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Von zwei Corona-Tests

Letztens wurden Herr Max und ich getestet. Ob wir dieses Coronavirus in uns tragen wollte man sicherheitshalber feststellen, als wir beide ganz allgemeine Erkältungssymptome zeigen. Und das ist auch gut so, denn sicher ist sicher. Da wir zu unterschiedlichen Zeitpunkten krank wurden und nicht zu den gleichen Ärzten gehen, wurden wir auch sehr unterschiedlich getestet.

Herrn Maxens Test ist der erste Streich…

Zuerst ist Herr Max dran. Es ist Montag und die Kinderärztin meldet uns mit Hilfe ihres Computers beim Gesundheitsamt an. Schon kurz danach ruft man mich an und macht einen Termin für den gleichen Tag aus. Das Testzentrum ist in Plittersdorf in einem ehemaligen Bürogebäude, also ein gutes Stück von zu Hause weg. Ich mache einen ausführlichen Spaziergang dorthin und schiebe den mittagsschlafenden Herrn Max vor mir her. Im Fünf-Minuten-Takt scheinen die Termine wohl vergeben zu werden, wie ich im Gespräch mit der Frau herausfinde die kurz nach uns eintrifft. Wir sind fast pünktlich dran und ich bugsiere den Buggy mit dem neugierigen Herrn Max in die Eingangsschleuse des Gebäudes. Hinter einer Glasscheibe machen Menschen von Maltheser Hilfsdienst und dem Roten Kreuz gemeinsam Dienst. Sie fragen unsere Daten sicherheitshalber noch einmal ab und die junge Frau hinter der Scheibe findet den Abgleich zwischen dem Bild in Herrn Maxens anderthalb Jahre altem Kinderausweis und seinem aktuellen, nicht ganz zweijährigen Aussehen genau so witzig wie ich. Nachdem ich meinen eigenen Mundschutz weggepackt und einen neuen ausgehändigt bekommen habe, darf ich dann die zweite Schleusentür mit einem Papiertuch anfassen und aufziehen. Mit der Desinfektion nimmt man es hier sehr genau, die Schleuse ist auch mit einer in entsprechendes Mittel getränkten weichen Matte ausgelegt.

Der eigentliche Test ist dann recht unspektakulär: Ein freundlicher Mann in Einweg-Schutzkleidung und doppelter Bemaskung in Form von Mund-Nase-Schutz und einem Gesichtsschild misst noch einmal Temperatur und sagt ein paar lustige Sachen zur Aufmunterung. Herr Max ist aber wie gewohnt eher neugierig als ängstlich und sitzt ganz ruhig auf meinem Schoß. Auch als eine Ärztin dann den eigentlichen Abstrich macht zuckt er nur kurz. Das ging alles aber auch sehr schnell. Ich frage sicherheitshalber nochmal nach ob es das denn nun schon war. „Ja. Haben sie einen schöne Zeit zu Hause – wir melden uns in vierundzwanzig bis achtundvierzig Stunden!“ Beim Herausfahren muss ich den Wagen noch einmal über eine Desinfektionsmatte fahren und schon sind wir auf dem Heimweg. Die ganze Veranstaltung wirkt auf mich sehr gut organisiert und eingespielt.

Nicht ganz zwei Tage später habe ich dann einen Menschen vom Gesundheitsamt am Telefon der akribisch feststellt, dass ich auch wirklich Herrn Maxens Herr Papa bin. Ich bin ein bisschen beeindruckt, wie ernst man das ganze Datenschutzthema nimmt. Und dann: „Ja, achso. Der Test ist dann negativ. Haben sie noch Fragen?“ Ich habe keine.

… und der Zweite folgt sogleich!

Wie es dann so ist, wenn man mit einem kranken Kind seine Zeit verbringt: Irgendwann fangen auch bei mir die Plaisierchen an. Wie die aufmerksame Leserschaft vielleicht noch in Erinnerung hat, war ich etwa den ganzen Herbst und Winter irgendwie immer ein bisschen krank. Erst als im Frühjahr die Kitas geschlossen wurden stellte sich etwas Besserung ein. Während in der Vergangenheit immer die Nasennebenhöhlen die Erkrankung der Wahl war, ist seit einiger Zeit eher der Mandel-Bereich als erstes dran. Und nachdem ich zuletzt einige sehr schmerzhafte udn eitrige Mandelentzündungstage ohne Stimme hinter mich gebracht hatte, gehe ich dieses Mal schon ein wenig zeitiger zu meiner Hausärztin. Die bestätigt auch meinen Verdacht, findet das alles aber nicht so schlimm und empfiehlt ein Gurgelwasser. „Und weil das nun so eine Sache mit dem oberen Rachen ist, testen wir Sie auf jeden Fall auch mal sicherheitshalber auf das Coronavirus.“ sagt sie. Meint aber eigentlich: Ich bekomme ein Stäbchen ausgehändigt und soll mich dann selbst abstreichen. Die Erklärung, dass das Erwachsene ruhig selbst machen können, damit die Sprechstundenhilfen sich die ewige An- und Auszieherei der im Anschluss dann wegzuwerfenden Schutzkleidung und das dazugehörige Ansteckungsrisiko ersparen können, klingt in meinen Ohren sehr vernünftig. Ich habe die Leute vom Corona-Testzentrum in ihrer aufwendigen Schutzkleidung noch gut in Erinnerung. Und so stehe ich dann auf dem Balkon der Praxis vor dem Fenster des Behandlungszimmers. Auf der anderen Seite wird genau begutachtet, dass ich mit dem Stäbchen keinen Quatsch mache, es wirklich tief genug in den Rachen stecke und alles ordentlich abstreiche. Das ist ein bisschen unangenehm, aber auch schnell gemacht.

Ein Screenshot der Corona-Warn-App. Mein Testergebnis liegt noch nicht vor.
Ich habe schon sehr oft auf „Aktualisieren“ gedrückt. Das Ergebnis habe ich dann aber per Telefon erfragen müssen.

Die Auswertungslabore scheinen auch am Wochenende zu arbeiten, man verspricht mir, dass sich jemand bei mir mit dem Ergebnis des Abstrichs meldet. Das „… und wenn nicht, dann rufen Sie Montag da selbst an!“ hätte mich aber stutzig machen können. Zu Hause isoliere ich mich dann erst einmal brav selbst und scanne den QR-Code, der auf meinem Testzettel mit der Kennungsnummer abgedruckt ist, mit der Corona-Warn-App. Angeblich soll dort auch das Ergebnis dann automatisch angezeigt werden.

Kleiner Spoiler: In der Warn-App ist das Ergebnis bis heute nicht verfügbar. Auch bei mir meldet sich zuerst einmal niemand über das Wochenende. Am Montag bin ich dann nicht nur wieder völlig Beschwerdefreim, sondern auch ein bisschen genervt und rufe direkt zur Öffnungszeit bei der Hausärztin meines Vertrauens an. Dort ist man auch überrascht und hat aber auch mein Ergebnis vorliegen. Es ist negativ.

Gut, dass weder Herr Max noch ich mehr als nur eine kleine Erkältung hatten. Und gut, dass man uns dennoch sicherheitshalber getestet hat. Die darauf folgende Selbstisolation ist zwar ein bisschen nervig, aber auch sinnvoll: Herauszufinden, dass ich nun rumgelaufen bin und andere Menschen vermutlich angesteckt habe, wäre mir sehr unangenehm. Sehr gut gefallen hat mir die Professionalität all der beteiligten Menschen und welche ernsthafte Ruhe sie auch alle ausstrahlten. Aber Herr Max und ich waren vermutlich auch sehr entspannte Kunden.

Ein kleines bisschen schneller könnte das dennoch gehen und die Übermittlung der Ergebnisse könnte noch ein wenig digitaler erfolgen. Ich hätte mich sehr gefreut, wenn Übertragung des Ergebnisses per App funktioniert hätte. Da ist noch ein bisschen Luft nach oben.

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