Der Weihnachtsbaum mit dem kurzen Weg

· Alltäglich Belangloses

Seinerzeit, als wir das erste Mal unser Haus besichtigten, fiel uns als allererstes die kleine Baumschonung auf dem Grundstück neben unserem auf. „Da verkauft wohl wer Weihnachtsbäume!“ sagten wir uns, noch bevor wir das erste Mal in die Einfahrt hier fuhren.

Wir spulen vor, etwa elf Monate später: Ein Schild steht zwischen den Fichten „Weihnachtsbäume und Schnittgut zu verkaufen“, gefolgt von einer Telefonnummer. Als wir dann gestern Morgen auch noch Kettensägen-Geräusche hören, sind wir leider nicht schnell genug um noch jemanden anzutreffen. Aber die Telefonnummer ist schnell angerufen. Die nette Frau am anderen Ende erzählt mir, dass ihr Mann die Bäume als Hobby züchtet und wir uns einfach einen aussuchen sollen und einen Zettel mit Telefonnummer dranhängen.

Also noch einmal die festen Schuhe an, zwei Zollstöcke (groß für mich, klein für Herrn Max) gegriffen und ab rüber. Während wir uns noch nicht so richtig entscheiden können, fährt der Hobby-Weihnachtsbaum-Züchter wieder vor. Er stellt sich vor, wir stellen uns vor, zeigen auf das Haus, kommen ins Gespräch. Die Leute vorher haben ja nicht so viel gemacht, er hat manchmal die Hecke ein bisschen gestutzt. Wir versprechen, dass wir ein bisschen fleißiger sind. Und wenn Besuch kommt, ich hätte mich garnicht getraut zu fragen, dann darf der auch gerne mal da in der Einfahrt zu den Tannen stehen.

Schließlich entscheiden wir uns für einen Baum, es rattert die Kettensäge. Ich überlege kurz, das Geäst einfach über den Zaun zu werfen. Aber dafür ist der Baum ein wenig schwer. Also tragen wir ihn schön einmal durch den Vorgarten und dann hinter unser Haus. Da steht er nun unter dem Vordach und darf sich zuerst einmal ein bisschen akklimatisieren und vor allem Schnee und Eis loswerden. Und dann kommt er ins Wohnzimmer. Keine fünfzehn Meter Luftlinie von seinem letzten Standort entfernt.

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