Dispo

· Fotografie · Netzkram

Ich sage mal so: Die Social Medias und ich, wir stehen ein bisschen auf Kriegsfuß miteinander. Oder zumindest ich mit ihnen. War dieses ganze Mitmach-Internet vor fünfzehn Jahren wirklich toll und interessant, widert es mich dieser Tage eigentlich eher an. Wo ich früher Freundschaften knüpfte, haben heute die Selbstdarsteller und ihre heile Welt übernommen. Ich bin nicht der Einzige, dem es besser geht, wenn er einen Bogen um all das macht. Bei Instagram und Facebook schaue ich nur noch alle paar Tage, respektive Wochen rein. Einzig Tech-Twitter verfolge ich im Moment ganz gerne – wenn das Drama dort nicht gerade wieder einmal überhand nimmt. Clubhouse? Meine Güte, gibt es Leute die einfach nie genug davon bekommen, vollgequatscht zu werden?

Ein Schiff auf dem Rhein.

Ich trauere ja immer noch ein wenig dem Instagram von vor zehn Jahren hinterher. Ich fotografiere gerne und fand die Zeit großartig, als man einfach schnell ein quadratisches Bild machte, einen möglichst unpassenden Filter darüber legte und dann auf „hochladen“ klickte. Wer lange genug in meinem Feed, den ich auch eine Weile „polierte“ scrollt, wird Zeugnisse aus dieser Zeit finden.

Und nun war da letztens Dispo, in Langform „Disposable Camera“, in aller Munde. Eine Einwegkamera-Applikation für das Telefon. Der permanent fröhlich grinsende YouTuber David Dobrik hat sich die scheinbar ausgedacht. Ich fühle mich direkt angesprochen. Die kleine Besonderheit: Es gibt eine Entwicklungszeit. Deine Fotos kannst du dir jeden Tag um neun Uhr am Morgen sozusagen „abholen“.

Der Hofgarten in Bonn.

Die Bedienbarkeit der Anwendung ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Es gibt „Rollen“ und man muss diesen Folgen und Menschen können gemeinsam in Rollen hinein fotografieren, die Einladung dazu ist aber irgendwie nicht so besonders ersichtlich.

Dennoch: Ich mag die App. Vor allem, weil sie so viel nicht kann: Die Bildqualität ist einigermaßen crappy. Es gibt keine Filter und der standardmäßig aktivierte Blitz verfremdet sowieso jedes Bild irgendwie. Man kann zwar Menschen folgen, aber ich habe noch keine Hashtags, Empfehlungen, Werbung oder dämliche Stories entdeckt. Ich bin gespannt wie lange das so bleibt.

Ganz besonders mag ich: Es reicht, wenn man genau einmal am Tag reinschaut. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich im Laufe des Tages etwas ändert, ist durch die Entwicklungszeit nun wirklich gering. Wie entspannt!

Mal schauen, wie lange ich Freude daran habe. Folgt mir gerne, man findet mich als schneyra, oh Wunder.

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