dass hier zwar recht bald ein Kind auf die Welt kommen wird – aber auch, dass es nicht in der nächsten halben Stunde passiert. Wir spazieren also zuerst einmal die ein oder andere Runde über den Hof, bekommen ein Mittagessen, spazieren noch ein bisschen mehr.

Ich denke, die Details spare ich einfach. Wer schon mal ein Kind bekommen hat oder zumindest dabei war, weiß was da passiert. Ein Spaß ist das jedenfalls nicht. Und das, obwohl es für uns und vor allem Fräulein Anna wirklich schnell geht. Aber nicht nur für uns: Im Abstand von einer guten Stunde bringen die Hebammen übrigens an diesem Abend gleich drei Kinder auf die Welt, das war sicherlich ein anstrengender Arbeitstag.
Nicht mal zwölf Stunden nachdem wir am Krankenhaus angekommen sind, ist der kleine Max auf der Welt. Wow. 👶🏼

Seitdem ist nun eine Woche vergangen – und zwar ganz schön schnell. Unser ursprünglicher Plan, im Krankenhaus ein Familienzimmer zu beziehen, ging leider mangels Platz nicht auf. Was ich im Nachhinein aber auch nicht als all zu schlimm empfinde. Nachdem ich also die ersten Nächte noch alleine zu Hause verbracht habe und der Rest der Familie im Krankenhaus wohnte, sind wir nun seit Montag zu dritt zu Hause. Die ersten Besuche von Tanten und Omas und Opas haben wir auch erfolgreich absolviert.

Ein Caramell-Macchiato.
Unser erster Ausflug führt uns direkt um die Ecke ins Schöllers. Der kleine Mann verschläft die ganze Tour. Ich bin die ganze Zeit sehr unsicher, ob er mir nicht in dem Tuch erstickt. Das Binden des Tragetuchs sollten wir auf jeden Fall noch üben.

Und wie ist das so? Ziemlich prima, eigentlich. Alle sind zufrieden, ich glaube die Hebammen langweilen sich bei ihrem täglichen Besuch vor allem auch ein bisschen. Wir haben zwar jeden Tag noch ein paar neue Anfängerfragen, kommen aber im Großen und Ganzen gut zurecht. Die Zeit verfliegt, ich erwische mich sehr oft dabei, wie ich einfach nur hinschaue. Meistens kann man schon an der Mimik erkennen, was gerade Sache ist.

Besonders das „Mhhh, ich möchte sehr gerne bald etwas trinken!“-Gesicht mit dem verschmitzt-spitzen Mund, den zusammengekniffenen Augen und den Falten auf der Stirn finde ich ziemlich süß. Es erfordert aber auch, dass man dann recht bald reagiert. Sonst wird nämlich das „Ich mache jetzt so lange Krawall, bis es was zu trinken gibt!“-Gesicht daraus.

Meistens sind wir hier jedenfalls ein gutes Team, auch des Nachts kann man sich über den jungen Mann wenig beschweren. Mir ist es sogar schon einmal gelungen einfach durchzuschlafen. Die Kooperation beim Wechseln der Windeln könnte allerdings durchaus ein bisschen besser sein. Die Zappelerei braucht nun wirklich niemand.

Sehr viel Aufmerksamkeit muss man dem kleinen Wesen schenken, dessen Tagesablauf aus trinken, die Windel voll machen und vor allem viel schlafen besteht. Und manchmal muss auch geschrieen werden. Aber nur sehr selten, zum Glück. Ich bin jedenfalls ganz froh, den ersten Monat komplett zu Hause zu sein und mich an den kleinen Mann zu gewöhnen und zusammen die neue Situation zu meistern.

Und so langsam realisiert man dann auch, auf was man sich da eingelassen hat. Herzlich willkommen, Max!

Von großer Hitze, Neugeborenen und MiMiMiMi

Es ist heiß dieser Tage. Wirklich heiß. Nicht nur warm. Heiß. „Rekordsommer“ titeln die Zeitungen. Puh. Ich funktioniere ja bis knapp unter dreißig Grad ganz gut. Dann wird es schon wieder schwer. Bei siebenunddreißig Grad reicht es gerade für die Pflicht. Ich gehe arbeiten. Ich mache Feierabend. Von Kür kann da nicht die Rede sein. Zu Hause ventiliert der Ventilator vor sich hin. Aber eins mache ich dann doch jeden Abend: Spazieren gehen. Meistens ist auch der Fotoapparat dabei. Ich habe einen guten Lauf. Erst gegen Ende der Woche wird es angenehmer und ich wieder ein wenig agiler.

Blick in den Bücherschrank.
Am Bücherschrank auf der Poppelsdorfer Allee komme ich fast täglich auf meinen Spaziergängen vorbei.

Und sonst so? Gleich zwei Neugeborene lerne ich in dieser Woche kennen. Aber keines davon ist uns. Beide gehören zu Paaren aus dem Geburtsvorbereitungskurs. Die haben das schon hinter sich und können sehr anschaulich berichten, was da so passiert. Das ist wirklich spannend, ich merke mir noch die ein oder andere Kleinigkeit. Spätestens am Ende der Woche, als wir die letzten beiden Rumpel-Kisten aufräumen, werde ich vielleicht ein bisschen ungeduldig. Es könnte jetzt so langsam losgehen!

Nicht mehr ganz so Neugeboren sind Frau Schwester, unser gemeinsamer Cousin und seine Tochter. Macht aber nichts, wir sitzen am Donnerstag in der Braustelle im hipsterigen Köln-Ehrenfeld und haben einen schönen Abend.

MiMiMiMi

Freitag ist MiMiMiMi, die regelmäßige unregelmäßige Lesereihe, die Johannes und Sylvia organisieren. Fräulein Anna ergattert mit die letzten Karten, ich höre größtenteils sehr unterhaltsame Texte. Und nehme mir vor, auch mal wieder etwas Gescheites in dieses Internet zu schreiben, das nicht ein öder Wochenbericht ist. Vielleicht darf ich dann beim nächsten Mal auch wieder etwas vorlesen. Letztes Mal fand ich das ja schon nicht schlecht.

So zwischendrin schaffen es Fräulein Anna und ich dann auch noch, ein bisschen zusammen fern zu sehen. Zuerst: La La Land, den mit unfassbar vielen Preisen ausgezeichneten Musicalfilm mit Emma Stone und Ryan Gosling. Den kannten wir beide noch nicht. Eigentlich ja sonst nicht so mein Genre, bin ich ziemlich verzückt von dem Film. All‘ die Preise hat er jedenfalls verdient.
Gar nicht mal so sehr auf meinem Mist wächst dann die Idee, dass man sich ja auch mal die X-Men-Filme alle anschauen könnte. Wir starten mit dem ersten Film aus dem Jahr 2000 am Sonntagabend. Ich erinnere mich nur sehr grob an die Handlung und kenne die Charaktere kaum.

Von einer heißen Woche und einem Marathon-Ende

Hitze bestimmt die Woche. Meine Güte. Ich antworte mit „früh aufstehen“ und bin regelmäßig als erster am Schreibtisch in der Firma. Morgens bekomme ich am meisten weggearbeitet. Zwei Tage in dieser Woche erspare ich mir die Gurkerei nach Köln und mache es mir lieber am heimischen Schreibtisch bequem. Ich bekomme einiges getan, nichts spektakuläres, die Woche geht vorbei.

🚶🏼‍♂️

Die Sache mit dem „spazieren gehen“, die mache ich ja schon eine Weile. Die letzte Zeit ließ ich das aber ein bisschen schleifen. Doch nicht diese Woche! Jeden Tag geht es Abends noch einmal los. Mal durch die Südstadt, mal quer durch das Uni-Gelände in Poppelsdorf. Einmal geht es am Rhein entlang bis zum Langen Eugen. Mindestens zehntausend Schritte jeden Tag. Abends, wenn es langsam aber sicher ein bisschen abkühlt, ist es richtig schön draußen und mit ein bisschen Luft auch wirklich gut auszuhalten.

Eine Kanone.

Ganz nebenbei schaffe ich es mal wieder, die ein oder andere Kleinigkeit zu erledigen. Ich bin zufrieden. Natürlich gebe ich auch meine Stimme beim Bürgerentscheid über das neue Zentralbad in Bonn ab. Am Ende ist die Mehrheit in der Stadt dagegen, dass das Bad gebaut wird. Mich wundert das nicht. Außerdem telefoniere ich mit einer sehr netten Frau vom Idar-Obersteiner Finanzamt, die mein Vereins-Gedönse wirklich vereinfacht. Ich muss nur ein PDF ausdrucken und ausfüllen. Den ganzen Elster-Quatsch hätte ich mir also sparen können. Aber gut.

Ein Schiff auf dem Rhein.

Der Samstag ist unfassbar produktiv. Ich stehe früh auf und bin schon gegen neun Uhr mit den Einkäufen zurück und habe Flaschenpfand und Altglas weggebracht. Bevor die ersten Sonnenstrahlen auf die Südseite des Hauses treffen, habe ich auch schon auf der Terrasse klar Schiff gemacht: Ein bisschen Unkraut gejätet und allerlei Kram zur Gartenpflege, der die letzten Wochen eher achtlos herumlag, wieder orderntlich weggeräumt.
Mehr durch Zufall lande ich dann in unserem Kellerabteil und verbringe die nächsten anderthalb Stunden damit, dort auch nocheinmal einiges hin und her zu räumen und auszumisten. Vorgenommen hatte ich mir das schon vor langem, nun ist es erledigt.

Am Ende kann ich garnicht so richtig zählen, wie oft ich an diesem Tag völlig durchgeschwitzt bin. Den Nachmittag verbringe ich dann frisch geduscht mit noch ein paar leichteren Sachen in der Wohnung. Einige Bilder wollen wieder aufgehängt werden, ein bisschen Kram muss bei ebay-Kleinanzeigen eingestellt werden.

Der Marvel-Marathon

Außerdem steht das Ende unseres kleinen Marvel-Marathons an. Black Panther ist noch einfach zu bekommen, den kann man einfach bei iTunes mieten. Avengers: Infinity War macht es uns da schon ein bisschen schwieriger. Für einen Kinobesuch müssten wir nach Düsseldorf oder Krefeld gurken, in Deutschland wird der Film erst in drei Wochen bei iTunes veröffentlicht. Am Ende erschleiche ich ihn mir aus dem US-iTunes-Store, für den ich mir extra über ein paar Umwege einen Account anlege. Was man nicht alles tut! Der Film macht mich, ohne das ich groß Spoilern will, ziemlich fertig.

Zum Abschluss gibt es dann noch Ant-Man and the Wasp. Den schauen wir uns der Einfachheit halber im Kino an. Es stellt sich heraus: Sonntags um halb drei gehen nicht so viele Leute ins Kino. Dabei ist es da gerade bei den aktuellen Temperaturen sehr angenehm.

Für den Moment ist unsere Reise durch das Marvel Cinematic Universe also beendet. Zwanzig Filme haben wir uns in den vergangenen Wochen angeschaut und dabei wirklich viel Spaß gehabt. Fräulein Anna ist vermutlich jedes Mal genau so überrascht gewesen wie ich, wie gut sie unterhalten worden ist. Nun sind wir beide gespannt, was uns Captain Marvel im nächsten Frühjahr bringen wird. Das ist ja noch ganz schön lange hin!