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Feindbilder

In meinem Wohnzimmer steht ein knapper Regalmeter an Romanen von Tom Clancy. An den Büchern des amerikanischen Autors habe ich schon in meiner Jugend gefallen gefunden. Ich erinnere mich noch ziemlich gut daran, wie ich sie mir in der Idar-Obersteiner Stadtbücherei bei Frau Schulz auslieh und dann direkt im Bus nach Hause anfangen musste zu lesen. Das ist eine ganze Weile her. Die neueren Romane fand ich nicht mehr so übertrieben gut – aber das ist eine andere Geschichte.

Die dazugehörigen Filme, vor allem die mit Harrison Ford als Jack Ryan habe ich alle auch das ein oder andere Mal gesehen. Man kann sagen, dass ich ein bisschen hyped war, als ich Werbung für die neue Jack Ryan-Serie bei Amazon Prime sah.

Nach drei der acht Folgen mein Zwischenfazit: Wow. Eine gut gemachte Serie, spannende Handlung, Schauspieler die ich mag. Ich musste mich ein bisschen zurückhalten, nicht alles am Stück und in einer Nacht wegzuschauen. Aber dennoch, ein kleiner Wehmutstropfen: So langsam könnte man mal wieder ein neues Feindbild entwickeln.

Die Geschichte vom bösen Araber

Nach wirklich vielen Staffeln von 24 oder Homeland und all den Filmen, die sich ihre Feindbilder im mittleren und nahen Osten suchen, wird es wirklich mal wieder Zeit sich mit jemand anderem zu beschäftigen. Ich habe nun wirklich genug bärtige Männer auf absurde Arten Sprengstoffe schmuggeln sehen. Es wurden genug Moscheen von schlauen Polizisten abgehört und ausreichend Terroranschläge bei einem Tee in einem mit Wandteppichen behangenen Hinterzimmer geplant. Die ganzen arabisch aufgemachten Filmsets sollten doch so langsam abgeschrieben sein. Ich habe mich daran satt gesehen.

Gerade Clancy macht es einem da sogar richtig einfach. In meinem oben schon erwähnten Regalmeter Bücher gibt es in ungefähr jedem Buch ausreichend Vorlagen für hinterhältige russische Geheimdienst-Mitarbeiter. Wie wäre es mit mächtigen Männern aus China, die nach sehr viel Macht und Rohstoffen streben? „Im Zeichen des Drachen“ hat da eine spannende Geschichte zu bieten. Oder vielleicht mal ein paar europäischen Terrorristen wie in „Operation Rainbow“? Oder südamerikanische Drogenhändler, wie in „Der Schattenkrieg“?

Interessanter Weise passen die Geschichten, die sich Clancy in den achtziger und neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts ausdachte, auch in unsere Zeit ziemlich gut hinein. Vielleicht macht man ja für Staffel zwei der Serie etwas daraus. Das wäre doch mal was anderes.